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Kommentar Hände hoch, Henry

20.11.2009 ·  Kann man von einem Spieler erwarten, der Wahrheit die Ehre vor dem Erfolg zu geben? Man hätte es beim jungen Henry erwarten können, beim alten nicht mehr. Er hat gelernt, dass „moralische Sieger“ immer Verlierer sind.

Von Christian Eichler
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Frankreich hat die besten Handballer der Welt. Nun hat einer von ihnen sogar die Fußballer zur WM gebracht. Im empörten Irland (dessen Forderung einer Wiederholung der Pariser Skandalpartie erfolglos blieb), aber auch im Rest der Welt wird Thierry Henry nun mit Diego Maradona verglichen. Immerhin gibt er zu, dass es seine eigene Hand war und nicht die „Hand Gottes“, mit der Maradona 1986 seinen Betrug auf eine höhere Ebene abschob.

Kann man von einem Spieler erwarten, der Wahrheit die Ehre vor dem Erfolg zu geben? Man hätte es beim jungen Henry erwarten können, beim alten nicht mehr. Er hat die Fußballmoral gelernt, dass „moralische Sieger“ immer Verlierer sind. Henry galt in seinen Jahren beim FC Arsenal als bester Spieler der Premier League, aber auch als fairer Sportsmann, weil er nicht versuchte, Freistöße zu schinden.

„Wenn du nicht hinfällst, kriegst du keinen Freistoß

Mehrmals fühlte er sich aber in wichtigen Spielen „verschaukelt“, gerade gegen den großen Rivalen Manchester United, der die großartigste Serie der modernen Fußballgeschichte, Arsenals 49 Spiele ohne Niederlage, 2004 mit einer Schwalbe von Rooney beendete. Der Knackpunkt kam 2006, im verlorenen Champions-League-Finale gegen Barcelona. Henry schilderte, dass er sich über die vielen ungeahndeten Tritte von Carles Puyol beschwert und der Schiedsrichter erwidert habe: „Wenn du nicht hinfällst, kriegst du keinen Freistoß.“

Einen Monat später traf er im WM-Achtelfinale gegen Spanien abermals auf Puyol, bekam dessen Ellbogen gegen die Brust. Henry brach theatralisch zusammen, Puyol erhielt Gelb und Henry den Freistoß, der den Sieg brachte. Frankreich jubelte. Nun sieht man die Sache anders. Viele Franzosen kritisieren den Kapitän und Rekordschützen. Wenn das Schule macht, gibt es Hoffnung, die alte Fußballmoral aufs Abstellgleis zu schieben. Hoffnung auf ein Publikum, das keinen schäbigen Sieger sehen will. Nicht mal, wenn es das eigene Team ist.

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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