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Kevin Kurányi im Interview : „Du musst Mensch bleiben“

Kuranyi über sein Leben nach der Profikarriere: „Am Anfang war es stressig für mich, weil ich nicht mehr nach den Terminplänen leben konnte, die mir ein Verein vorgibt.“ Bild: Helmut Fricke

Nach seinem Karriereende hat sich das Leben von Kevin Kurányi stark verändert. Im Interview spricht er über Schießtraining in Russland, seinen Frieden mit Bundestrainer Löw, den Confed Cup und sein Imageproblem in Deutschland.

          Privet, kak djela?

          Danke, es geht mir wirklich gut. Mein Leben hat sich richtig verändert, seit ich meine Karriere beendet habe. Ich habe viel zu tun, kann trotzdem sehr viel Zeit mit meiner Familie verbringen. Wenn man wieder mal merkt, welche anderen wichtigen Dinge es noch gibt, dann kann man den Fußball loslassen und ist zufrieden mit sich selbst.

          Wie fühlt es sich an, wenn das Leben nicht mehr nur aus Trainingseinheiten, Spielen und Regenerationszeiten besteht?

          Am Anfang war es stressig für mich, weil ich nicht mehr nach den Terminplänen leben konnte, die mir ein Verein vorgibt. Auf einmal musste ich mich selbst um meine Sachen kümmern, musste mir etwas vornehmen, wieder mehr Verantwortung übernehmen. Das klingt vielleicht komisch, aber als Fußball-Profi lebst du in deinem ganz eigenen Kreislauf. Das habe ich beinahe zwei Jahrzehnte so gemacht, deshalb war es für mich danach wirklich eine Umstellung. Inzwischen genieße ich es. Zuletzt bin ich mit meinem Sohn zu einem Fußball-Turnier nach Kassel gefahren, das war toll. So etwas war für mich früher kaum möglich, weil ich selbst gespielt habe.

          Ihr Sohn ist elf Jahre alt. Läuft er wie Sie früher für den VfB Stuttgart auf?

          Nein, er ist bei den Kickers.

          Kuranyi über Löw: „Ich kann immer noch weiter von ihm lernen.“ Bilderstrecke
          Kuranyi über Löw: „Ich kann immer noch weiter von ihm lernen.“ :

          Ist das denn okay?

          Ja, das denke ich schon. Es ist nicht so weit von zu Hause, und in dem Alter ist es noch in Ordnung. Hauptsache, Stuttgart. Das ist einfach meine Heimat.

          Dort sind Sie zum Profi geworden. Und so ganz kommen Sie auch nach Ihrer Karriere nicht vom Fußball weg – den Confed-Cup werden Sie als Experte für die ARD begleiten.

          Ja, das ist wieder eine neue Aufgabe für mich, eine andere Perspektive. Ich werde viele alte Freunde sehen, ehemalige Kollegen, werde die deutsche Nationalelf sehen.

          Womöglich werden Sie auch Bundestrainer Joachim Löw begegnen, der Sie im Oktober 2008 aus der Nationalelf geschmissen hat.

          Das ist überhaupt kein Problem. Erst im März haben wir uns beim Länderspiel der U 21 hier in Stuttgart getroffen und kurz miteinander gesprochen. Ganz offen, ganz normal – das war toll für mich. Meine Fußball-Zeit ist vorbei, das Kapitel ist somit abgeschlossen, und das, was passiert ist, passiert eben im Leben. Ich stehe vor neuen Herausforderungen und kann dem Trainer, den ich immer respektiert habe, in die Augen schauen und sagen, dass ich eine gute Zeit mit ihm gehabt habe. Dafür bin ich dankbar, und ich kann immer noch weiter von ihm lernen.

          Sie saßen damals in Dortmund beim WM-Qualifikationsspiel gegen Russland nur auf der Tribüne. Warum haben Sie das Stadion in der Halbzeit verlassen?

          Ich war Schalker – und die will man dort nicht so gern auf der Tribüne sehen. Auf dem Weg zu meinem Platz wurde ich von manchen beschimpft, mit Bierbechern beworfen. Das war mir einfach zu viel, und deshalb bin ich nach Hause zu meiner Familie gefahren. Welche Konsequenzen das haben würde, war mir in dem Moment nicht bewusst. Es war eine Kurzschlussreaktion, ein Fehler. Aber das passiert. Jeder Mensch macht Fehler, wir sind schließlich keine emotionslosen Roboter. Wichtig ist, dass wir aus diesen Fehlern lernen – und das habe ich getan.

          Was denn?

          Ich habe danach eine andere Ruhe in mir gefunden. Bevor ich einen Fehler mache, bevor ich überstürzt eine Entscheidung treffe, denke ich lieber erst einmal darüber nach, was ich mache. Und wenn ich mir unsicher bin, dann denke ich weiter nach. Vorher habe ich vor allem meinen Gefühlen vertraut.

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