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Italien Selbstmordversuch von Juve-Funktionär Pessotto?

27.06.2006 ·  Der ehemalige Fußball-Profi und jetzige Funktionär Gianluca Pessotto hat sich am Klubsitz von Juventus Turin aus einem Fenster gestürzt. Die Polizei nimmt einen Selbstmordversuch an. Pessotto soll nicht in den Fußball-Skandal verwickelt sein.

Von Dirk Schümer, Venedig
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Der italienische Fußballskandal hat nach Enthüllungen schlimmer Manipulationen nun offenbar lebensgefährliche Züge angenommen: Am Dienstag stürzte der neue Team-Manager von Juventus Turin, Gianluca Pessotto, aus einem Fenster des Juve-Sitzes unweit der Innenstadt von Turin.

Der Sechsunddreißigjährige, der noch bis zum umstrittenen Titelgewinn an diesem Saisonende im Spielerkader gestanden hatte, war auf den Dachboden der feinen Villa gestiegen und von dort aus einem Fenster in den Innenhof gestürzt. Von zwei geparkten Autos prallte der Körper auf den Asphalt, wo Pessotto mit multiplen Brüchen liegenblieb. Im Krankenhaus stellte man schwerste Verwundungen am ganzen Körper fest und operierte den Manager sofort. Lebensgefahr besteht jedoch nach Auskunft der Ärzte nicht.

Polizei nimmt Suizidversuch an

Die Ursache des Unglücks lag noch komplett im Dunkeln, doch nimmt die Polizei unter Leitung des sogleich herbeigeeilten Turiner Präfekten an, daß es sich um einen Suizidversuch handelt. Pessotto war eigens ins Obergeschoß gegangen und klammerte sich bei seinem Sturz an einen Rosenkranz. Ob das alles mit dem Fußballskandal zu tun hat, ließ sich nicht sogleich erhärten. Doch die Umstände der Tat im Sitz von Italiens beliebtesten und - bis vor kurzem - angesehensten Fußballklub deuten stark darauf hin.

Gianluca Pessotto stammt aus dem friulanischen Latisana, begann seine fußballerische Laufbahn indes bei einer erstklassigen Adresse, nämlich in der Jugend des AC Mailand. Über mehrere Stationen kam er erst als 26jähriger zu Juventus Turin, wo der beidfüßige Verteidiger sich dann aber sofort zu einer verläßlichen Größe in der Abwehr entwickelte. Pessotto errang mit Juve sechs Meistertitel und 1996 auf Anhieb die Champions League - allesamt Erfolge der Ära Moggi, die im Licht der Schiedsrichter-Manipulationen nun sportlich in Frage gestellt werden.

Athleten reagierten entsetzt

Auch droht dem Verein zusätzlich zur Aberkennung der beiden letzten „Scudetti“ akut der Zwangsabstieg in die Serie B. All das konnte der als ruhig und gutmütig beschriebene Pessotto nicht wissen, als die Vereinsführung ihm Ende Mai nach Moggis hastigem Rücktritt den Einstieg ins Management als dessen Nachfolger anbot. Welchem Druck der einstige Spieler, der stets als moralisches Vorbild galt, unter diesen Umständen ausgesetzt war, darüber gibt es im von Intrigen gebeutelten Italien noch nicht einmal konkrete Gerüchte.

Die italienischen Nationalspieler im Quartier von Duisburg, von schlechten Nachrichten aus der Heimat ohnehin gebeutelt, traf die Schreckensnachricht wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Die Athleten reagierten entsetzt auf das Drama in Turin. Kapitän Cannavaro, bis vor kurzem bei Juve Mannschaftskamerad des 22maligen Nationalspielers Pessotto, brach abrupt und verwirrt eine Pressekonferenz ab. Teamsprecher Stefano Balducci hatte ihm die erschütternde Nachricht während der Konferenz ins Ohr geflüstert.

Anläßlich der Weltmeisterschaft hatte Pessotto, der es in seiner Laufbahn auf 22 Einsätze in der Nationalmannschaft brachte, die „Azzurri“ noch letzte Woche zum Spiel gegen Tschechien in Hamburg besucht und auch mit den Spielern gesprochen. Verteidiger Materazzi drückte das Entsetzen aller Kollegen aus: „Pessotto ist der gutartigste Mensch der Welt. Er ist einer von uns, viele haben mit ihm im Nationaltrikot gespielt. Wir sind in Gedanken bei ihm.“ Was genau passiert ist, darüber werden wohl erst die Verhöre Aufschluß geben, wenn der schwerstverletzte Pessotto wieder vernehmungsfähig ist.

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