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Joachim Löw „Wir haben nie die Kontrolle verloren“

Für Joachim Löw war das 2:1 gegen Frankreich ein Sieg gegen die Zweifel. Die Leichtigkeit war wieder da, doch das Team zeigte auch Dominanz - zumindest fast immer. Der Bundestrainer stand nach dem Spiel Rede und Antwort.

© dpa Joachim Löw: „Wenn man die gesamten 90 Minuten betrachtet, waren wir klar die bessere Mannschaft“

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat am Abend in Paris mit 2:1 gegen Frankreich gewonnen. Nicht nur der Sieg im Testländerspiel überzeugte Bundestrainer Joachim Löw, sondern auch die Art, wie er zustande kam. Doch er fand auch negative Punkte. 

Wir beurteilen Sie den 2:1-Sieg in Frankreich?

Für uns war es der richtige Härtetest, das Spiel war sehr temporeich und schnell. Beide Teams waren gewillt, nach vorn zu spielen, und wollten unbedingt gewinnen. Wenn man die gesamten 90 Minuten betrachtet, waren wir klar die bessere Mannschaft.

Dennoch sind Sie nach dem Spiel wütend in die Kabine, warum?

Der Ehrlichkeit halber: In den letzten zwei Minuten hätten wir noch Gegentore fangen können. Plötzlich waren wir offener. Wir haben zwei-, dreimal den Ball verloren und den Franzosen noch Chancen zugestanden. Da hätten wir uns beinahe um den Lohn einer ganz starken Leistung gebracht. In diesen Phasen, in einzelnen Aktionen müssen wir noch etwas an Cleverness zulegen.

Welche positiven Eindrücke nehmen Sie mit?

Wir haben einige Dinge gut gemacht, die wir zuletzt nicht so gut gemacht hatten: gute Organisation, daraus resultierten viele Ballgewinne und ein schnelles Spiel nach vorn. In der ersten Halbzeit hat noch der finale Pass gefehlt. Insgesamt haben wir es mit viel Willen und Einsatz gelöst.

Was können Sie aus diesem Spiel mitnehmen für das Länderspiel-Jahr?

Jedes Spiel bringt uns weiter. Es ist kein Turnierjahr. Es ist für jeden Spieler eine Chance, sich vor 75.000 Zuschauern zu zeigen gegen eine Topmannschaft. Und wenn es dann gelingt, einen Rückstand umzubiegen, ist das gut für die Moral.

Mesut Özil scheint noch stabiler, noch dominanter zu werden.

Ich weiß nicht, ob man es an dem Spiel festmachen soll. Mesut Özil ist ein hervorragender Fußballer, der seit zwei, drei Jahren in der Nationalmannschaft und im Verein auf einem Riesenniveau spielt. Er hat immer eine gute Lösung auf engstem Raum. Ballannahme, Ballmitnahme, dazu immense Laufwege - er war einer der überragenden Spieler auf dem Platz.

Lukas Podolski durfte wieder in der Startelf ran. Wie sehen Sie sein Spiel?

Es war wahnsinnig wichtig, dass beide Außenspieler gegen die Franzosen weite Wege gehen, weil Frankreich über außen ständig in der Offensive ist. Lukas hat das gemacht, daher war ich zufrieden.

Sie wollten und mussten auch einiges probieren. Welche Erkenntnisse nehmen Sie da mit?

Benni Höwedes hat die Aufgabe gut gelöst. Für ihn war es nicht ganz so einfach als linker Verteidiger, da er sonst überwiegend als Innenverteidiger spielt. Bei Mario Gomez war klar, dass er nach längerer Verletzungspause und wenig Spielminuten bei Bayern kräftemäßig das hohe Tempo nicht über 90 Minuten halten kann. Die Spielpraxis war gut für ihn, weil wir ihn für die Zukunft dringend brauchen.

Sie haben dann taktisch gewechselt. Warum?

Ich wollte mit Özil in der Spitze und Toni Kroos im Mittelfeld einfach im Zentrum noch mal mehr Übergewicht haben. Damit kamen die Franzosen nicht so richtig zurecht, weil sie die Zuordnung in der Innenverteidigung verloren haben. Danach haben wir unsere Angriffe ständig bis vor das französische Tor gebracht.

War für Sie Ilkay Gündogan auch eine positive Überraschung?

Unsere zentrale Achse mit den Innenverteidigern Hummels und Mertesacker, mit Khedira und Gündogan im Mittelfeld hat schon ein deutliches Übergewicht geschaffen. Ilkay war schon wie gegen Holland wahnsinnig präsent, extrem ballsicher, aggressiv gegen den Ball. Zusammen mit Özil hatten wir ein klares fußballerisches Übergewicht. Ilkay hat bei uns und in Dortmund einen enormen Sprung gemacht.“

Was hat die Mannschaft besser gemacht als zuletzt?

Wenn der Gegner mal Druck gemacht hat, hat unsere Mannschaft dagegen Mittel gefunden, die Bälle aus einer guten Aufteilung herausgespielt. So haben wir nie die Kontrolle verloren wie gegen Schweden. Unter Druck war das viel besser.

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Quelle: FAZ.NET

 
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