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Irak Ein Folterer in Amt und Würden?

 ·  Die Turbulenzen um den asiatischen Fußballverband nehmen zu. Der irakische Fußballpräsident soll während der Diktatur Saddam Husseins an Folterungen von Sportlern beteiligt gewesen sein. Der Iraker ist dennoch enger Vertrauter des asiatischen Fußballchefs. Die Fifa fragt lieber nicht nach.

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In einer der Privatmaschinen des Emirs von Qatar reist Mohamed Bin Hammam derzeit quer durch Asien - auf Wahlkampftour, um seinen strategisch überaus wichtigen Posten im Exekutivkomitee des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) abzusichern, über den der asiatische Fußball am 8. Mai bei seinem Kongress in Kuala Lumpur in einer Kampfabstimmung entscheiden wird. Zwischenzeitlich gibt es neue Verwicklungen um einen der einflussreichsten Fußballfunktionäre, eine der umstrittensten Gestalten des Weltsports, welche eigentlich auch bei der Fifa in Zürich Erklärungsbedarf hervorrufen müssten.

Im Zwielicht steht Bin Hammams enge Verbindung zu dem irakischen Fußballpräsidenten Husain Saeed Mohammad, dessen schon zweifelhafter Ruf durch neue Vorwürfe weiter belastet wird. Wie FAZ.NET erfuhr, soll dieser während des Terrorregimes Saddam Husseins an Folterungen von Sportlern beteiligt gewesen sein. Das behaupten jetzt zwei ehemalige Fußballspieler und ein Gewichtheber. Der heutige Fußballpräsident war damals Generalsekretär des Nationalen Olympischen Komitees des Iraks, dem Saddam Husseins ältester Sohn Udai als Präsident vorstand. Wie man heute weiß, eine blutige Schreckenszeit, in deren Verlauf erfolglose Sportler oder Trainer in einem speziellen Gefängnis gequält wurden. Nach Aussage der drei ehemaligen Athleten sei Husain Saeed Mohammad bei den Folterungen zum Teil dabei gewesen. Einem der Fußballspieler sollen zu Beginn des Jahres 2002 während eines zweimonatigen Aufenthalts in den Kerkern des Diktatoren-Sohns vier Finger einer Hand abgehackt worden sein.

Noch mehr Gegenwind für Bin Hammam?

Husain Saeed Mohammad ist für viele schon lange ein höchst fragwürdiger Fußballfunktionär. In seiner Heimat wird der ehemalige Nationalstürmer wegen Verdachts auf Bestechung, Korruption und Untreue per Haftbefehl gesucht und hält sich deshalb nur außerhalb des Iraks auf. Irakische Nationalspieler und Vereine beschuldigen ihn, für Geld Einfluss auf Spiele der eigenen Nationalmannschaft genommen zu haben. Sie nehmen es nicht als Zufall, dass der Irak in der WM-Qualifikation gescheitert ist - an Qatar. Dort sitzt sein stärkster Förderer Bin Hammam, der neben seiner mächtigen Position bei der Fifa auch Präsident der Fußball-Konföderation Asiens ist.

Aber bei seinem Wahlkampf um den Fifa-Posten erhält der Qatarer derzeit mächtig Gegenwind. Ihm wird zum Beispiel vorgeworfen, dass er in der Vergangenheit die Fußballverbände in Asien je nach Folgsamkeit unterschiedlich bei der Mittelvergabe behandelt haben soll. Die Verlierer sehen ihre Chance: Ihr Hoffnungsträger ist ein Cousin des Herrschers von Bahrein, Scheich Salman Bin Ebrahim Al Khalifa, der Herausforderer für die Fifa-Position. (siehe: Aufstand gegen den Fußball-Rambo vom Golf) Ihm galt zuletzt Bin Hammams Schimpftirade: „Wer sich mir in den Weg stellt, dem schlage ich Kopf, Beine und Hände ab.“ Viele erhoffen sich nun Hilfe vom Fifa-Präsidenten Joseph Blatter. Doch profitierte dieser selbst bei zwei Wahlkämpfen von den besonderen Qualitäten seines besten Stimmenbeschaffers Bin Hammam. So heißt es aus Zürich bislang, die Angelegenheit sei Sache des asiatischen Fußballs. Ein Hilferuf per Brief erging allerdings an Blatter persönlich von einigen asiatischen Fußballverbänden. Diese fordern eine „faire Behandlung ohne Repressalien“ und die „Einhaltung des Ethikkodex der Fifa“. Und sie setzen auf die Kampagne des Scheichs aus Bahrein. Die heißt: „Asia for Change“.

Irakischer Sport will Schlussstrich ziehen

Unruhe um Bin Hammams Verwicklungen gibt es dieser Tage auch im Irak. Sein Einfluss und ein Beschluss der Fifa sorgen dafür, dass die Suspendierung des Fußballverbandes provisorisch aufgehoben ist und damit auch der schwer belastete Präsident weiterwirken darf. Beim Confederations Cup im Juni in Südafrika wollte der Asienmeister eigentlich auch mit einer sauberen Weste seiner Funktionäre aufspielen und für Sympathien werben. Daraus wird wohl nichts. Ein wenig Aufbruchstimmung herrscht trotzdem im leidgeprüften irakischen Sport. Am Samstag soll in Bagdad ein neues Nationales Olympisches Komitee (NOK) gewählt werden, nachdem der alte Präsident entführt und wohl ermordet worden ist und das Internationale Olympische Komitee das NOK wegen staatlicher Einflussnahme kurzzeitig ausgeschlossen hatte. Nun kommt es mit Hilfe des IOC und der Organisation aller Olympischen Komitees Asiens (OCA) zu einem Neuversuch.

Ein Schlussstrich soll am Samstag im Rashid-Hotel in der Grünen Zone gezogen werden unter eine schwere Zeit, in der durch Terrorakte mehr als 100 Athleten, Trainer und Funktionäre umkamen. „Es ist ein Symbol für den Frieden“, sagt der vom OCA entsandte Vermittler Jaffer Al-Muthafer. Präsident soll der ehemalige Fußballtorwart Raad Hammudi werden - und ein erstes großes Projekt gibt es auch schon. Der Fußballpokal der Golf-Staaten soll 2013 in Basra stattfinden. Es wäre die erste internationale Sportveranstaltung im Irak nach Jahrzehnten. Ob dann Bin Hammam und sein Freund Husain Saeed Mohammad noch in Amt und Würden auf der Tribüne Platz nehmen werden?

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Jahrgang 1965, Sportredakteur.

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