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Köln-Trainer Solbakken Der smarte Sturkopf

 ·  Ståle Solbakken hat sich im Machtkampf mit Volker Finke durchgesetzt. Jetzt muss der Trainer beweisen, dass er beim 1. FC Köln auch allein strahlen kann. Am Sonntag (17.30 Uhr) muss sein Team in Hannover bestehen.

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© dpa Der geschicktere unter zwei Sturköpfen: Stale Solbakken hat sich beim 1. FC Köln gegen Finke durchgesetzt

Den 1. FC Köln beschreiben viele als chaotisches Phänomen - als Klub, der den Karneval im Alltag mit den Mitteln des Fußballs fortsetzt. Seit langem klaffen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. Die Vision, eines Jahres wieder zum „Real Madrid des Westens“ zu werden und damit ein altes Selbstverständnis wiederzubeleben, verkümmert stets aufs Neue zur Illusion.

Jüngst aber hat der Klub einen Maßstab gesetzt, nicht nur für sein Paralleluniversum, sondern für die ganze Fußballbranche. Gegen die übliche Praxis tauschte der „FC“ nicht den Trainer aus, sondern den Manager. Volker Finke, dem Sportdirektor im Rang eines Geschäftsführers, blieb nichts anderes übrig, als eine „einvernehmliche Trennung“ zu akzeptieren. Der Gewinner eines Machtkampfs, der auch in die Mannschaft hineinwirkte, heißt Ståle Solbakken. Er darf bleiben und weiter versuchen, den FC-Profis seine Idee vom Spiel abseits des taktischen Mainstreams zu vermitteln.

Streit der Sturköpfe

Viel hat der 44 Jahre alte Fußball-Lehrer mit seinem eigenwilligen Konzept noch nicht erreicht. Vor dem Auswärtsspiel an diesem Sonntag (Anstoß: 17.30 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker)) gegen Hannover 96 rangiert Köln im unteren Mittelfeld und hat überdurchschnittlich viele Gegentore zu beklagen. Dennoch behauptete sich der Cheftrainer in einem Richtungsstreit, der erst kein Miteinander und zum Schluss auch kein Nebeneinander mehr zuließ. So mancher, darunter auch Finke, hat ihn unterschätzt.

Solbakken sagt, er habe nichts gegen interne Diskussionen, aber für die Mannschaft könne es „nur eine Meinung geben - und das ist meine“. Ähnlich klar hatte er sich schon kurz nach dem Fehlstart in die Saison ausgedrückt. Seine Taktik war überhaupt nicht aufgegangen, doch Solbakken sagte so sanft wie selbstsicher, es gebe nur ein Konzept, und zwar das seine.

Im Streit der Sturköpfe ging er taktisch geschickter vor als sein Widersacher. Während Finke oft als sauertöpfischer Dogmatiker wahrgenommen wurde, steckt die Sturheit des Trainers in einem smarten Gewand. Gemessen am spärlichen sportlichen Erfolg, kommt Solbakken in Köln gut an. Der Trainer schafft ein moderates Gesprächsklima und begegnet der notorischen Aufregung um den Klub entspannt. „Es ist Fußball, und ein bisschen Humor ist gut für alle“, sagt Solbakken.

Gute Auffassungsgabe

Nach dem Sieg über Hertha BSC Berlin, einen Konkurrenten im Kampf um den Klassenverbleib, wurde er gefragt, ob nun ein wenig Ruhe einkehren werde. „Nein“, entgegnete Solbakken und ließ diese kurze Antwort für sich stehen. Auch die Mitgliederversammlung mit dem Rücktritt des Präsidenten Wolfgang Overath als Höhepunkt kommentierte der Trainer beinahe belustigt. Im Vergleich zum Jahr davor sei es dieses Mal noch „verhältnismäßig ruhig“ zugegangen.

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So unnachgiebig er die Grundsätze seines taktischen Konzepts verfolgt, so bereitwillig räumt Solbakken im Einzelfall Fehler ein. Er gesteht sie auch den Spielern zu. Als das hohe Lerntempo in der Systemfrage sie im Sommer überforderte, zeigte er Verständnis und diagnostizierte hohen Nachholbedarf. „Es ist schwer genug für die Spieler, dass sie im letzten Jahr drei Trainer mit drei unterschiedlichen Vorstellungen hatten.“

Neben taktischem Geschick auf und neben dem Fußballplatz besitzt Solbakken offenbar eine gute Auffassungsgabe. „Inzwischen weiß ich, wie die Kölner denken“, behauptete er schon nach fünf Monaten Aufenthalt in der Stadt.

Solbakken schickt sich an, nicht nur den Kölner an sich zu verstehen, sondern auch dessen liebsten Fußballprinzen. Im Gegensatz zu Finke ist der Trainer so klug, Lukas Podolski - solange er noch da ist - als Kultfigur nicht bloß zu dulden, sondern auch anzuerkennen. Obwohl die beiden einen schwierigen Start hatten, schmiedete der Trainer mit Podolski eine Allianz, die ihm auch im Konflikt mit Finke geholfen hat. Kurz nach seinem Dienstantritt hatte er Podolski als Kapitän abgesetzt, aber im Gespräch mit dem Stürmer muss Solbakken überzeugend gewirkt haben.

Freiheit nutzen

Er wolle den meistbeachteten Spieler der Mannschaft entlasten und andere Profis wie den neuen Kapitän Pedro Geromel oder dessen Stellvertreter Sascha Riether als Führungskräfte aufbauen, lautete das Argument. Podolski zeigte sich enttäuscht, aber auch einsichtig. Er entwickelte sich taktisch weiter und erzielte die Hälfte der insgesamt 32 Tore des FC. Solbakken weiß all das zu schätzen und dankt dem Angreifer. „Lukas denkt immer zuerst an den Verein und dann an sich selbst.“ Podolski wiederum fand es sinnvoller, den Trainer zu unterstützen, als mit dem Fußball-Intellektuellen Finke zu paktieren, dem der Kult um den kickenden Stadtheiligen auf die Nerven ging.

Solbakken ist es zu billig, die Fehler Finke zuzuschreiben und die Fortschritte sich selbst. „Es war nicht so, dass ich alles richtig gemacht habe und Volker Finke alles falsch“, sagt er. Manches wird nun leichter für den Trainer, manches schwerer. Der Norweger muss zeigen, was er mit seiner neuen Freiheit anzufangen weiß. Ohne den Schatten, den Finke geworfen hat, dürfte es für Solbakken schwieriger werden, hell zu leuchten. Das gilt erst recht, wenn er sich bald an einen neuen Sportdirektor gewöhnen muss - ob er Dietmar Beiersdorfer heißt oder anders.

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