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Italienischer Fußballskandal Spieler-Ausverkauf und Tifosi-Proteste

18.07.2006 ·  Wütende Tifosi haben drei Tage nach der Urteilsverkündung im Fußballskandal mit Protestaktionen halb Italien lahm gelegt. Die Medien spekulieren unterdessen immer heftiger über den bevorstehenden Ausverkauf der Weltmeister.

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Mit ersten konzentrierten Protestaktionen haben wütende Tifosi drei Tage nach der Urteilsverkündung im Manipulationsskandal halb Italien lahm gelegt. Gut 1000 Anhänger des zum Zwangsabstieg verurteilten AC Florenz sorgten mit einer Blockade der Gleise am Bahnhof Campo di Marte in der toskanischen Metropole für ein Verkehrschaos auf der Strecke zwischen Rom und Mailand.

Für die nächsten Tage bis zum Auftakt der Berufungsverhandlung, die nun erst am Samstag beginnen soll, haben vor allem die Fans von Lazio Rom ähnliche Aktionen angekündigt. Die aufgebrachten Tifosi in Florenz bekamen auch Unterstützung von prominenter Stelle, besonders der weltbekannte Franco Zeffirelli sorgte für Aufsehen. Der Theater-, Opern- und Filmregisseur forderte die vorübergehende Schließung der berühmten Uffizien-Museen in Florenz, um den Protest der Stadt gegen den Zwangsabstieg zu verdeutlichen. Bürgermeister Leonardo Domenici jedoch mahnte die Tifosi zur Ruhe: „Es gibt rechtliche Wege, um gegen das Urteil vorzugehen. Die Massenproteste werden Florenz nicht helfen.“

Die Polizei verzichtete auf hartes Durchgreifen

Rund 1000 Fiorentina-Fans waren am Montagabend auf den Schienen Richtung Bahnhof gelaufen und hatten damit das Chaos verursacht. Alle Züge der Hauptverbindung Rom - Mailand mußten umgeleitet werden. Rund 20.000 Passagiere kamen mit starker Verspätung ans Ziel. Viele Fahrgäste mußten auf Bus und Bahn umsteigen, um überhaupt nach Hause zu kommen. Unter den Passagieren, die bei brütender Hitze stundenlang in den Zügen verharren mußten, wurden Wasserflaschen verteilt. Die Polizei war zwar vor Ort, verzichtete aber auf ein hartes Durchgreifen.

Eine zweite Gruppe von Fiorentina-Anhängern marschierte währenddessen zum Trainingsgelände der Nationalmannschaft in Coverciano nahe Florenz und riß die Flagge des Verbandes vom Fahnenmast. Dabei solidarisierten die Tifosi sich immer wieder mit Klubchef Diego Della Valle, der wegen Schiedsrichterabsprachen zu einem vierjährigen Berufsverbot verurteilt worden war.

Liga-Start wird wohl um einen Monat verschoben

Inzwischen rüsten sich die Rechtsanwälte der verurteilten Klubs für den Berufungsprozeß, der statt am Freitag nun erst am Samstagmorgen im römischen Luxushotel Parco dei Principi beginnen soll. Die Juristen des ebenfalls zum Zwangsabstieg verurteilten Rekordmeisters Juventus Turin wollen den Richtern ein Verteidigungsschreiben vorlegen, in dem Punkt für Punkt alle Vorwürfe der Staatsanwaltschaft bestritten werden. Die Anwälte hoffen, dadurch für Juve zumindest eine Reduzierung des 30-Punkte-Abzugs zu Beginn der Serie-B-Saison erreichen zu können.

Gegen eine milderes Urteil wehrt sich allerdings Staatsanwalt Stefano Palazzi, der für Turin den Abstieg sogar in die dritte Liga beantragt hatte und die nun verhängte Strafe für zu niedrig hält. Der Verband plant mit Blick auf die zu erwartenden Folgeprozesse vor dem Verwaltungsgericht in Rom bereits eine Verschiebung des für den 27. August geplanten Liga-Starts um einen Monat.

„Alarm. Die wollen unsere Stars wegholen“

Derweil spekulieren die Medien immer heftiger über den bevorstehenden Ausverkauf der italienischen Weltmeister. Die Zeitung „La Gazzetta dello Sport“ berichtet, acht Spieler der Weltmeister-Elf würden den Verein wechseln. „Alarm: Die wollen unsere Stars aus Italien wegholen“, titelt der „Corriere della Sera“. Nach Angaben der Auguren in Italien meldet angeblich auch Bayern München Begehrlichkeiten an, etwa an Mauro Camoranesi und sogar an Juve-Abwehrchef Fabio Cannavaro - der allerdings schon mit Real Madrid so gut handelseinig geworden sein soll.

„Die Preise sind schwer am zurückgehen, ganz einfach weil das Angebot die Nachfrage übertrifft“, schreibt die römische Zeitung „La Repubblica“ mit spitzem Unterton. Neuestes Gerücht: Der spanische Rekordmeister Real Madrid will Fabio Cannavaro, Gianluca Zambrotta und den Ex-Leverkusener Emerson im Paket von Juventus für 35 Millionen Euro verpflichten. Sir Alex Ferguson, Teammanager von Manchester United, erklärte in einem Interview mit der BBC: „Wir werden ein Angebot für ein paar Spieler machen. Gianluigi Buffon, Zambrotta, Cannavaro, Lilian Thuram, Emerson und Patrick Vieira sind Stars, die jeder haben will.“

Lehmann muß Buffon nicht fürchten

Auch der englische Meister Chelsea London, neuer Klub von Nationalmannschafts-Kapitän Michael Ballack, will sich bedienen. Laut der britischen Boulevard-Zeitung „The Sun“ wirbt der Klub des russischen Ölmagnaten Roman Abramowitsch um Gianluca Zambrotta und will 15 Millionen Euro bezahlen. Zambrottas Manager Giuseppe Bonetto erklärte allerdings, daß der Weltmeister lieber zum AC Mailand statt nach England wechseln wolle. Daß auch Milan vom Skandal betroffen ist, in der kommenden Saison keine Champions League spielen darf und voraussichtlich mit 15 Minuspunkten in der Serie A an den Start geht, ist Zambrotta offenbar gleichgültig. Milans Brasilianer Kaka ist sich derweil über seine Zukunft noch nicht im Klaren. Auch an ihm soll Chelsea interessiert sein.

Dagegen muß der deutsche Nationaltorwart Jens Lehmann bei Arsenal London in der kommenden Saison keinen Konkurrenzkampf mit Buffon fürchten. Auf Gerüchte, daß Buffon von Juventus zum englischen Ex-Meister wechseln würde, ging Arsenals Teammanager Arsene Wenger in einem Interview auf der Klub-Homepage gar nicht erst ein. Der Franzose betonte: „Der Fall Juventus betrifft uns nicht, da wir diese Stars ohnehin nicht bezahlen können.“

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa, sid
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