Der deutsche Frauenfußball ist gerüstet für die Zukunft. Die U20-Nationalmannschaft ist mit einem 2:0 (1:0)-Sieg gegen Nigeria nach Toren von Alexandra Popp und Kim Kulig ihrer Favoritenrolle gerecht geworden und hat nach sechs Siegen in sechs Spielen verdient die Weltmeisterschaft gewonnen. Dritter im Turnier der 16 besten Juniorinnen-Teams der Welt wurde der deutsche Halbfinalgegner Südkorea, der Kolumbien mit 1:0 besiegte.
Das Endspiel zwischen dem WM-Gastgeber und dem Team aus Nigeria bot einiges von dem, was Fußballfans gemeinhin nur mit Männerturnieren in Verbindung bringen: Es gab einen Schwarzmarkt für die 24.633, bereits bis zum Vortag restlos ausverkauften Eintrittskarten fürs Bielefelder Endspielstadion. Geschickte Geschäftemacher erzielten dort bis zu 60 Euro für 10 Euro teure Tickets. Lediglich 200 Plätze auf den besten, den Fifa-Sponsoren vorbehaltenen Plätzen blieben leer - auch das ein aus dem Männerfußball hinlänglich bekanntes Phänomen. Immerhin fanden aber auch rund 600 Anhänger des nigerianischen Teams mit ihren Trommeln und Tröten und erfreulicherweise ohne Vuvuzelas ins Stadion, wo sie für richtige Endspielatmosphäre sorgten.
Alexandra Popp: beste Torjägerin und beste Spielerin des Turniers
Die deutschen Spielerinnen auf dem Feld agierten bei ihrem schwächsten Turnierauftritt hingegen deutlich weniger begeisternd. Das nervöse Team kam überhaupt nicht mit der von Trainerin Maren Meinert schon vor dem Spiel gefürchteten „auf dem Platz verteilten Gegnerzuordnung“ der physisch starken, aber spielerisch limitierten Nigerianerinnen zurecht.
Lediglich Alexandra Popp, die beste Torjägerin und Spielerin des Turniers, konnte auch diese im modernen Fußball recht ungewöhnliche defensive Strategie nicht bremsen. Nach acht Minuten setzte sich die 19 Jahre alte Duisburgerin nach Vorarbeit von Dzsenifer Marozsan gegen die nigerianische Abwehrspielerin Joy Jegede durch und schlenzte den Ball mit ihrem schwachen rechten Fuß über Torhüterin Alaba Jonathan hinweg ins lange Eck. Alexandra Popp setzte mit ihrem zehnten Turniertor ihre beeindruckende Serie fort und war somit in allen sechs Turnierspielen mindestens einmal erfolgreich.
Zukunft des deutschen Frauenfußballs bis auf weiteres gesichert
In den restlichen 82 Spielminuten bis zum Abpfiff verwalteten die Deutschen meist recht uninspiriert ihren Vorsprung. Erst in der zweiten Minute der Nachspielzeit brachte ein unglückliches Eigentor der Nigerianerin Osinachi Ohale nach einem Kopfball von Kim Kulig die endgültige Entscheidung zu Gunsten der Deutschen. Nach dem zweiten Weltmeistertitel für den deutschen U20-Nachwuchs nach ihrem Sieg im Jahr 2004 scheint die Zukunft des deutschen Frauenfußballs bis auf weiteres gesichert.
Schon im nächsten Jahr könnten einige Spielerinnen aus dem Kader bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land mit der A-Nationalmannschaft zum nächsten Erfolg des deutschen Frauenfußballs beitragen. Neben den schon jetzt zum Kader von Bundestrainerin Silvia Neid zählenden Alexandra Popp, Kim Kulig und Bianca Schmidt darf sich wohl vor allem das 18 Jahre alte Spielmachertalent Dzsenifer Marozsan Hoffnung auf eine Nebenrolle im Team des WM-Gastgebers machen.