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Kim Vilfort im Interview : „Jeder weiß, wo er am Tag des Finals war“

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Dänische Jubeltraube: Irgendwo unten ist auch Kim Vilfort begraben. Bild: Picture-Alliance

Kim Vilfort traf für Dänemark im EM-Finale 1992 gegen Weltmeister Deutschland. Nun spricht er über die Qualität des Siegerteams, das Verhältnis zum großen Bruder und den dänischen Fußball von heute.

          Europameister mit Dänemark, kann man sich im Leben eines dänischen Fußballers mehr vorstellen?

          Als ich 14 Jahre alt war, haben wir mit Skovlunde IF 3:2 gegen Köge gewonnen und sind Seelandmeister der C-Jugend geworden. Ich schoss drei Tore und stand groß in der Zeitung. Das war fantastisch. Und dann konnte eigentlich nicht mehr viel kommen (lacht). Aber okay, ich war dann noch Spieler des Jahres 1991 in Dänemark. Das hat hier eine große Bedeutung. Die EM 1992, das war für ganz Dänemark eine großartige Sache. Aber die beiden anderen Erfolge, die sind tief in mir drinnen und gehören nur mir.

          Den Titel „EM-Held“ werden Sie nie mehr los. Nervt es auch mal, gerade in diesen Tagen, immer auf den Sommer 1992 angesprochen zu werden?

          Also ich habe mich gewiss nicht zu beschweren! Es ist einfach schön, ein Teil des Ganzen gewesen zu sein. Das ist die größte Leistung im dänischen Sport, so fühlen es wohl alle Dänen. Das war so überraschend, und es passt richtig gut zu so einem kleinen Land, aus dem ja ein großer Märchenerzähler kommt, H.C. Andersen.

          Wir haben mit neidischem Blick auf den Kopenhagener Rathausmarkt geschaut…

          Es war fantastisch, was in diesen Wochen im Juni 1992 in Dänemark passiert ist. Man muss ja ganz zurück bis zum Kriegsende, zur Befreiung, um solch eine Euphorie, solch eine Freude aufzuspüren, wie die Menschen sie erlebt haben. Jeder, der über 35 Jahre alt ist, weiß, wo er am Tag des Finals war. Das charakterisiert die Bedeutung des Ganzen. Und das ist es auch für mich als Teil der Mannschaft – zudem mit meinem besonderen Namen. Meine Tochter und mein Sohn werden ja bis heute für meine Taten zur Rechenschaft gezogen (lacht).

          Wie war denn die Ausgangslage nach dem Finale? Party bis zum Umfallen?

          Für uns als Fußballer war es eine erst einmal Befriedigung, eine EM gewonnen zu haben. Der ganze große Rest, der passierte, hatte nicht so viel mit Fußball zu tun. Wir haben etwas geschaffen, das ein einmaliges Gemeinschaftsgefühl erzeugt hat. Das war fantastisch, denn das ist schwer – und fast unmöglich heute, weil die Welt sich verändert hat und das kleine Dänemark mit ihr. So ein Gemeinschaftsgefühl wird es in diesem Ausmaß nicht mehr geben. Alles ist so viel individualistischer geworden. Wir haben traditionell so viele gemeinsame Werte und nur fünf Millionen Einwohner, und schon für uns Dänen ist es schwer geworden, in dieser Welt zusammenzuhalten. Das war 1992 anders. Als wir von Göteborg nach Kopenhagen kamen, haben wir ja erst gemerkt, wie viele Leute das berührt hat; wir brauchten drei Stunden vom Flughafen zum Rathausplatz. Da stand eine viertel Million Menschen in Rot und Weiß – weil wir ein Fußballspiel gewonnen hatten.

          Sieht sich die Mannschaft von 1992 häufig?

          Wir treffen uns einmal im Jahr. Das ist immer richtig gemütlich. Mit den Frauen, den Trainern, den Ärzten, Physios. Früher, als die Kinder klein waren, auch sie, wir haben dann gegeneinander Fußball gespielt. Wir werden uns auch am 26. Juni treffen, 25 Jahre nach dem Finale, das werden dann 60, 65 Menschen sein. Viele sind noch hier in Brøndby. Dänemark ist ein kleines Land, die Entfernungen sind nicht groß, wir mögen es, uns häufig zu treffen.

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