http://www.faz.net/-gtl-7kj6g
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 17.12.2013, 13:39 Uhr

Italien Neuer Manipulationsverdacht schockiert Serie A

Neue Ermittlungen zu Spielmanipulationen treffen den italienischen Fußball schwer. Einige Erstliga-Partien und ein Weltmeister sind betroffen.

© AP Im Fokus der Ermittler: Weltmeister Gennaro Gattuso

Neue Enthüllungen zu manipulierten Spielen in der Serie A haben den italienischen Fußball erschüttert. Etwa 30 Partien in der höchsten Spielklasse aus den vergangenen Jahren stehen unter Manipulationsverdacht, auch Weltmeister Gennaro Gattuso soll in den Skandal verwickelt sein. Das haben neue Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Cremona ergeben, die am Dienstag präsentiert wurden. Zuvor hatte es in der Nacht Razzien in insgesamt 16 Häusern in Norditalien gegeben, betroffen waren Medienberichten zufolge auch die Wohnungen der Ex-Profis Gattuso und Cristian Brocchi.

Insgesamt richten sich die Ermittlungen gegen etwa 20 Verdächtige, darunter auch mehrere ehemalige und noch aktive Spieler. Vier Männer wurden festgenommen, sie sollen zwischen Wettbetrügern und Spielern vermittelt haben. Sie verlangten nach Angaben von Staatsanwalt Roberto di Martino zwischen 600.000 und 700.000 Euro für die Manipulation eines Spiels. „Die Summe beinhaltete das Honorar für die Vermittlung und das Geld, das nötig war, um Verantwortliche und Spieler zu schmieren“, sagte er laut Nachrichtenagentur Ansa. Den Verdächtigen wird kriminelle Vereinigung mit dem Ziel des Sportbetrugs vorgeworfen.

Ermittlungen gegen Gattuso

Unter Manipulationsverdacht stehen etwa 30 Partien in der höchsten italienischen Liga. Laut Medienberichten stehen mehrere Spiele zum Ende der Saison 2010/2011 im Visier der Ermittler, darunter drei Partien des AC Mailand. Auch weitere Clubs wie Inter Mailand, Lazio Rom und Rekordmeister Juventus Turin sollen demzufolge betroffen sein. Dazu kommen zahlreiche weitere Partien in der Serie B und der Lega Pro, der dritten italienischen Liga.

Auch gegen den früheren Milan-Profi und Weltmeister von 2006, Gennaro Gattuso, ermittelt die Staatsanwaltschaft. „Ich habe mit ihm gesprochen und er fällt aus allen Wolken. Wir können noch keinen Kommentar abgeben, wir müssen das erst verstehen“, sagte der Anwalt des 35-Jährigen, Andrea D’Amico, der Nachrichtenagentur Ansa. Der frühere Mittelfeldspieler hatte bis Ende September als Trainer beim italienischen Zweitligisten US Palermo gearbeitet, in der Serie A hatte er zuvor 13 Jahre lang für den AC Mailand gespielt.

Mehr zum Thema

Von 2006 bis 2008 war sein Teamkollege dort Cristian Brocchi, der nun ebenfalls im Fokus der Ermittler steht. Der 37-Jährige spielte später auch für Lazio Rom, betreut mittlerweile ein Jugendteam des AC Mailand. Auch Brocchis Wohnung wurde durchsucht. Laut Staatsanwalt Di Martino waren einige der Razzien erfolgreich, so seien unter anderem Aufzeichnungen zu den verdächtigen Spielen entdeckt worden.

Der italienische Fußball wurde in den vergangenen Jahren immer wieder von Enthüllungen über manipulierte Spiele und Wettbetrug erschüttert. Dutzende Verdächtige sind bislang festgenommen worden, zudem wurden mehrere Clubs mit Punktabzügen bestraft und Juventus Turin die beiden Meistertitel aus den Jahren 2005 und 2006 aberkannt. Zahlreiche Spieler sind wegen ihrer Beteiligung gesperrt worden.

Quelle: DPA

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Fußball-Transferticker Rekordtransfer beim HSV

Kostic wechselt zum HSV +++ Watzke will keine Spieler mehr kaufen +++ Darmstadt leiht Colak von Hoffenheim aus +++ Wolfsburg will Kostic nicht mehr +++ Alle Infos im Transferticker bei FAZ.NET. Mehr

25.07.2016, 18:27 Uhr | Sport
Im Namen Allahs Attentäter von Ansbach bekannte sich zum IS

Auf dem Handy des Attentäters von Ansbach haben die Ermittler ein Video gefunden, in dem dieser sich zum IS bekennt. In der Wohnung des 27 Jahre alten Syrers befanden sich außerdem Bauteile und Chemikalien zum Bombenbau. Mehr

25.07.2016, 22:23 Uhr | Politik
Amoklauf in München Ein Nachbar und Täter

Wer war der Amokläufer von München? Über den 18-jährigen Deutsch-Iraner, der am vergangenen Freitag neun Menschen tötete, kommen nun immer genauere Informationen ans Licht. Mehr Von Mona Jaeger, München

24.07.2016, 19:52 Uhr | Politik
Nachbarn des Schützen Todesschütze von München war ein guter Mensch

Neun Menschen hat der 18-jährige Amokläufer in München erschossen, bevor er sich selbst tötete. Den Ermittlern zufolge hat sich der Todesschütze, der offenbar wegen psychischer Probleme in Behandlung war, intensiv mit dem Thema Amoklauf beschäftigt. Seine genauen Motive sind bislang noch unklar. Nachbarn erinnern sich an einen unauffälligen und hilfsbereiten Jungen. Mehr

24.07.2016, 21:21 Uhr | Gesellschaft
Gerüchte im Internet Wie Falschmeldungen die Terrorangst schüren

Nach der Serie von Gewaltakten in Deutschland schießen in den sozialen Netzwerken Falschmeldungen und Gerüchte ins Kraut. Fakten spielen dabei keine Rolle, solange es gegen Regierung und Behörden geht. Mehr Von Oliver Georgi

25.07.2016, 15:28 Uhr | Politik

Wer soll euch das noch glauben?

Von Christoph Becker

Mit ihrer Entscheidung, russische Athleten in Rio starten zu lassen, hat das IOC der Sportwelt einen schwarzen Sonntag beschert. Der Präsident und sein Komitee fallen vor den Verrätern der olympischen Idee auf die Knie. Mehr 64 79