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Fifa-Wahl : Und was sagt der Scheich?

Wo er ist, ist oben: Scheich Ahmad Al Fahad Sabah Bild: dpa

Um Ahmad Al Sabah, den Zirkusdirektor der Sportpolitik, ist es vor dem Fifa-Kongress seltsam still. Weiß er etwa nicht, wie die Wahl ausgeht? Zu Hause hat er jedenfalls Ärger.

          Seltsam: In dieser Woche stehen fußballpolitische Entscheidungen dramatischen Ausmaßes bevor. Der Lärmpegel im Präsidenten-Wahlkampf des Weltverbandes Fifa wird bis zum Kongress am Freitag noch steigen. Aber um einen Mann ist es seltsam still. Scheich Ahmad Al Fahad Al Sabah, der Multifunktionär, der sonst so gerne in der Manege der großen sportpolitischen Entscheidungen den Zirkusdirektor spielt, zieht diesmal ganz im Verborgenen seine Strippen.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Die alten Seilschaften sind noch intakt, trotz des Drucks von Justiz und Sponsoren und trotz der Suspendierung der beiden Schlüsselfiguren Joseph Blatter und Michel Platini. Niemand im alten Fifa-Filz gibt freiwillig Macht und Pfründe auf oder lüftet gar seine düsteren Geheimnisse. Und es ist davon auszugehen, dass die Mobiltelefone der beiden Fifa-Outlaws in den nächsten Tagen auf Hochbetrieb laufen werden. Merkwürdig nur, dass Scheich Ahmad, sonst ein wandelndes Stimmungsbarometer, diesmal nichts anzeigt.

          Im vergangenen Herbst hatte er sich noch offen für den Kandidaten Scheich Salman bin Ibrahim al Khalifa aus Bahrein positioniert. Der ist ohnehin eine seiner persönlichen Schachfiguren. Ihn hat er einst an die Spitze des asiatischen Kontinentalverbandes befördert. Scheich Ahmad parlierte im Oktober sogar darüber, dass dessen Gegenspieler Gianni Infantino, der Kandidat der Europäer, doch viel besser Generalsekretär unter dem Präsidenten Salman werden könnte. Aber Infantino distanzierte sich.

          Damals schien Scheich Salman als Fifa-Präsident kaum mehr zu verhindern. Doch seit klar ist, dass die Folter-Vorwürfe, die Menschenrechts-Organisationen gegen das Mitglied des Herrscherhauses von Bahrein erheben, nicht so einfach durch ein schwammiges Dementi heruntergespielt werden können, hat sich etwas verändert.

          Ein simples sportpolitisches Programm

          Scheich Salmans Wahlkampf hat Energie verloren. Und plötzlich machen Wahlkampf-Insider Scheich Ahmad nun zusätzlich auch noch als Förderer Infantinos aus. Denn eines ist klar: Der Kuweiter will in jedem Fall bei der Siegerparty auf den Tischen mittanzen. Wenn das Rennen sich also zu einem knappen Zweikampf zuspitzt, tut er gut daran, am besten gleich auf die beiden Top-Kamele zu wetten.

          Fifa-Skandal : Nachfolger von Blatter gesucht

          Der 52 Jahre alte Kuweiter, Mitglied der Fifa-Exekutive, Chef des Olympischen Rats Asiens und der Vereinigung der Nationalen Olympischen Komitees, hat eben ein simples sportpolitisches Programm: Er will immer bei den Siegern sein. Für ihn und seine Spielchen wäre es also am besten, an den manipulationsfreudigen Fifa-Strukturen hätte sich nie etwas geändert. Darum wirkt es zunächst erstaunlich, dass er Mitglied der Reformkommission wurde, die der Fifa ein moderneres, glaubwürdigeres Gesicht geben soll.

          Aber auf den zweiten Blick ist alles klar. Eine bessere Kontrolle über den Reformprozess gibt es nicht. Die Kommission wird angeführt von dem Scheich Ahmad nahestehenden Anwalt François Carrard und dominiert von Vertretern der Kontinentalverbände, also genau den Organisationen, deren korrupte Funktionäre die Fifa in den moralischen Ruin und ins Visier von Staatsanwälten trieben.

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