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„Kein Zwanni“-Sprecher Quambusch : „Die Liga ist auf aktive Fanszenen angewiesen“

  • Aktualisiert am

Marc Quambusch: BVB-Fan und Sprecher der Initiative „Kein Zwanni“ Bild: privat

Auswärtsfans der Top-Klubs sind durch Zuschläge besonders hart getroffen. Deshalb protestieren am Wochenende einige Fanszenen. Ein Gespräch mit Marc Quambusch von der Initiative „Kein Zwanni“ über fehlende Sensibilität der Bundesligaklubs.

          Es gibt am Samstag wieder einmal einen schweigenden Protest der Dortmunder Fans in Wolfsburg. Dieses Mal geht es um Top-Zuschläge. Was ist dagegen prinzipiell einzuwenden?

          Diejenigen Fans die häufig auswärts fahren, haben eh schon die höchsten finanziellen Belastungen zu tragen und für die Fans derjenigen Vereine, die zahlenmäßig viele Auswärtsfahrer mitbringen, kommen dann immer noch Topzuschläge hinzu. Dabei sind es gerade diese Fans, die nicht unwesentlich zum Erfolg der Liga beitragen. Wenn man mal einen Blick in die englische Presse wirft, dann liest man da aktuell schiere Begeisterung über die Atmosphäre in der Bundesliga. Aber gerade diejenigen Fans, die massiv zur Stimmung beitragen - Auswärtsfahrer sind ja fast immer aktive Supporter - müssen dann noch extra zahlen. Oder anders formuliert: Wenn Du zur Attraktivität der Liga beiträgst,  „darfst“ Du noch extra zahlen. 

          Was kosten denn die Eintrittskarten bei einem Spiel Wolfsburg – Dortmund im Vergleich beispielsweise zu Wolfsburg – Fürth?

          Ich würde das jetzt ungerne an Wolfsburg fest machen, denn der Protest richtet sich nicht alleine gegen die Volkswagen-Tochter. Zwar kosten die teuersten Karten für das Spiel gegen Dortmund 70€ - für ein Spiel bei dem es um nichts mehr geht - aber damit reiht sich Wolfsburg leider nur in eine Phalanx mehrerer Vereine ein, die genau diejenigen abkassieren, die viele Leute mitbringen. So zahlt zum Beispiel ein Fan des BVB, der alle Spiele besucht und immer den billigsten Sitzplatz nimmt - so er ihn bekommt - übers Jahr gesehen 150€ mehr als ein Fan aus Fürth, der genau die selben Spiele auf dem selben Platz sieht. Das belastet die - überwiegend jungen - Auswärtsfahrer natürlich. Ich kenne viele, die deshalb nur noch selektiv fahren können. Da kann man als Bundesligaklub zwar sagen: „Pech gehabt, wir sind nicht das Sozialamt“, aber das wäre extrem kurzsichtig. Um es mal im Marketing-Sprech zu sagen, den die Funktionäre so gut verstehen: „Diese Preisstruktur bedroht ein wichtiges Asset der Bundesliga und so das Gesamtprodukt .“ Wenn ich Christian Seifert wäre, würde ich mir Sorgen machen.

          Warum protestieren Sie in Wolfsburg? Sind die Preise dort besonders extrem?

          Wolfsburg hat dieses Jahr, wie z.B. auch Leverkusen den größten Preissprung gemacht. Das ist auch wirklich zynisch: Gerade diese beiden Werksklubs, die von der 50+1 Regel befreit sind und selber so attraktiv wie ein Urlaub im Jemen sind, greifen den Fans der Traditionsvereine in die Tasche. Allerdings wird nicht nur von Dortmunder Seite protestiert und der Protest richtet sich wie gesagt nicht explizit gegen Wolfsburg. Auch Mainz, Hertha, Köln, Stuttgart und weitere Fansszenen bringen ihren Unmut zur Geltung, wobei sich die Poteste da teilweise gegen die Zusammenarbeit der Vereine mit Internet-Ticket-Plattformen richten.

          Zurück zu den Top-Zuschlägen: Wenn die Klubs auf Top-Zuschläge für Gästefans verzichten würden, würden Sie freilich auch die eigenen Fans benachteiligen, die dann dennoch Top-Zuschläge zahlen würden.

          Es ist  keine Benachteiligung, weil ja kein Heimfan deswegen einen Euro mehr zahlen muss. Auch die Dauerkartenbesitzer des Heimvereine zahlen ja keinen Topzuschlag. Die einzigen, die mehr zahlen sind diejenigen Gelegenheitsfans, die überwiegend Spiele gegen Dortmund, Schalke, Bayern oder den Derby-Rivalen sehen wollen. Und auch die würden nicht mehr zahlen als sie es ohnehin schon tun.

          Schweigen in der Mange: Dortmunder und andere Fans protestieren gegen Top-Zuschläge
          Schweigen in der Mange: Dortmunder und andere Fans protestieren gegen Top-Zuschläge : Bild: AFP


          Die Klubs würden aber auf Einnahmen verzichten. Wie hoch wäre der Verzicht der Klubs, wenn Sie die Top-Zuschläge nicht erheben würden?

          Das ist von Verein zu Verein verschieden und hängt natürlich von der Kapazität des Stadions und der jeweiligen Preisstruktur ab. Die Mainzer Fanszene, die im „Kein Zwanni“-Netzwerk sehr aktiv ist, hat ausgerechnet, dass Mainz 05 im ganzen Jahr auf rund 50.000 Euro verzichten würde, wenn die in der kommende Spielzeit neu eingeführten Topzuschläge nicht für Gästefans gelten würden. Aber insgesamt würden die Vereine dabei mittelfristig sogar gewinnen. Der Verein der durch den Verzicht auf Topzuschläge für Gästefans finanziell besonders betroffen ist, weil er das größe Stadion hat, ist Borussia Dortmund. Trotzdem hat  Hans-Joachim Watzke kürzlich bekannt gegeben, dass der BVB in der kommenden insgesamt nur noch zwei mal Topzuschlag erhebt und die Fans der Gastvereine davon ganz ausnimmt. Watzke handelt da strategisch klug, weil er weiß, dass die Liga auf Dauer auf aktive Fanszenen angewiesen ist, damit nicht irgendwann wie in England sich alle anschauen und fragen wo die Stimmung geblieben ist. Die Zuschauereinnahmen machen nur noch einen Bruchteil der Finanzen aus und der Beitrag der Gästefans ist dementsprechend noch kleiner. Wenn ein Verein auf diese Einnahmen nicht verzichten kann, läuft bei dem grundlegend was falsch.

          Gerade Dortmunder Fans haben ja derzeit vor allem ein Problem mit dem Champions-League-Finale. Da geht es nicht mehr um Top-Zuschläge, sondern um Phantasiepreise im Internet. Daran erkennt man doch, dass die Nachfrage eben das Angebot bestimmt. Warum sollten Bundesligaklubs nicht dementsprechend mehr Geld verlangen, wenn die Ware dennoch noch stärker nachgefragt ist?

          Wollen wir wirklich ein Liga-Spiel beim VfL Wolfsburg mit DEM Highlight des europäischen Fußballs vergleichen? Dass es da Leute gibt, die fast jeden Preis zahlen ist pervers, aber leider nicht gänzlich zu verhindern. Umso wichtiger, dass man da den Internetplattformen das Handwerk legt. Bei solchen Top-Highlights wird es aber immer Auswüchse geben. Generell ist das Spiel schon ein gutes Beispiel. Als der BVB das letzte mal 97 die Champions-League gewonnen hat, haben die Fans 66 Mark bezahlt. Heute muss man für die billigste Karte über 70€ auf den Tisch legen. Schöne neue Welt.

          Quelle: FAZ.NET

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