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Kommentar Die Stunde der Großen

18.11.2007 ·  So viel ist nun sicher: Den Ausrichtern der Fußball-EM steht massenhaft Besuch ins Haus. Deutsche, Engländer, Italiener, Niederländer, Franzosen oder Türken werden Schweizer und Österreicher noch mächtig ins Schwitzen bringen.

Von Roland Zorn
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Die verheißungsvollen Momente der Kleinen sind Vergangenheit, zum Endspurt um die besten Plätze beim Europameisterschaftsturnier 2008 schlägt die Stunde der Großen. Seit Samstag können sich die Gastgeber in Österreich und der Schweiz auf ein erlesenes Starterfeld freuen; gleichzeitig müssen sie auch ihre leisen Beklemmungen unterdrücken.

Denn so viel ist nun sicher: Den Ausrichtern der EM steht massenhaft Besuch ins Haus. Weltmeister Italien gibt sich die Ehre, hoffentlich begleitet von Tifosi, die in den Alpenländern keinen Rabatz, sondern bella figura machen wollen. Allez les bleus – auch der WM-Zweite Frankreich hat sich die mögliche Gelegenheit zur Revanche für das Finale 2006 nicht nehmen lassen und ist mit von der Partie.

England ante portas

Ante portas harrt seit dem Wochenende auch das Fußball-Mutterland England auf Einlass. Ein Remis am Mittwoch gegen die schon qualifizierten Kroaten genügt, um mit der Unterstützung von zehntausenden umtriebigen Fans dabei zu sein. Ähnlich sehnsüchtig erwarten Millionen Türken, die mittlerweile in Deutschland, der Schweiz oder Österreich heimisch geworden sind, den letzten Qualifikationsspieltag am Mittwoch. Noch ein Sieg gegen Bosnien-Hercegovina, und auch ihre Mannschaft nebst riesigem Anhang kann die Reise zur EM buchen.

Es wird also mächtig was los sein in den eher gemütlich anmutenden Alpenrepubliken, wenn dort die komplett versammelten großen Fußballländer Europas, zu denen auch die Niederlande und Spanien, am Mittwoch wohl auch noch Portugal gehören, im Juni des kommenden Jahres Flagge zeigen.

Jede Menge Fußballfeiersüchtige

Wie dann die Österreicher und die Schweizer den Ansturm der Besucher unter touristischen, logistischen und Sicherheitsgesichtspunkten meistern werden, ist die spannende Zusatzfrage beim drittgrößten Sportereignis der Welt. Gespielt wird in acht Stadien, von denen nur die Arenen in Wien und Basel mehr als 30.000 Zuschauer beherbergen.

Die Mehrheit der Fußballfeiersüchtigen wird in den Städten nach den 2006 in Deutschland erprobten Public-Viewing-Arealen suchen und muss sich dabei, vor allem in der Schweiz, auf beengte Verhältnisse gefasst machen. Die Fanströme aus ganz Europa so zu kanalisieren, dass die EM als nächstes grenzenlos bombastisches Fest nach der Megaparty in Deutschland empfunden wird, dürfte bei der auf drei Wochen komprimierten EM nicht so einfach sein.

Paneuropäische Reisewelle

Deutsche, Engländer, Italiener, Niederländer, Franzosen oder Türken werden die touristisch zwar erfahrenen, aber mit dem Massenphänomen Fußball noch nie derart intensiv konfrontierten Schweizer und Österreicher noch ins Schwitzen bringen. Da kommt was auf sie zu.

Die Hoffnung auf eine europäische Fußball-Gala ist nach den Ergebnissen vom Samstag so gewaltig wie die dann mit Sicherheit zu erwartende paneuropäische Reisewelle. An denen, die einladen, und denen, die kommen, liegt es, der EM 2008 einen Geist einzuhauchen, der an die WM 2006 erinnert.

Die Europameisterschaft ist eine einzigartige Gelegenheit für die als feierndes Völkchen noch nicht allseits bekannten Schweizer wie für die fetenerprobten Österreicher, sich als großartige Gastgeber zu bewähren. Eine Aufgabe, die angesichts des Besuchs der gesamten europäischen Fußballelite nun noch reizvoller und schwieriger zugleich geworden scheint.

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