Aus dem Ruhestand zurück ins Rampenlicht - dem Lockruf des Bayern-Managers Uli Hoeneß mochte Jupp Heynckes nicht widerstehen. Obwohl er nach insgesamt zehn Stationen mit der Arbeit als Trainer eigentlich abgeschlossen und sich als Frührentner in sein „Casa de los Gatos“ (Haus der Katzen) am Stadtrand von Mönchengladbach zurückgezogen hatte, ließ er sich zu einem Comeback überreden. Es passt ins Bild, dass Heynckes ausgerechnet gegen die Borussia am Samstag erstmals wieder auf der Bank Platz nimmt.
Heynckes erlebte seine Glanzzeiten als Spieler und seine Anfangsjahre als Trainer in seiner Heimatstadt, in der er am 9. Mai 1945 geboren wurde. Auch seine bislang letzte Station war Mönchengladbach: am 31. Januar 2007 trat er nach einem 0:0 gegen Nürnberg zurück und beende seine Trainerlaufbahn - vorläufig, wie man seit heute weiß. Als einen der Gründe führte Heynckes damals anonyme Drohungen an. „Am vergangenen Wochenende hat dies eine Dimension erreicht, die ich meiner Frau nicht länger zumuten wollte. Diese Drohungen waren so ernst zu nehmen, dass ich von mehreren Polizisten in Zivil begleitet wurde“, sagte er damals.
In Madrid als Champions League-Sieger entlassen
Schon einmal war Heynckes Trainer des FC Bayern München. Er holte immerhin zwei Titel, wurde aber im Oktober 1991 entlassen. Später bezeichnet Manager Uli Hoeneß die Entlassung von Heynckes oft als „größte Fehlentscheidung“ seiner Karriere. Immerhin hatte Heynckes 1989 und 1990 die Deutsche Meisterschaft gewonnen.
Noch „ungerechter“ war sein Scheitern bei Real Madrid. Das gewonnene Finale der Champions League war sein letztes Spiel als verantwortlicher Trainer der „Königlichen“. Er wurde nicht weiter beschäftigt, weil er in der Liga nur Vierter wurde. Dank seiner weiteren Stationen bei Athletic Bilbao, CD Teneriffa und Benfica Lissabon gilt „Don Jupp“ als Kenner des spanischen und portugiesischen Fußballs.
Probleme in Frankfurt, auf Schalke und bei Gladbach
In der Bundesliga hatte Heynckes keine weiteren Erfolge vorzuweisen. Bei Eintracht Frankfurt lieferte er sich 1994/95 einen Machtkampf mit den damals bestimmenden Spielern Okocha, Yeboah und Gaudino, aus dem der ganze Verein als Verlierer heraus ging.
In Gelsenkirchen musste er im September 2004 nach gut 14 Monaten gehen - begleitet von der beißenden Polemik des damaligen Managers Rudi Assauer: „Der Jupp ist ein Fußballer der alten Schule, aber wir haben 2004.“ Dieser nahm danach aus gesundheitlichen Gründen eine Auszeit, die er nur für seine alte Heimat Mönchengladbach noch einmal unterbrach - und nun für seinen alten Freund Uli Hoeneß.