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Kommentar Gedankenlose Regelbrecher

 ·  Den Beinahe-Spielabbruch von Düsseldorf verursachten keine Hooligans, sondern Hinz und Kunz. Ihre Respektlosigkeit korreliert mit einer Bereitschaft, Regeln zu brechen, die quer durch die Gesellschaft zu erkennen ist.

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© dpa Endlich mal mittendrin, statt nur dabei: Fußballfans auf dem Platz - vor dem Schlusspfiff

Nun übernehmen die Anwälte den Fall von Düsseldorf. Sie haben sich schon eingeschossen und werden die Fronten verhärten. Wenn doch Berliner Spieler angeblich Todesangst gehabt haben sollen bei ihrem Auftritt in den letzten Sekunden der zweiten Relegationspartie gegen Düsseldorf. So wirkte ihr Spiel nicht. Und dagegen spricht auch die Klage der Hertha-Profis über den Schiedsrichter nach dem Schlusspfiff. Sie hätten gerne die volle Nachspielzeit genutzt. In Todesangst?

Der Kampf um Recht oder Unrecht, um den Versuch, je nach Interesse eine Neuansetzung des Spiels oder die Akzeptanz des Ergebnisses zu erreichen, wird dem eigentlichen Problem nicht gerecht werden. Denn am Dienstag offenbarte sich im Stadion nicht allein die Schwäche von einigen wenigen Fans, die mit Störfeuern der übelsten Art Zuschauer und Spieler gefährdeten, weil sie ihren Frust nicht geregelt bekamen oder in die Show eingreifen wollten.

Überraschender als dieses kriminelle Verhalten war die Gedankenlosigkeit von Tausenden, als sie im Glauben, das Spiel sei abgepfiffen, den Platz stürmten. Sie rissen Rasenstücke aus dem Spielfeld, zerschnitten die Tornetze, verbogen das Torgestänge und brachen es auseinander – vor lauter Freude.

Die Gründe für Sachbeschädigung sind letztlich zweitrangig. Die Fakten bleiben, nämlich Respektlosigkeiten am laufenden Band: Tausende haben die Ordner im Innenraum des Stadions ignoriert, sie haben die Bitten des Stadionsprechers überhört, das Eigentumsrecht missachtet und insgesamt die Grundregeln des Zusammenlebens außer Kraft gesetzt.

Diese Menschen waren keine brutalen Hooligans, keine sportpolitisch motivierten Ultras, es waren Hinz und Kunz, Väter mit teils minderjährigen Söhnen, die mittendrin sein wollten, nicht nur dabei. Dieses Verhalten ist nicht allein ein Phänomen des Fußballs. Dort fällt es nur schneller auf, weil ständig Kameras Grenzübertritte hautnah dokumentieren.

Verrohung der Sitten

Die Bereitschaft, Regeln zu brechen ist überall im Lande und quer durch die Gesellschaft zu erkennen. Demonstranten halten sich nicht an Verfügungen von Verwaltungsgerichten, große Unternehmen unterlaufen wie selbstverständlich Steuergesetze, selbst der einst höchste Mann im Staat wusste sich nicht zu benehmen. Mit der Verstärkung von Polizeieinheiten (in Stadien) oder mit einer härteren Bestrafung lässt sich dagegen auf Dauer nicht ankämpfen.

Denn die Verrohung der Sitten sind das Ergebnis einer Entwicklung, die Lehrer schon seit Jahren beobachten, Unterrichtsstörungen, groteske Beleidigungen, ja Bedrohungen. Wer das ändern will, muss bei den Kleinsten anfangen, mit der Anerkennung von Grundwerten in der Familie. Im Stadion ist es zu spät.

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Jahrgang 1964, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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