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Klinsmann und die Bayern Kleiner Machtkampf und etwas Verständnis

 ·  Auf einen kleinen Machtkampf läßt es der FC Bayern gern ankommen. Über Bundestrainer Jürgen Klinsmann redet Manager Uli Hoeneß derzeit besonders gern. An diesem Dienstag spielt die Nationalelf im neuen Münchener Stadion gegen die Bayern.

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Vielleicht war die Sitzordnung beim Pokalfinale im Berliner Olympiastadion Zufall, vielleicht aber auch Absicht. Bundestrainer Jürgen Klinsmann saß am vergangenen Samstag jedenfalls ein Stück entfernt von den Verantwortlichen des FC Bayern München, viel näher beim Schalker Manager Rudi Assauer. Und der Mann, der zuletzt Klinsmann wieder einmal einen sogenannten guten Ratschlag erteilt hatte, war sehr weit weg: Uli Hoeneß saß unten auf der Bank am Spielfeldrand, gerade einmal in Sichtweite.

Klinsmann und die Bayern, da gab es beim Pokalfinale wenig Berührungspunkte. Und obwohl die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in dieser Woche in München trainiert, könnte man sich weiterhin ganz gut aus dem Weg gehen - wenn man es wollte. Nur an diesem Dienstag abend nicht, wenn der FC Bayern gegen Klinsmanns Elf, die Nationalmannschaft, spielt, anläßlich der Eröffnung der Allianz-Arena.

Amüsiert, aber bestimmt

In den vergangenen Wochen erhärtete sich der Eindruck, daß es die Münchner wieder einmal auf einen kleinen Machtkampf mit den Verantwortlichen der deutschen Nationalmannschaft ankommen lassen. Zuerst waren sie nicht besonders amüsiert, daß Teammanager Oliver Bierhoff verkündete, Sebastian Deisler solle sich über einen Vereinswechsel Gedanken machen; danach fand Hoeneß, der Bundestrainer müsse dringend seinen Erstwohnsitz von Kalifornien nach Deutschland verlegen. Klinsmann sieht sich damit seither immer wieder konfrontiert, in jedem Interview, in jeder Pressekonferenz. Er wirkt dabei fast ein wenig amüsiert, ist aber auch bestimmt. "Ein Umzug stellt sich für mich nicht", erklärte er am Montag in München, zum x-ten Mal.

Klinsmann hat mit Hoeneß schon früher, als der heutige Bundestrainer zwei Jahre lang für die Bayern stürmte, ein paar Sträuße ausgefochten. "Die Verhandlungen mit seinem Berater waren die schwierigsten, die ich jemals hatte", erinnert sich Hoeneß.

Klinsmann scheut den Konflikt mit den Vereinen nicht

Andererseits ist das Verhältnis nicht so schlecht, wie es manchmal scheint. Im Prinzip sind die Bayern sogar ganz froh, daß Klinsmann den Posten im vergangenen Sommer angenommen hat. Die Alternative hätte damals Lothar Matthäus geheißen, der von Hoeneß oft kritisierte redselige Rekordnationalspieler mit besten Beziehungen zum Boulevard. Unter den gegebenen Umständen sei Klinsmann eine gute Lösung gewesen, sagte der Manager in einem Interview mit der "Zeit", "weil Jürgen gewisse alte Zöpfe abschneiden will und abschneiden wird". Er schaffe es viel eher als beispielsweise Ottmar Hitzfeld, nach dem Rücktritt von Völler zunächst der Wunschkandidat für den Posten des Bundestrainers, "die Strukturen beim DFB aufzubrechen". Aber Klinsmann scheut auch den Konflikt mit den Vereinen nicht und ist deshalb unbequem.

Vielleicht liegen die gelegentlichen Dissonanzen nur zu einem kleinen Teil an der Person Klinsmann. Vielleicht liegt es in der Hauptsache daran, daß sich die Bayern als oberste Fußballinstanz in Deutschland verstehen. Die Verantwortlichen, sagt ein Vertreter des FC Bayern, hätten es eben nicht so gerne, wenn ihnen einer vom Strand in Kalifornien aus erklären wolle, wie der Fußball zu funktionieren habe. Klinsmanns Vorgänger, der überall beliebte und umgängliche Rudi Völler, war mehr um einen Konsens bemüht als sein schwäbischer Nachfolger.

Rotation aus Rücksicht

Und deshalb werden gegensätzliche Ansichten auch wieder deutlicher spürbar als zu Völlers Zeiten. Wenn zum Beispiel Bayern-Trainer Felix Magath gegen Ende der Bundesligasaison sagt, daß ihn die Chance von Sebastian Deisler auf eine Rückkehr in der Nationalmannschaft nicht sonderlich interessiere, ist das aus seiner Sicht nachvollziehbart. Schließlich wird er nicht vom Deutschen Fußball-Bund bezahlt, sondern vom FC Bayern. Wenn Magath sich um die körperliche Fitneß seines dauerbelasteten Mittelfeldspielers Michael Ballack sorgt, weil der wegen des Konföderationen-Pokals kaum Urlaub hat, ist das aus seiner Perspektive verständlich. Klinsmann wiederum will auf seine besten Spieler nicht verzichten, zeigt aber Verständnis für die Sorgen des Kollegen Magath.

In den Testspielen gegen Nordirland am Samstag und gegen Rußland vier Tage später sowie auch während des Confederations Cups vom 15. Juni an wird Klinsmann so weit wie möglich Rücksicht nehmen auf den dicht gedrängten Terminplan der Spieler bis zur Weltmeisterschaft im nächsten Jahr und läßt rotieren. Aber er gibt auch zu verstehen, daß seine Kompromißbereitschaft nicht sehr groß sein wird in den nächsten zwölf Monaten. "Wir werden unsere Linie nicht verlassen." Dem Versuch, den WM-Titel im eigenen Land zu gewinnen, haben sich alle unterzuordnen. Sogar die Bayern.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31. Mai 2005
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