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Joachim Löw Kniefall des DFB-Präsidenten

14.06.2010 ·  Ein Annäherungsversuch, der es in sich hat: Präsident Theo Zwanziger will Joachim Löw halten – wohl um jeden Preis. Der Bundestrainer will sich jedoch nicht festlegen. Die Zeit läuft nach dem 4:0 gegen Australien klar für ihn.

Von Michael Ashelm, Pretoria
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Entspannte Ruhe am Velmore Hotel. Strahlend blauer Himmel, die Sonne scheint und erwärmt den Wintertag auf angenehme T-Shirt-Temperaturen. Die vielen südafrikanischen und deutschen Flaggen rund um das WM-Quartier der Nationalmannschaft flattern in der Brise. Die größte Spannung ist erst einmal von allen abgefallen, nachdem das deutsche Team so vielversprechend in das WM-Turnier gestartet ist und sich jetzt mit einem positiven, wenn nicht beruhigenden Gefühl vorbereiten kann auf die nächste Aufgabe gegen Serbien. Sie könnte schon die Qualifikation sein für das Achtelfinale.

Morgens um halb vier war der Tross aus Durban zurückgekehrt, zwar müde und ausgezehrt, aber selbstverständlich höchst zufrieden. Bis um zehn Uhr konnten die Spieler schlafen, dann stand für den Tag eine Fitnesseinheit im Hotel auf dem Programm. Regeneration, Erholung, Ruhe. Mehr war gestern nicht vorgesehen. Hätte am Tag nach dem 4:0-Sieg gegen Australien nicht der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, in der Unterkunft der Nationalmannschaft bei Pretoria vorbeigeschaut, der Tag wäre wohl ohne Besonderheit zu Ende gegangen. Doch so erhielt die Mittagszeit plötzlich eine interessante Wendung, als der Präsident mit einer Art verbalem Kniefall vor den Bundestrainer trat.

Schon als die beiden Vormänner des Verbandes, Zwanziger und Löw, zum anberaumten Pressetermin auf das Podium traten und von den vielen Fotografen fixiert wurden, zog der DFB-Präsident den Bundestrainer nahe an sich heran, als wollte er auch optisch die Nähe zu seinem wichtigsten Fußball-Lehrer demonstrieren. Was er danach sagte, klang nach einer mehr als eindringlichen Bitte, doch den Vertrag nach dem Turnier umgehend zu verlängern. Ohne jegliche Bedingungen.

„Ich schätze Joachim Löw sehr. Unter seiner Führung ist eine junge Mannschaft zusammengewachsen, mit der sich ein ganzes Land identifiziert“, sagte Zwanziger. Fast 28 Millionen Menschen in Deutschland verfolgten das Australien-Spiel vor dem Fernseher. Der DFB-Chef, Jurist und ehemalige Berufspolitiker fuhr mit gewohnt geschliffener Wortwahl, aber auch reichlich Pathos in seinen Ausführungen fort und hob mehrmals die große Bedeutung Löws hervor. „Es ist zu sehen, mit welchem spielerischen Können und mit welcher Leidenschaft diese Mannschaft auftritt. Der Auftakt ist hervorragend gelungen. Ganz herzlich möchte ich mich deshalb bei dem Bundestrainer bedanken.“

Indiskretion zerstört Vertrauensverhältnis fast völlig

Der Annäherungsversuch hatte es in sich – gerade vor dem Hintergrund der zurückliegenden Krise zwischen Führungszirkel von DFB und Nationalelf. Im Februar hatten sich Löw und Manager Bierhoff nicht mit dem Verband über eine Weiterbeschäftigung, deren Zustandekommen von Zwanziger zuvor zur reinen Formsache erklärt worden war, über dieses WM-Turnier hinaus einigen können.

Aus dem Kreise des DFB-Präsidiums waren damals Vertragsmodalitäten und Zahlen, die eigentlich nur für den internen Gebrauch bestimmt gewesen waren, in die Öffentlichkeit getragen worden, was das Vertrauensverhältnis zwischen Bundestrainer und Manager auf der einen Seite sowie den Verbandsfunktionären fast völlig zerstörte. Aus den Erfahrungen des Winters hieß es schon, Löws und Bierhoffs Zeit würde spätestens nach der Weltmeisterschaft ablaufen, immer wieder wurde Sportdirektor Matthias Sammer mit seinen Leuten in einer angeblichen Lauerstellung ausgemacht.

„Das Team hat den deutschen Fußball vorangebracht“

Zwanzigers Vorstoß kam in seiner Stärke zwar unvermittelt, zeigt allerdings eine gewisse Logik auf. Jeder weitere glanzvolle Sieg Löws und seines Teams bringt die Verbandsverantwortlichen in Erklärungsnot, warum aktuelles Trainerteam und Management noch keinen neuen Vertrag haben. Gewinnt Löw weiterhin, hält er die Schlüssel in der Hand.

Kaum vorstellbar, ihn nach einer starken WM ziehen zu lassen. So positionierte sich Zwanziger neu für eine weitere Zukunft mit dem bisherigen Bundestrainer und seiner Crew. „Das Team hat in seiner Gesamtheit den deutschen Fußball vorangebracht“, sagte Zwanziger. Von Manager Bierhoff war hier nicht die Rede. Löw selbst reagierte gelassen auf die neue Entwicklung. Freundlich registrierte er das Lob, dankte dem Präsidenten für die Worte, aber vermied, sich zur jetzigen Zeit festzulegen.

„Ich habe eine hohe Willenskraft gesehen in dieser Mannschaf“

Er weiß, dass sich seine Verhandlungsposition mit dem guten Auftreten seiner Mannschaft stark verbessert hat. Aus seinem Umfeld war zuletzt zu hören, dass er die Aufgabe als Bundestrainer weiterhin als eine Art Traumjob begreift. „Ich habe im Moment ganz andere Dinge im Kopf und möchte auch intern nichts darüber hören. Diese Dinge müssen jetzt ausgeblendet werden, weil wir uns zu hundert Prozent auf unsere Aufgabe konzentrieren wollen“, sagte Löw.

Das Werben mag ihm schmeicheln. In der Öffentlichkeit beschäftigte er sich aber einen Tag nach dem Auftakterfolg lieber mit dem sportlichen Teil seiner Aufgabe. Er sprach noch einmal seiner jungen Mannschaft das Vertrauen aus, freute sich über den schönen Einstand Kloses und hielt ein Plädoyer für Podolski. „Ich habe eine hohe Willenskraft gesehen in dieser Mannschaft. Aber jetzt treffen wir auf einen Gegner, der sehr angeschlagen, aber gefährlich ist. Die Serben können mit ihren Fußballern ein Spiel dominieren, da müssen wir höllisch aufpassen“, sagte der Bundestrainer. Präsident Zwanziger saß noch neben ihm und nickte zustimmend wie so oft zuvor.

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Jahrgang 1965, Sportredakteur.

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