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Kommentar zum DFB-Rücktritt : Klose war ein Geschenk

Nur einen Salto gönnte er sich ab und zu: Miroslav Klose Bild: dpa

Unprätentiöser und uneitler als Miroslav Klose war keiner. Seine Laufbahn scheint heute nicht mehr möglich: Klose schoss aus der siebten Liga in die Weltspitze. Er war ein Geschenk für die Nationalelf.

          War der Rücktritt als Nationalspieler von Philipp Lahm sehr gelungen – gutes Timing, nachvollziehbare Begründung, überwiegend positive Reaktionen danach –, dann ist der Rückzug von Miroslav Klose geradezu perfekt. Wer mit 36 Jahren Weltmeister und WM-Rekordtorschütze wird, der darf guten Gewissens Adieu sagen. Und er dürfte auch sicher sein vor dem harten Urteil von Franz Beckenbauer, der über Lahm noch genörgelt hatte: „Er ist Weltmeister geworden, aber das ist ja kein Grund aufzuhören.“

          Klose hatte alle Gründe dieser Fußball-Welt, um Schluss zu machen, nicht nur den Titel von Rio am 13. Juli. Es sei denn, er hätte es darauf angelegt, mit 38 Jahren noch mal Europameister zu werden oder Lothar Matthäus als deutschen Rekord-Nationalspieler abzulösen. Dass er ohne diese weiteren Superlative in seiner Karriere gut leben kann, dürfte sicher sein, denn dieser Glücksfall von einem Stürmer kam bei allem Ehrgeiz immer ganz gut damit klar, nicht in der ersten Reihe zu stehen.

          Unprätentiöser, uneitler war jedenfalls keiner. Und das auf einer Position, die – entsprechenden Erfolg vorausgesetzt – förmlich einlädt zum Abheben. Denn jeder Treffer kann immer auch zu einer Show in eigener Sache genutzt werden. Klose hob höchstens bei seinen rituellen Salti nach Toren ab, und als ihm diese Einlage zuletzt nicht mehr ganz so leicht fiel und die Knochen ächzten, gab er das offen zu.

          Um zu ermessen, welche Art von Karriere hier zu Ende gegangen ist, reicht ein kurzer Blick auf die, die Klose in den Schatten gestellt hat. Was diesen WM-Sommer betrifft: Kickende Werbestars à la Neymar und oftmals geniale Weltfußballer wie Leo Messi oder Cristiano Ronaldo. Historisch betrachtet: Spieler wie die Brasilianer Ronaldo und Pelé oder Gerd Müller, Inbegriff des perfekten Stürmers, die er in der Rangliste der erfolgreichsten Torschützen bei Weltmeisterschaften mit seinen insgesamt 16 Treffern hinter sich gelassen hat.

          Bilderstrecke
          WM-Torjäger Klose : 16 Tore für einen Rekord

          Das Ganze in einer Laufbahn, wie sie nicht mehr möglich scheint. Wer heute in der Nationalmannschaft den Durchbruch schafft, hat in der Regel viele Jahre systematischer Förderung in den zahlreichen Fußball-Leistungszentren des Landes hinter sich. Klose spielte mit knapp zwanzig Jahren noch bei der SG Blaubach-Diedelkopf in der siebten Liga, bevor seiner Karriere Fahrt aufnahm – und einen märchenhaften Verlauf.

          Für den Deutschen Fußball-Bund, der nun bis auf weiteres ohne Stürmer von internationalem Format dasteht, bedeutet dies wohl: Einen Miroslav Klose kann man nicht machen – man muss das Glück haben, ihn geschenkt zu bekommen.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

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          Quelle: F.A.Z.

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