Home
http://www.faz.net/-gtm-74cgs
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Klaus Allofs Flucht aus dem Bremer Mittelmaß

 ·  Klaus Allofs wechselt von Werder Bremen zum VfL Wolfsburg. Und zwar mit sofortiger Wirkung. Thomas Schaaf bleibt wohl an der Weser. Dort werden ehemalige Spieler als Allofs-Nachfolger gehandelt.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (5)
© dpa Vergrößern Probesitzen bestanden: Allofs wird Manager beim VfL Wolfsburg

Am Mittwochnachmittag hatte Klaus Allofs die Sprache wiedergefunden, und wie zu erwarten war, durfte das Wort „Herausforderung“ nicht fehlen in den Worten des scheidenden Vorsitzenden der Bremer Geschäftsführung. „Mit diesem Schritt nach Wolfsburg gehen für mich 13 wichtige Jahre zu Ende“, sagte Allofs, „in dieser Zeit hat es immer wieder Angebote anderer Vereine gegeben, die für mich aber nie eine Rolle spielten. Jetzt ist der Punkt gekommen, an dem ich noch einmal eine andere Herausforderung suchen möchte.“

Seit 1999 hatte der 55 Jahre alte Düsseldorfer die Geschicke Werder Bremens gelenkt, zuletzt in einer Doppelfunktion als Sportchef und Geschäftsführer. Man muss es wohl so sagen: In Bremen endet eine Ära. Für einzigartige Stetigkeit steht fortan nur noch Trainer Thomas Schaaf, der sogar noch ein paar Monate länger in verantwortlicher Position beim SVW arbeitet.

Die Rahmendaten des spektakulären Wechsels von Werder zum VfL waren schon in den Tagen vor der offiziellen Verkündung durchgesickert - Allofs erhält in Wolfsburg einen Vertrag bis 2016, soll mit drei Millionen Euro im Jahr knapp das doppelte des Bremer Gehalts verdienen und wird mit einer unbestätigten Summe von vier Millionen Euro aus seinem Bremer Vertrag herausgekauft, der erst im Dezember 2011 bis 2015 verlängert worden war. So viel war es der Tochtergesellschaft der Volkswagen AG also wert, sich die Dienste dieses profilierten Bundesliga-Managers zu sichern.

Allofs war das Mittelmaß leid

Bei Allofs mag die Entscheidung für den VfL auch deshalb gefallen sein, weil er es nach zwei mäßigen Jahren leid war, nur Mittelmaß zu moderieren. „Ich will nicht Vierzehnter werden, das ist nicht mein Anspruch“, sagte Allofs vor ein paar Monaten, auf seine Ambitionen mit Werder angesprochen. Aus seiner Zeit als Profi bei Düsseldorf, Köln, Marseille, Bordeaux und Werder und auch als Bremer Sportchef war er es ja gewohnt, um Titel oder wenigstens die Champions-League-Qualifikation mitzuspielen. Davon ist Werder in diesen Wochen weit entfernt. In Wolfsburg werden die Möglichkeiten ganz andere sein als an der Weser.

Das Versteckspiel hat ein Ende, doch die Fragen hören nicht auf. Werder verliert den Geschäftsführer und Vereins-Chef, Wolfsburg bekommt einen neuen Sportchef, der sehr wahrscheinlich einen Trainer suchen muss - das Personalkarussell dreht sich. In Bremen sind es drei Personen, die offenbar zum Kandidatenkreis der Allofs-Nachfolge gehören: Dietmar Beiersdorfer, Marco Bode und Frank Baumann.

Schaaf wird nicht folgen

Während Willi Lemke, der Aufsichtsratsvorsitzende der Bremer, am Mittwoch nicht über Namen sprechen wollte, galt es in Bremen als ausgemacht, dass der ehemalige Werder-Profi Dietmar Beiersdorfer Lemkes Favorit sei. Doch Beiersdorfer, der über Mittelsmänner kurioser Weise auch vom VfL Wolfsburg kontaktiert worden sein soll, arbeitet erst seit ein paar Monaten in St. Petersburg und verfügt dort als Sportchef bei Zenit über große Geldmengen. Baumann ging zwei Jahre bei Allofs in die Lehre, gilt aber als zu blass und zu still, um die Bremer Zukunft zu gestalten. Bode wurde gerade in den Bremer Aufsichtsrat gewählt, wird von Lemke geschätzt, wäre als Sportchef aber ebenso wie Baumann ein Neuling.

Auf Wolfsburger Seite ist auszuschließen, dass Allofs seinen langjährigen Weggefährten Thomas Schaaf als Trainer mitnimmt. Große Eile gibt es beim VfL nicht, weil der Trainer-Senior Lorenz-Günther Köstner in der Nachfolge Felix Magaths auf leise Töne setzt und mit seinen zwei Siegen aus drei Spielen ordentlich da steht. Köstner sagte: „Für uns ist die Klarheit das wichtigste, dass wir jetzt wieder einen Sportchef haben. Klaus Allofs bringt viel Erfahrung mit. Die Zusammenarbeit zwischen ihm und mir wird sofort beginnen.“ Wolfsburg spielt am Wochenende in Hoffenheim, Werder gegen Düsseldorf. In der darauffolgenden Woche begegnet Allofs dann schon seiner alten Liebe beim Heimspiel des VfL gegen Werder.

Diego soll für Allofs geworben haben

In Wolfsburg wird Allofs auf zwei Spieler treffen, die er einst nach Bremen geholt hatte - Naldo und Diego. Beide stehen auch für die goldenen Bremer Zeiten, als Allofs der Manager war, der vergleichsweise unbekannte Spieler nach Bremen lotste, die sofort Verstärkungen waren und später mit großem Gewinn verkauft wurden.

Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, soll sich Diego besonders um Allofs bemüht haben - sein Freund und Berater Giacomo Petralito soll einige Male in Bremen bei Allofs vorgefühlt haben und dann den Kontakt zum VfL Wolfsburg hergestellt haben. Am vergangenen Donnerstag war das Wolfsburger Interesse öffentlich geworden. Seitdem hatten sich beide Parteien mit öffentlichen Aussagen zurückgehalten.

Wahrscheinlich kehrt bei Werder nun Willi Lemke vermehrt zurück ins Rampenlicht. Nicht als Sportchef, aber als oberster Sucher in Sachen Allofs-Nachfolge. Lemke gehörte nicht gerade zu Allofs’ Freunden im Klub; die beiden waren Gegenspieler. Lemke wird zeigen müssen, ob er auf das bewährte Modell „Werder-Familie“ setzt und Bode oder Baumann befördert. Oder ob er eine externe Lösung findet.

Am Mittwoch sagte Lemke schon mal, dass er für eine Doppellösung plädiere - also die Trennung der Ämter Sportchef und Geschäftsführer. Wohl auch, um den beiden Neuen den Einstieg zu erleichtern. Denn Allofs hinterlasse „riesige Fußspuren“.

Klaus Allofs im Porträt

Geburtstag: 5. Dezember 1956
Geburtsort: Düsseldorf
Beruf: bis 14.11.2012 Geschäftsführer Profifußball und Öffentlichkeitsarbeit, Vorsitzender der Geschäftsführung Werder Bremen
ab 15.11.2012 voraussichtlich Geschäftsführer Sport VfL Wolfsburg

Karriere als Spieler: Position: Stürmer
1975-1981 Fortuna Düsseldorf
1981-1987 1. FC Köln
1987-1989 Olympique Marseille
1989-1990 Girondins Bordeaux
1990-1993 Werder Bremen
- 424 Bundesligaspiele / 177 Tore

Karriere als Nationalspieler
- 56 Länderspiele zwischen 1978 und 1988 / 17 Tore

Karriere als Trainer
1998-1999 Fortuna Düsseldorf (2. Bundesliga)

Karriere als Manager
1999-14.11. 2012 Werder Bremen
15.11.2012-  VfL Wolfsburg

Erfolge als Spieler
1980: Europameister
1986: WM-Zweiter
1992: Europapokal der Pokalsieger mit Werder Bremen
1993: deutscher Meister mit Werder Bremen
1979: DFB-Pokalsieger mit Fortuna Düsseldorf
1980: DFB-Pokalsieger mit Fortuna Düsseldorf
1983: DFB-Pokalsieger mit 1. FC Köln
1991: DFB-Pokalsieger mit Werder Bremen

Erfolge als Manager
2004: deutscher Meister mit Werder Bremen
2004; DFB-Pokalsieger mit Werder Bremen
2009: DFB-Pokalsieger mit Werder Bremen

  Weitersagen Kommentieren (14) Merken Drucken
Weitere Empfehlungen
1:1 gegen Schalke Noch ein Pünktchen für Werder

Die kampfstarken Bremer und Schalke trennen sich nach Toren von Di Santo und Goretzka1:1. Damit ist beiden Mannschaften gedient. Mehr

05.04.2014, 17:45 Uhr | Sport
3:0 für Mainz Bremen war einmal ein Angstgegner

Mainz festigt mit einem 3:0-Sieg über Bremen Platz sieben und nährt die Hoffnung auf eine Europapokal-Teilnahme. Nebenbei tilgt Trainer Tuchel eine Schwachstelle in seiner Bilanz. Werder präsentiert sich desolat. Mehr

12.04.2014, 17:36 Uhr | Sport
4:1 gegen Nürnberg Wolfsburg setzt Leverkusen unter Druck

Der VfL Wolfsburg bleibt heißer Kandidat auf eine Champions-League-Teilnahme in der kommenden Saison. Dabei geht Nürnberg in Führung - und anschließend unter. Mehr

12.04.2014, 17:33 Uhr | Sport

14.11.2012, 11:37 Uhr

Weitersagen
 
Umfrage

Wer wird Champions-League-Sieger 2014?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Blick in die Dunkelkammer der Formel 1

Von Anno Hecker

Das Fia-Schiedsgericht weist den Einspruch von Red Bull zurück: Das Team von Weltmeister Sebastian Vettel verliert somit endgültig wichtige Punkte. Der Zuschauer gewinnt aber wertvolle Einblicke durch das Gericht. Mehr 5 6