http://www.faz.net/-gtl-74dg0
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 15.11.2012, 12:33 Uhr

Joachim Löw im Gespräch Positionstreu, diszipliniert und kompakt

Während viele Kritiker das 0:0 gegen die Niederlande langweilig fanden, freut sich Bundestrainer Löw über die taktisch gute Leistung. Sein Gesamtfazit des Jahres: „Immer, wenn wir unseren Spielstil durchgezogen haben, haben wir keine Probleme gehabt.“

© REUTERS Joachim Löw: „Natürlich tut so ein Spiel allen gut“

Nach dem 0:0 der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am Mittwochabend im Testspiel in Amsterdam gegen die Niederlande zieht Joachim Löw ein positives Fazit. Der Bundestrainer im Frage-und Antwort-Spiel.

Wie fällt ihr Fazit des letzten Länderspiels des Jahres aus?

Im Vorfeld ist viel diskutiert worden über den Sinn oder die Wertigkeit eines solchen Spiels im November. Ich hatte vor dem Spiel schon einen großen Sinn darin gesehen, dass wir ein Spiel gegen einen starken Gegner absolvieren. Natürlich habe ich auch im Nachhinein wichtige Erkenntnisse gewonnen. Weil acht Stammkräfte gefehlt haben, war es eine gute Chance, anderen Spielern die Chance zu geben, sich zu zeigen.

Und was ist das rein sportliche Fazit des Spiels?

Ich habe das Spiel so gesehen, dass wir sehr positionstreu gespielt haben, sehr diszipliniert und sehr kompakt. Ich denke, dass wir in der ersten Halbzeit die stärkere Mannschaft waren, die dominantere Mannschaft, mit sehr, sehr guten Möglichkeiten. Wir haben Holland kontrolliert. In der zweiten Halbzeit war es ausgeglichen und wir hatten nicht mehr die Zugkraft nach vorne. Gegen eine der besten Mannschaften in Europa haben wir das sehr gut gelöst.

War es einfach wichtig, zu null zu spielen?

Zum einen war es wichtig, nach den letzten 30 Minuten gegen Schweden, der Mannschaft im Vorfeld das eine oder andere, was mir wichtig war, mitzugeben. Dass wir das nicht wiederholen, was uns da passiert ist und dass wir eine sehr, sehr starke Defensivarbeit gemacht haben.

War es eventuell sogar gut, dass sie durch den Ausfall von vielen Spielern zum Experimentieren gezwungen wurden?

Natürlich hätte ich alle Spieler gerne dabei gehabt im letzten Spiel des Jahres, weil die Pause ein bisschen länger sein wird bis zum nächsten Spiel im Februar. Ich hätte dieses Spiel sowieso genutzt, um den einen oder anderen von Anfang an zu bringen. Es wäre mir recht gewesen, wenn alle dabei gewesen wären. Die Situation hat sich so ergeben, also mussten wir andere Lösungen finden.

Was nehmen sie aus diesem EM-Jahr mit für die Zukunft?

Aus diesem Jahr nehmen wir einiges mit. Ich habe immer gesagt, dass es wichtig sein wird, über die Monate hinweg die richtige Balance zu finden. Ich habe nie gesagt, dass wir unser Offensivspiel und dieses Potential aufgeben. Von daher werden wir weiter konsequent daran arbeiten. Wir haben immer die letzten Jahre eine starke Offensivleistung gehabt und viele Tore erzielt.

Was hat sie heute besonders gefreut?

Dass wir im ganzen Spiel die Ruhe und Ballsicherheit hatten. Es hat gezeigt, dass wir gute Alternativen haben. Die Abwehr war sehr konsequent und das zentrale Mittelfeld war heute sehr gut. Gündogan und Lars Bender haben sehr gute Arbeit verrichtet. Ich habe gesehen, dass wir im Zentrum ein Übergewicht hatten. Wir brauchen auch solche Spiele, um uns in der Breite noch zu verbessern für eine WM.

Die Aufstellung von Mario Götze als zentrale Spitze hat überrascht.

Den Gedanken hatte ich schon, der ist mir nicht heute Nacht eingefallen. Weil ich drei Spieler vorne wollte, die sich in den Positionen bewegen, und Götze der Spieler ist, der mit dem Rücken zum Tor am besten spielen kann. Weil Reus und Müller mit dem Gesicht zum Tor besser sind.

Sind sie erleichtert, dass sie mit einem achtbaren Resultat in die Winterpause gehen?

Ich weiß nicht, ob es Erleichterung ist. Es ist ein gutes Spiel gewesen, ich rede nicht vom Ergebnis, sondern von unserem Spiel. Natürlich tut so ein Spiel allen gut. Natürlich ist es besser, man geht in eine lange Pause mit so einem guten Spiel mit einem guten Ergebnis, als mit einem schlechten Spiel und einem schlechten Ergebnis.

Was ist für sie die Erkenntnis des Jahres 2012?

Immer, wenn wir unseren Spielstil durchgezogen haben, haben wir keine Probleme gehabt, weder in der Defensive noch in der Offensive. Wenn wir davon abgegangen sind, hatten wir immer irgendwelche Schwierigkeiten.

Mehr zum Thema

Quelle: dpa

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Hertha-Trainer Dardai Sorry, solche Fragen brauche ich nicht

Herthas Traum vom DFB-Pokalfinale platzt beim 0:3 gegen Dortmund. Weil die Berliner nicht mutig auftreten? Das sieht Trainer Pal Dardai anders – und redet sich im Interview in Rage. Mehr

21.04.2016, 11:00 Uhr | Sport
Amerika Donald Trumps Pleiten, Pech und Pannen

Jahrzehntelang galt die amerikanische Stadt Atlantic City als Paradies für Spieler. Und einer, der dort kräftig mitverdiente, war Milliardär Donald Trump. Doch die glorreichen Zeiten des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers in der Spielerstadt sind längst vorbei. Nun behauptet Trump, den Absturz vorhergesehen zu haben, zum Ärger vieler Einwohner. Mehr

05.04.2016, 18:51 Uhr | Wirtschaft
Fjørtoft zur Eintracht Jetzt ist die Zeit für Helden

Jan Åge Fjørtoft war 1999 der Retter der Eintracht. Sein Tor zum 5:1 gegen Lautern sorgte im spektakulären Saisonfinale für den Klassenverbleib. Im Interview spricht er über Fußballwunder. Mehr Von Peter Heß

19.04.2016, 06:09 Uhr | Rhein-Main
Video Schalke vor Revierderby gegen Dortmund

Schalke 04 -Trainer André Breitenreiter stellt klar, dass seine Spieler keine Zusatzmotivation mehr brauchen. Mehr

09.04.2016, 14:42 Uhr | Sport
Eintracht-Trainer Niko Kovac Wir sind jetzt auf der Welle

Frankfurt steckt tief im Abstiegskampf. Im Interview spricht Eintracht-Trainer Niko Kovac über die Arbeitsteilung mit Bruder Robert, das Derby gegen Darmstadt – und warum Dirk Schuster ein Vorbild ist. Mehr Von Jörg Daniels und Marc Heinrich

29.04.2016, 13:28 Uhr | Sport
Umfrage

Wer gewinnt die Champions League?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Umfrage

Wie weit kommt das DFB-Team bei der EM 2016?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Poesie des Abschieds

Von Christian Eichler

Italiens Fecht-Königin Valentina Vezzali nahm die Maske ab - und grüßte mit pathetischen Worten. Ebenso elegant ist die Anmutung moderner Trainer-Anzüge statt Trainingsanzügen - wenn sie italienischer Machart sind. Mehr 0