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Dienstag, 18. Juni 2013
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Joao Havelange Abtritt des Caudillo

 ·  Havelange trat dort, wo er gefeiert wurde, nicht wie ein irdischer Verbandspräsident auf. Er war so etwas wie der Caudillo der Fifa. Er machte Joseph Blatter vor, wie Wahlkämpfe gewonnen werden.

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© dpa Schätzte den geldwerten Vorteil seiner Position im Fußball: Joao Havelange

Ein Mann wie ein Baum: knorrig, wuchtig, sperrig. Unangreifbar? Längst nicht mehr. Joao Havelange, den mit mehr als 1,90 Metern hochaufgeschossenen Brasilianer, hat auf dem Schlussbogen seines langen Lebens die Vergangenheit eingeholt.

Von den Abermillionen, die der Internationale Fußballverband (Fifa) unter seiner Regentschaft (1974 bis 1998) hortete, ist dieser Tage nicht mehr die Rede, wohl aber von den Millionen, die Jean-Marie Faustin Godefroid de Havelange in die eigene Tasche gewirtschaftet haben könnte.

Tiefe Schatten

Worüber immer schon gemunkelt wurde, scheint sich nun konkret abzuzeichnen: die Verstrickung des inzwischen Fünfundneunzigjährigen in den Korruptionsskandal rund um den Fernsehrechtevermarkter ISL, der 2001 bankrott ging.

Der Rücktritt des letzten Olympiers auf Lebenszeit aus dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC), dem er seit 1963 angehörte, wirft einen tiefen Schatten auf ein Lebenswerk, das wie aus einer anderen Zeit scheint. Havelange trat dort, wo er gefeiert wurde, nicht wie ein irdischer Verbandspräsident auf: Er war so etwas wie der Caudillo der Fifa.

Groß geworden in einer Zeit, da Militärjunten Lateinamerikas Staaten beherrschten, umwehte den Sohn eines nach Brasilien ausgewanderten belgischen Waffenhändlers eine autokratische Aura.

Sein Wort war Gesetz, mochte ihn selbst auch manches Gesetz herzlich wenig interessieren. Havelange machte seinem Nachfolger, dem von ihm so klein wie möglich gehaltenen Fifa-Generalsekretär Joseph Blatter, vor, wie man Wahlkämpfe gewinnt.

Als der Transportunternehmer aus Rio de Janeiro 1974 den noblen Briten Sir Stanley Rous an der Spitze der Fifa ablöste, hatte er zuvor als erklärter Entwicklungshelfer des Fußballs 86 afrikanische und asiatische Länder besucht - um genug Stimmen für seine Kür als neuer Fifa-Machthaber einzusammeln.

Nach diesem Muster wurde auch Blatter 1998 mehrheitsfähig. Dieser Blatter hatte vier Jahre zuvor mit Hilfe einer Reihe von europäischen Verbänden den Putsch gegen den Übervater Havelange versucht - und war dabei kläglich gescheitert. Um so überraschender mutete danach an, dass ihn der Brasilianer mit der schneidenden Bassbaritonstimme nicht feuerte. Blatter, der das System Havelange aus dem Effeff kannte, enterte vier Jahre später mit des Meisters Unterstützung die große Bühne.

Es wird ihn nicht kümmern

Der alte Fifa-Präsident, der an zwei Olympischen Spielen als Schwimmer (1936) und als Wasserballspieler (1952) teilnahm, ist bis ins hohe Alter ein Mann mit Einfluss geblieben. Er, dem der Ruch von Korruption, Insidergeschäften und Vetternwirtschaft anhaftet, soll sich nach Kräften stark dafür gemacht haben, dass seiner Heimatstadt Rio de Janeiro die Olympischen Spiele 2016 zuerkannt wurden. Ob Rios Olympiastadion auch in Zukunft den Namen des nun wohl doch enttarnten Potentaten trägt?

Havelange wird es nicht kümmern. Selbst als überführter Schmiergeldempfänger würde er seinen Stolz nicht preisgeben. Wer schon seit Jahren nicht mehr von dieser Welt scheint, geht auch die letzten Meter unbeirrt und notfalls allein weiter.

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