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Jürgen Klinsmann Ein Rockstar für Amerika

29.07.2011 ·  Jürgen Klinsmann ist neuer Nationaltrainer der Vereinigten Staaten. 2006 und 2010 waren Verhandlungen noch gescheitert. Nun bekommt er als Nachfolger von Bob Bradley viel Macht. Sein erstes Arbeitsziel: die WM 2014.

Von Jürgen Kalwa, New York
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Als im vergangenen September die Gespräche einmal mehr ohne Resultate zu Ende gingen, wirkten beide Seiten schon fast wie zwei moderne Königskinder. Sichtlich vernarrt ineinander, waren sie einander so nah. Aber im entscheidenden Moment kamen sie nicht zusammen. „Wir haben uns drei oder vier Wochen lang unterhalten“, berichtete Jürgen Klinsmann später über die Verhandlungen mit Sunil Gulati, einem in Indien geborenen Wirtschaftswissenschaftler, der im Hauptberuf als Professor an der Columbia-Universität in New York unterrichtet. „Aber wir konnten das, worüber wir uns geeinigt hatten, nicht zu Papier bringen“, sagte der Schwabe und beendete aus diesem Grund zum zweiten Mal nach 2006 die Gespräche mit dem amerikanischen Fußballverband und seinem Präsidenten über einen Posten, für den er wie die ideale Besetzung schien.

Ein knappes Jahr später hat Gulati den Widerstand gegen die Ansprüche des ewigen Wunschkandidaten (“Ich muss als Cheftrainer alle Fragen zu meinem Mitarbeiterstab und zur Mannschaft entscheiden können. Leider wollten sie mir das nicht zubilligen“) aufgegeben. Und diesmal ging alles ganz fix. Einen Tag nach dem Rauswurf des glücklosen Bob Bradley und einen Tag vor seinem 47. Geburtstag wurde Klinsmann offiziell zum amerikanischen Nationaltrainer ernannt.

Energiegeladener Reformer

Für den einstigen deutschen Bundestrainer, der in der Saison 2008/2009 spektakulär an den hohen Leistungsanforderungen des FC Bayern München gescheitert war, erscheint die Aufgabe ideal: Er lebt seit mehr als zehn Jahren in südlich von Los Angeles und kennt sich im amerikanischen Fußball bestens aus. Zuletzt arbeitete er als Berater von Toronto FC in der Major League Soccer (MLS) und empfahl dem Klub den ehemaligen deutschen Nationalspieler Torsten Frings. Klinsmann sei der erste Startrainer im amerikanischen Fußball, feierte der „San Francisco Chronicle“ die Nachricht. Ein „Rockstar“, wie der frühere Nationalspieler Alexi Lalas ergänzte.

Die Aufgabe ist auf Klinsmanns Lieblingsrolle als energiegeladener Reformer zugeschnitten: Er soll und muss einen Weg finden, wie man aus einem Reservoir an mittelmäßigen Talenten eine international konkurrenzfähige Mannschaft herausmodelliert.

Wo die Amerikaner im weltweiten Vergleich derzeit stehen, hatte die WM im vergangenen Jahr in Südafrika gezeigt, an der der Schwabe als Fernsehkommentator des amerikanischen Senders ESPN teilnahm. Bob Bradleys Mannschaft schied im Achtelfinale gegen Ghana aus, woran der Trainer - Vater des Mönchengladbacher Mittelfeldspielers Michael Bradley - mit einer Reihe von taktischen Fehlleistungen einen erheblichen Anteil hatte.

Doch wer die Schwächen des amerikanischen Fußballs nur einem Mann in die Schuhe schieben will, verkennt die Realitäten. Das unterstrich Klinsmann kurz nach dem Aus. Der Talente-Pool sei voll mit Kindern von Eltern, die für ihre Zöglinge vor allem ein Ziel vor Augen haben: ein Stipendium an einer Universität und eine solide akademische Ausbildung. Dafür investieren sie viel Zeit und Geld. Es sei „das einzige Land in der Welt, in der die Pyramide auf dem Kopf steht“, sagte er bei ESPN und beklagte gleichzeitig das Fehlen von Straßenfußballern aus den Innenstädten und aus ärmeren Verhältnissen, deren Ehrgeiz darin besteht, Profispieler zu werden.

Nur drei Plätze frei für Brasilien

Was Klinsmann nicht sagte: Die sportliche Entwicklung junger Talente wird noch dadurch gebremst, dass ihnen mit der Profiliga MLS nur eine zweitklassige Plattform zur Verfügung steht und die Besten gezwungen sind, sich im Ausland durchzuschlagen. Doch dort scheiterten bislang selbst hoch eingeschätzte Spieler wie etwa Kapitän Landon Donovan von Los Angeles Galaxy. Der hat bereits drei frustrierende Abstecher in die Bundesliga hinter sich - zweimal in Leverkusen und einmal unter Klinsmann in München. Resultat: Er verbrachte die meiste Zeit auf der Bank und konnte sich nie entfalten.

Das Manko der amerikanischen Fußballlandschaft zeigt sich vor allem im Fehlen von Instinktkickern mit Tordrang. Ein Zustand, an dem der Torjäger von einst so schnell auch nichts ändern wird. Selbst wenn er in der Lage sein sollte, im Verband Trainer seiner Wahl in die zentralen Positionen im amerikanischen Nachwuchsfußball zu lancieren. Obendrein wird Klinsmann schon bald an den Resultaten der Nationalmannschaft gemessen werden, die er bereits am 10. August zum ersten Mal in einem Freundschaftsspiel gegen Mexiko in Philadelphia betreuen wird. Sein erstes Arbeitsziel: die Qualifikation für die WM in Brasilien 2014. Für die Region Nord- und Mittelamerika und die Karibik sind nur drei Plätze fest vorgesehen.

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