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Kommentar Die Last der Verantwortung

 ·  Wer jemals Auschwitz gesehen hat, weiß, wie erschütternd diese Erfahrung ist. Darum sollte der DFB trotz aller Verantwortung nein sagen dürfen zu einem Besuch während der EM. Und gleichzeitig ja sagen.

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Kann der Deutsche Fußball-Bund überhaupt noch nein sagen zu Dieter Graumanns Aufforderung? Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland „wünscht sich“, dass die deutschen Spieler während der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine das Vernichtungslager Auschwitz oder die Gedenkstätte Babi Jar besuchen.

Und er weiß, welche moralische Wucht von diesem Vorstoß ausgeht. Jede Begründung, ihm diesen „Wunsch“ abzuschlagen, würde armselig wirken angesichts der Autorität dieser Stätten.

Die Nationalmannschaft hat keine Zeit? Lächerlich, wer will, der kann. Sie hat anderes zu tun? Was sind schon ein paar Fußballspiele angesichts der Millionen Opfer des Holocaust. Sie hat eine andere Mission, nämlich einen Titel zu gewinnen? Was sind Siege auf dem Fußballplatz angesichts des Todes.

Die Bilder von einem Dutzend demütiger, geschichtsbewusster Sportstars in Auschwitz hätten wahrscheinlich große internationale Wirkung, schon deshalb, weil berühmte Kicker bei der Mehrzahl der Menschen allemal stärkere Emotionen auslösen als Politiker.

Doch trotz allem darf man die Fußballspieler nicht nur als nationale Symbole und deutsche Helden sehen, sondern muss ihnen zubilligen, dass sie junge Menschen in einer Extremsituation sind.

Erschütternde Erfahrungen, die viel Energie kosten

Dass einige von ihnen unter der glanzvollen Oberfläche in Schwarz-Rot-Gold von Ängsten und Zweifeln geplagt sind. Sie sollen bei der Europameisterschaft nicht weniger als den Titel gewinnen, stehen unter innerem und äußerem Druck, werden ständig nach ihren Gefühlen gefragt und permanent fotografiert.

Darum muss die Frage erlaubt sein, ob der von Dieter Graumann eingeforderte Zeitpunkt richtig gewählt ist. Wer jemals Auschwitz gesehen hat, weiß, wie erschütternd diese Erfahrung ist, und wie viel Energie es kostet, sie zu verarbeiten.

Nationalspieler sollten an eine Gedenkstätte fahren

Darum sollte der Deutsche Fußball-Bund trotz aller gesellschaftlichen Verantwortung nein sagen dürfen zu diesem Vorschlag. Und gleichzeitig ja sagen.

Natürlich sollten die Nationalspieler trotzdem an eine der Gedenkstätten fahren. Vielleicht vor dem großen Turnier, und nicht nur als historische Geste, sondern um zu erfahren, dass Niederlagen auch in einem EM-Spiel die Bezeichnung Katastrophe nicht verdienen.

Verschiedene Kulturen und Religionen in der DFB-Elf

Oder erst nach der Europameisterschaft, um den Gastgeberländern ihren Dank zu erweisen. Und um zu realisieren, welch großes Glück sie haben, in einer Zeit zu leben, in der die deutsche Nationalmannschaft dafür gepriesen wird, dass sie Sportler verschiedener Kulturen und Religionen in sich vereint.

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Jahrgang 1958, Sportredakteurin.

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