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Klose und Podolski Ausflug in die Liechtensteiner Sommerfrische

05.09.2008 ·  Zwei verhinderte deutsche Torjäger können den Ausflug nach Liechtenstein gut gebrauchen. Miroslav Klose und Lukas Podolski wollen sich den Frust von der Kickerseele schießen. Beide gehen unterschiedlich mit ihren Problemen um.

Von Peter Heß, Oberhaching
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Das Trainingsspiel ist intensiv. Sieben gegen sieben auf große Tore. Das Spielfeld hat Bundestrainer Joachim Löw auf etwa ein Drittel der regulären Fläche reduziert. Das bedeutet zwangsläufig Zweikämpfe und Torschüsse in Serie. Löw simuliert Liechtenstein . Der erste Gegner in der Qualifikationsrunde zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika wird der deutschen Nationalmannschaft am Samstag in Vaduz (20.45 Uhr / Live in der ARD und im FAZ.NET-Liveticker) nicht offen begegnen, sondern sich zurückziehen, die Räume eng machen.

Ein rasches Tor wäre ideal für den Favoriten, bevor eine Zitterpartie aus dem Auftaktspiel wird. Ein Gedankenblitz, ein entschlossener Schuss könnte schon genügen, dies zu verhindern. Miroslav Klose hat von allen aktiven deutschen Nationalspielern die meisten Treffer erzielt - 41 in 82 Länderspielen. Doch bis vor wenigen Tagen hätten nur wenige auf den 30 Jahre alten Stürmer als ersten Torschützen der deutschen WM-Kampagne 2010 Geld gesetzt. Klose litt an der Krankheit, die Torjäger am meisten fürchten, Torlosigkeit.

Für Klose hat das Zählen der Minuten endlich ein Ende

Am vergangenen Sonntag endete dann die elende Zeit, die in der Bundesliga Anfang März begonnen hatte - seine Mitspieler Bastian Schweinsteiger und Luca Toni schenkten ihm gegen Hertha BSC Berlin die Ausführung eines Elfmeters, und Klose traf tatsächlich. Der Bundestrainer freute sich aufrichtig: „Dieses Tor ist jetzt Gold wert für ihn. Egal, ob es ein Elfmeter war oder nicht: Der Treffer gibt ihm das Gefühl der Stärke zurück. Er hat gegen Berlin viel gearbeitet und sich das Tor wohlverdient. Es ist gut für Miro, dass das Zählen der Minuten jetzt endlich ein Ende hat. Gut für sein Selbstbewusstsein, gut für seinen Kopf.“

Und zwei Tage später hielt er tatsächlich den Fuß genau richtig hin, als sein neuer Bayern-Kollege aus Italien, Massimo Oddo, den Ball im Abschiedsspiel für Oliver Kahn in den Strafraum flankte. Bundestrainer Löw hatte vorab die Gala als reines Spaßspiel abgetan. Aber Kloses Ausgleich zum 1:1-Endstand gegen seine Nationalmannschaftskollegen kam dem Bundestrainer allen Ernstes sehr gelegen, könnte es doch den Aufwärtstrend seines Stürmers stabilisieren. „Miroslav zeigt im Training eine klare Steigerung zu den Tagen des Belgien-Länderspiels. Ich sehe ihn körperlich in einer überzeugenden Verfassung“, lobte Löw seinen Stürmer am Donnerstag.

Gefangen wirkt im Strudel zu vieler Gedanken

Aber das Physische ist nur das eine, die Psyche spielt immer mit, gerade bei einem sensiblen Stürmer. Und auch im hektischen Trainingsspiel hat Klose neben einigen guten Aktionen Momente, in denen er es sich unnötig kompliziert macht, falsche Entscheidungen trifft, gefangen wirkt im Strudel zu vieler Gedanken. Klose ist erst auf dem halben Weg der Besserung.

Dass die Trainer, Ottmar Hitzfeld und Jürgen Klinsmann bei den Bayern, und Löw bei der Nationalmannschaft, auch nach den dunkelsten Tagen an Klose festhielten, liegt am Arbeitsethos des Profis. Guter Wille ist ihm nie abzusprechen, Trainingsfleiß auch nicht, und er ist fast immer in der Lage, seine Nebenleute einzusetzen, auch wenn sein Selbstbewusstsein wieder einmal am Boden ist, wenn er nur noch nach unten oder zur Seite schaut, aber nicht mehr nach vorn.

Persönlicher Aufbaugegner Liechtenstein?

Liechtenstein könnte genau der richtige Gegner sein, um Kloses Brust zu straffen und dessen Kinn wieder anzuheben. Er ist optimistisch, „weil ich nach einer guten Vorbereitung wieder den Fitnessstand erreicht habe, den ich für mein Spiel brauche.“ Klose, der ehemalige Kopfball-Spezialist, hat sich zu einem Stürmer entwickelt, der weite Wege geht, und der einen explosiven Antritt benötigt, um an den Gegnern vorbeizukommen.

Es ist nicht die erste Schaffenskrise, die Klose in seiner Laufbahn ereilt hat. Der Kreislauf begann jeweils mit einer schlechten körperlichen Verfassung, sei es durch Verletzung oder Überlastung, dann folgte das mentale Dilemma. Seine Erkenntnis: Nichts hilft außer Tore. „Man muss halt versuchen, sich im Training wieder Sicherheit zu holen“, sagt er. Das tat Klose mit ein paar Sondereinheiten Torschuss- und Flankentraining. Dabei half ihm moderne Technik. „Wir haben bei den Bayern eine neue Ballmaschine, die ist sensationell.“

Auch Erfrischung für Podolski?

Dieses Ausmaß an Lernbereitschaft geht Lukas Podolski ab. Deshalb zieht Klinsmann Klose bei den Bayern vor. Der 23 Jahre alte Angreifer äußerte nun in einer Reihe von Interviews mal wieder Unzufriedenheit mit seiner sportlichen Situation, nachdem ihm Bayern-Manager Uli Hoeneß empfohlen hatte, er solle nicht jammern. Das wiederum wies Podolski weit von sich: „Jammern lass ich mir nicht nachsagen“, wurde er in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“ zitiert.

Löw sprang dem Profi zur Seite: „Lukas jammert nicht, das kenne ich nicht von ihm. Dass er unzufrieden ist mit der Situation, ist normal. Wäre er zufrieden, wäre das kein professionelles Denken von ihm.“ In der Nationalmannschaft hält Löw immer einen Platz für Podolski bereit, entweder neben oder links hinter Klose. „Er ist noch kein ausgereifter Spieler, aber international hat er bei den letzten großen Turnieren überzeugt, was zum Beispiel für einen Cristiano Ronaldo nicht gilt.“ So könnte die Dienstreise ins kleine Liechtenstein gleich für zwei Bayern-Angreifer zu einer echten Sommerfrische werden.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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