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Joachim Löw im Gespräch : „Lahm und Schweinsteiger sind gleichberechtigte Kapitäne“

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Klare Visionen: Fußball-Bundestrainer schaut optimistisch in die deutsche Zukunft Bild: dpa

2010 war ein Erfolgsjahr für Fußball-Bundestrainer Joachim Löw. In Gedanken ist er aber schon in der Zukunft. Zum Abschluss spricht Löw im F.A.Z.-Interview über Klopp und Tuchel, Lahm und Schweinsteiger sowie die EM 2012 und die WM 2014.

          Der erste Fußball-Lehrer im Land ist erst fünfzig und gehört damit zu den Jungen unter den Nationaltrainern. Der entscheidende Schritt in seiner Laufbahn sei der Wechsel vom Tagesgeschäft zur Nationalmannschaft gewesen – erst dann habe er alle wichtigen Facetten des Weltfußballs entdecken können. Am Ende des Erfolgsjahres 2010 spricht er im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über Personalplanungen, Ziele und sein Ideal vom offensiven Spiel.

          Der Dortmunder Jürgen Klopp ist 43 Jahre alt, der Mainzer Thomas Tuchel 37, der Freiburger Robin Dutt 45. Diese ziemlich jungen Trainer setzen, wie Sie mit der Nationalmannschaft, auf junge Spieler. Ist die Jugendwelle im deutschen Fußball gar nicht mehr aufzuhalten?

          Die Erkenntnis, junge Spieler zu integrieren, hat sich durchgesetzt. Die Weltmeisterschaft 2010 und die zwei Nationalmannschafts-Jahre zuvor haben diese Entwicklung auch mit eingeleitet. Ich sehe bei diesen drei Vereinen schon Ähnlichkeiten zu unserem Spiel. Dortmund zum Beispiel beherrscht mit am besten ein für mich ganz wichtiges Thema: das schnelle Umschalten nach Ballgewinn.

          Junge Spieler haben in der Nationalmannschaft begeistert. Aber warum gibt es kaum junge Nationaltrainer?

          Junge Trainer bekommen nicht so einfach die Chance, eine Nationalmannschaft zu trainieren. Aber sie sind dazu in der Lage. Da entscheiden Verbände, und da will man erst mal sehen, wie sich junge Trainer entwickeln. Klopp und Tuchel können auf ihre Weise auch die deutsche Nationalmannschaft führen, ganz klar. In der vergangenen Saison waren van Gaal und Magath als ältere Trainer vorne, da haben viele die Erfahrung hoch bewertet, jetzt stehen die jungen Trainer im Blickpunkt. Für mich spielt Alter eine untergeordnete Rolle.

          Was halten Sie für wichtiger?

          Es gibt auch ältere Trainer, die ganz nah an einer Mannschaft dran sein können, die konzeptionell arbeiten und ihre Vorstellungen vermitteln. In den Gesprächen mit Klopp und Tuchel stelle ich aber schon fest, dass sie ganz klar wissen, was sie wollen. Sie haben einen roten Faden, und den verfolgen sie sehr konsequent. Aber das stellt man auch bei manchen älteren Trainern fest, die über Jahre hinweg Erfolge verzeichnen. Arsène Wenger zum Beispiel. Bei ihm wird mit aller Konsequenz trainiert. Da wird nicht Beschäftigungstherapie betrieben. Da wird versucht, in der Trainingspraxis zu automatisieren. Wir sehen ja häufig nur, was am Wochenende passiert. Aber bei diesen Trainern und starken Mannschaften erkennt man, dass die Spieler das umsetzen, was sie in der Woche trainieren. Da ist eine absolute Übereinstimmung festzustellen zwischen dem, was sie trainieren, und was auf dem Platz passiert. Daran sieht man das Können, das ein Trainer haben muss.

          Vicente del Bosque von Weltmeister Spanien ist 60 Jahre alt, der Niederländer Bert van Marwijk 58, Oscar Tabárez von Uruguay 63. Sie sind fünfzig. Kommt Ihre beste Zeit etwa erst noch?

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