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Kommentar Geld und Wut

09.03.2004 ·  Im Profisport geht es um sehr viel Geld, das ist akzeptierte Geschäftsgrundlage. Auf gar kein Verständnis darf aber derjenige rechnen, der in den Grauzonen des großen Fußballs persönlichen Gewinn abschöpft.

Von Roland Zorn
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Money, money, money: Daß es beim Profisport auch um Geld, um sehr viel Geld geht, ist eine seiner längst allgemein akzeptierten Geschäftsgrundlagen. Befremdlich muten dagegen Versuche an, mit hehren Absichtserklärungen die eigene Raffgier zu verschleiern. Auf gar kein Verständnis darf derjenige rechnen, der etwa in den Grauzonen der Busineß-Klasse des großen Fußballs persönlichen Gewinn abschöpfte.

Ob Karl-Heinz Wildmoser, der Patron des Münchner Bundesliga-Zweitklubs 1860, und sein Sohn, der Geschäftsführer der "Löwen" und der Stadion-GmbH, unter Bereicherungsgesichtspunkten bei der Vergabe von Bauaufträgen für die neue Allianz-Arena strafbar gehandelt haben oder nicht, wird sich erst noch zeigen müssen. Das Publikum aber, in Fragen des rechten Umgangs mit dem teuren Gut Geld seit je auf Distanz zu den Verschwendern und Nutznießern des Profitsports, wird sich sein Vorurteil rascher bilden als die Staatsanwälte und Richter ihre gerichtsfesten Erkenntnisse.

Die Versuchung besiegen

Der Wunsch, daß es auch in der professionellen Welt des ge- und verkauften Athletentums wieder honoriger zugehe, ist jedenfalls dieser Tage deutlich spürbar. Mögen auch die Fälle - Mißwirtschaft bei Borussia Dortmund, Nationalitätenwechsel geldgieriger Fußballprofis, möglicherweise unlautere Praktiken beim Bau des neuen Münchner Stadions - nicht miteinander vergleichbar sein, so herrscht doch ein Gefühl des wachsenden Unbehagens beim Konsumenten vor.

In Geldfragen sensibler zu werden möchte man allen empfehlen, die seit Jahr und Tag am großen Rad des Sports drehen und dabei die Versuchung besiegen müssen, sich nicht blenden zu lassen vom eigenen Ehrgeiz, vom merkantilen Erwerbstrieb oder von der Aussicht auf en passant gezahlte Provisionen. Zum Glück greifen auf der Seite derjenigen, die das Geschäftsgebaren im Sport oder auf sportaffinen Schauplätzen kontrollieren, die Gesetzmäßigkeiten des Marktes, gegebenenfalls der Justiz.

Scheich-Wege und Abzockertouren

So hat die Geschäftsführung von Borussia Dortmund angesichts eines unübersehbar ausgewiesenen Halbjahresverlusts von knapp 30 Millionen Euro eine letzte Chance bekommen, den Turnaround, also die Wende zurück zur ökonomischen Vernunft, zu schaffen; die Ailtons dieser Welt, auf Scheich-Wegen und Abzockertouren unterwegs, dürften schon bald seitens des Internationalen Fußball-Verbands von ihrem Trip nach dem Motto "Eben noch Brasilianer, heute schon Qatarer" zurückgepfiffen werden; wie es letztlich den Wildmosers ergehen wird, liegt in den Händen der Justiz.

Die Polizeiaktion vom Dienstag morgen mit anschließender Festnahme von Vater und Sohn kann mittelbar auch dem TSV 1860 erheblich schaden. Dieser Klub erweckt seit Jahren den Eindruck, im Familienbesitz der Wildmosers zu sein, Karl-Heinz senior spielt in dem Stück "Die Löwen-Bändiger" den Patriarchen, Karl-Heinz junior den Thronfolger. Wenn dann das Renommee der auch für das wirtschaftliche Wohlergehen des Vereins scheinbar unentbehrlichen Protagonisten derart erschüttert wird wie am Dienstag, könnte auch der abstiegsgefährdete Klub seine Zeit brauchen, sich davon zu erholen. "Löwen" mit Biß sind nun erst recht gefordert - zum Wohle der Fans und eines Vereins mit einer großen, respektablen Tradition.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung
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