Am Ende wieder: Parolen. „Ihr müsst jetzt wach werden. Ihr müsst böse werden. Ihr müsst aggressiv spielen.“ So sprach Karlheinz Rummenigge beim Mitternachtsbankett nach der Pleite von Basel. Dabei wählte der Vorstandschef der Bayern auch ein Wort, das einem Tischredner vielleicht nicht geziemte, aber viel verriet: „Um aus der Scheiße, in die wir uns reingespielt haben, wieder rauszukommen.“ Parolen also, Latrinenparolen in diesem Fall.
Was sie verraten? Ratlosigkeit. Kaum je hat es einmal eine so gut besetzte Bayern-Mannschaft gegeben, die ein solches Rätsel war. Auch sich selbst. Mal so, mal so, mal traumhaft, mal traumatisch, aber warum und wann? Jede Prognose ist eher ein Horoskop. „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll“, sagte Mario Gomez.
So ratlos ehrlich waren nicht viele. Die meisten sprachen die üblichen Durchhalteparolen, wonach man ja noch alles in der Hand habe. Das aber glaubte man auch vor einem Jahr nach dem 1:0-Hinspielsieg bei Inter Mailand. Drei Wochen später, nach dem 2:3 im Rückspiel, war die Saison kaputt: Meisterschaft, Pokal, Champions League, dreifache Nullnummer schon im März. Eine Wiederholung brächte diesen gern reizbaren Klub nun wohl an den Rand des Nervenzusammenbruchs.
Ist das Modell der Bayern überhaupt noch aktuell?
Rummenigge appellierte also an den Willen. Das zeigte, dass auch er nicht weiß, woran es fehlt. Am Willen fehlte es in Basel nämlich nicht. Eher am Wissen. Dem Wissen, wie man eine modern verteidigende Mannschaft aushebelt. Wie man den Druck so erhöht, dass es wirkt. Sie probierten ein wenig Pressing.
Aber es haperte an den Feinheiten: den Abständen der Spieler, dem Umsetzen in Attacken, dem Umschalten in Rückwärtsbewegung. Individuelle Klasse ist reichlich da, aber keine kollektive Idee. Und am Ende fruchtloser Ballsicherheit steht Unsicherheit.
Vielleicht auch die Unsicherheit darüber, ob das Modell des FC Bayern so noch aktuell ist - sich den mit Abstand teuersten Kader der Bundesliga zu leisten und ansonsten das zu glauben, was die Konkurrenz (wie der Dortmunder Chef Watzke) nur zu gern erzählt: dass in einer Saison mit Bayern in Normalform nur Bayern Meister werde.
Das ist aber eine Nebelkerze. Die Addition individueller Klasse ist nur dann von Wert, wenn sie auch die tägliche Gruppenkleinarbeit leistet: das Feilen an den Details des Verschiebens, der Abstände der Spieler, der Übergänge von Spielsituationen, der automatisierten Abläufe. Erst so entstehen Teams, die kollektiv intuitiv spielen und stets - auf unterschiedlichem Niveau - schwer zu schlagen sind. Das geht nicht nur in Barcelona, auch in Basel. In München sollte es auch möglich sein.
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