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Jupp Heynckes Letzte Ausfahrt Mönchengladbach

Bayern-Trainer Heynckes muss auf keinen Fall den Verlierer-Stempel fürchten. Ein geniales Drehbuch sieht es so vor, dass seine letzte Bundesligapartie genau dort stattfindet, wo alles begann.

© AFP Bayern-Dämmerung: Heynckes will keinen Spitzenklub mehr trainieren.

Jupp Heynckes denkt immer an das nächste Spiel - selbst wenn das übernächste ein Champions-League-Finale ist. Beim „Media Day“ des FC Bayern führte das am Dienstag zu einem hübschen Versprecher, den er gerade rechtzeitig noch bemerkte: „Ich habe größten Respekt vor dem, was Borussia Mönchen..., Entschuldigung, was Borussia Dortmund in den letzten vier, fünf Jahren geleistet hat.“ Er entschuldigte sich damit, dass das Spiel am Samstag in seiner Heimatstadt Mönchengladbach „für mich persönlich auch nicht so unbedeutend ist“. Schließlich sei er dort in 23 Jahren als Spieler und Trainer „groß geworden“.

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Nun sieht es ein geniales Drehbuch so vor, dass seine 1011. und letzte Bundesligapartie genau dort stattfindet, wo alles begann. Ein unvermeidlicher Schlusspunkt: „Wenn man zwei solch überragende Saisons erlebt hat, mit solchem Fußball“ wie bei seinem aktuellen Team, sagte Heynckes, „dann gibt es keine Alternative in der Bundesliga mehr“. Woanders aber auch nicht: „Wenn ich zehn, fünfzehn Jahre jünger wäre, würde ich an ein Engagement im Ausland denken. Aber ich bin nicht mehr der Jüngste“, sagte er. „Klubs wollen gern einen Generationswechsel, und das kann man mit einem 68-Jährigen natürlich nicht.“

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Dabei kann man mit einem 68-Jährigen womöglich etwas noch Besseres erzielen, den maximalen Erfolg nämlich - noch zwei Finalsiege in London und Berlin, und Heynckes hätte als sechster Trainer der Geschichte das „Treble“ aus Champions League, Meisterschaft und Pokal geschafft, nach Jock Stein, Rinus Michels, Guus Hiddink, José Mourinho und Pep Guardiola. „Wir denken nur daran, den Henkelpott zu holen“, verkündete Heynckes mit Blick auf das Finale gegen Dortmund am 25. Mai in Wembley, einer Weihestätte des Fußballs, an die er nur karge persönliche Erinnerungen hat: als Spieler ein zehnminütiger Einsatz in einem Länderspiel, dazu ein Abend auf der Bank beim legendären 3:1-Sieg 1972, und als Trainer bisher kein einziger Besuch im berühmtesten Stadion der Welt.

Bayern Munich's coach Heynckes watches team training session at international 'Open Media Day' in Munich © REUTERS Vergrößern Vor dem letzten Schritt: Jupp Heynckes

Die Finalniederlagen der Bayern 2010 und 2012 sieht Heynckes nicht als Nachteil: „Uns wirft nichts um.“ Sein Team sei „so fokussiert, auf Erfolg getrimmt, wie ich das in meiner Karriere als Spieler und Trainer nie erlebt habe“. Nach „so einer Enttäuschung wie im letzten Jahr“, der Niederlage im Elfmeterschießen gegen Chelsea, „aufzustehen und eine solche Saison zu spielen“, das zeige, „aus welchem Holz meine Spieler geschnitzt sind“. Dabei hob er Bastian Schweinsteiger hervor, zu dem er „eine besondere Nähe“ habe: „Er ist ein Stratege, das Hirn der Mannschaft.“ Aus seinem Tief, nachdem er im letzten Finale den letzten Elfmeter verschoss, „hat er sich herausgearbeitet. Für mich ist Bastian derzeit der beste Mittelfeldspieler der Welt. Spieler wie er und Philipp Lahm haben den Hunger, jetzt die Champions League zu gewinnen“.

Schweinsteiger relativierte die Wichtigkeit dieses Titels, der der erste internationale seiner Karriere wäre: „Ich lebe auch nicht länger, wenn ich ihn jetzt gewinne.“ Er bestätigte aber den Trainer: „Mich hat in dieser Saison die Niederlage im Finale sehr motiviert.“ Das werde auch in Wembley so sein. Wo er ansonsten zur Vorsicht mahnt: „Wir wissen, dass wir als Favorit gesehen werden. Aber Borussia Dortmund ist eine sehr gute Mannschaft.“ Eine, die man laut Thomas Müller in und auswendig kennt: „Heute, mit all den Video-Analysen und Statistiken, ist jede Mannschaft fast aus Glas. Aber Dortmund kennen wir am besten.“ Müller ist erst 23, aber „auch für mich wird’s Zeit, das Ding mal zu gewinnen. Sonst hast du irgendwann so einen Loser-Stempel drauf“. Als einziger Bayern muss ihn Heynckes nicht fürchten, den Verlierer-Stempel: Er gewann die Champions League schon mit Real Madrid - als er 15 Jahre jünger war und das Ausland noch lockte.

Quelle: F.A.Z.

 
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