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Investoren in Englands Fußball Viel Geld für elf Freunde

09.02.2007 ·  Schon sieben von 20 Erstliga-Klubs in England sind in der Hand ausländischer Investoren. Zuletzt wurden 174 Millionen Pfund für den FC Liverpool bezahlt. Vor allem Amerikaner sind aufmerksam geworden auf das Produkt Fußball.

Von Ulrich Friese, London
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Im britischen Spitzenfußball grassiert das Übernahmefieber. Nach Manchester United und Aston Villa ziehen jetzt auch beim FC Liverpool amerikanische Investoren als neue Hausherren ein. Mit dem Vollzug des Eigentümerwechsels beim 18-fachen Meister der englischen Liga befinden sich insgesamt sieben der 20 Erstliga-Klubs fest in ausländischer Hand.

Das Ende seiner dreijährigen Suche nach einem finanzkräftigen Investor gab Liverpool-Chairman David Moores zu Wochenbeginn bekannt. Danach werden die Sportunternehmer George Gillett und Tom Hicks die gemeinsame Regie bei dem 1892 gegründeten Traditionsverein übernehmen. Das Millionärsgespann aus den Vereinigten Staaten ist bereit, 5000 Pfund für jede Aktie von Liverpool und damit insgesamt 174 Millionen Pfund zu bezahlen. Einschließlich der Übernahme von Schulden und der Zusage, den Löwenanteil des rund 215 Millionen Pfund teuren Stadion-Neubaus zu finanzieren, beläuft sich dabei der Gesamtwert der Transaktion auf rund 600 Millionen Euro.

Vom biederen Klub zum „Markenartikler“ als Ziel

Der stattliche Betrag für Liverpool wird freilich noch von den 1,2 Milliarden Euro übertroffen, die Landsmann Malcolm Glazer Mitte 2005 für Manchester United springen ließ. Dabei finanzierte er den Löwenanteil des Betrages mit Krediten, wobei er die vereinseigene Old-Trafford-Arena als Sicherheit verpfändete. Für relativ bescheidene 120 Millionen Euro kam indessen Randy Lerner im Herbst vergangenen Jahres beim Ligarivalen Aston Villa zum Zuge.

Der 44 Jahre alte Investor, der über ein Privatvermögen von geschätzt 1 Milliarde Euro verfügt und dem in seiner amerikanischen Heimat der Football-Klub Cleveland Browns gehört, begründet sein Engagement im Mutterland des Fußballs mit dem Ziel, den biederen Klub aus Birmingham in einen schillernden „Markenartikler der Premier League“ zu verwandeln und auf mittlere Sicht sogar in das Spitzenfeld der europäischen Champions League zu befördern.

Durchschnittliche Ticket-Preise auf Rekordwert

„Amerikaner entdecken das lukrative Geschäft mit Europas Fußball, weil ihr Verständnis für die Sportart wächst und hohe Einnahmen durch den Verkauf von Übertragungsrechten sowie mit der weltweiten Vermarktung der Klubs locken“, erklärt Jeff L'Hote von der Sportmarketing-Agentur FMM den Aufmarsch der Investoren aus Übersee. Beispielsweise sind den Klubs für die kommenden drei Spielsaisons der „Premier League“ Erlöse aus dem Fernsehgeschäft von insgesamt 4,1 Milliarden Euro garantiert.

Mindestens ebenso viel lässt sich mühelos hereinspielen, wenn die englischen Vereine ihre Stadion-Kapazitäten der wachsenden Nachfrage im Land zügig anpassen. So jüngst geschehen bei Manchester United und dem Rivalen Arsenal London: Die beiden Publikumslieblinge der englischen Liga stockten unlängst die Kapazitäten ihrer Heimspiel-Stätten von 50.000 auf 70.000 Sitzplätze auf und bitten seitdem ihre Fans kräftig zur Kasse. Der durchschnittliche Ticket-Preis in „Old Trafford“ oder im Londoner „Emirates Stadion“, die mitunter mehrmals pro Woche ausverkauft sind, hat mit 55 Pfund (83,60 Euro) neuerdings einen vorläufigen Spitzenwert erreicht.

In drei Jahren mal eben 500 Millionen Euro spendiert

Dem Lockruf des Geldes ist nicht nur eine Schar von Selfmade-Unternehmern aus Übersee gefolgt. Vielmehr sind amerikanische Investoren gegenwärtig die stärkste Fraktion unter den ausländischen Eigentümern der ersten englischen Fußballliga. Den Auftakt der Verkaufsserie markierte dagegen vor zehn Jahren der Ägypter Mohamed Al-Fayed beim FC Fulham. Der Eigentümer des Londoner Nobel-Kaufhauses Harrods legte sich den damaligen Zweitligisten aus London zum „Schnäppchenpreis“ von 10 Millionen Pfund zu und hievte ihn schließlich in die englische Oberliga.

Nach Al-Fayed übernahm der russische Milliardär Roman Abramowitsch die Alleinherrschaft beim FC Chelsea und spendierte binnen drei Jahren mehr als 500 Millionen in hohe Gagen für Trainer und Spieler. Ihm folgten der in Frankreich lebende Millionär Alexandre Gaydamak beim FC Portsmouth sowie vor wenigen Monaten der isländische Geschäftsmann Eggert Magnusson bei Westham United. Eine anonyme Investorengruppe namens „Belgravia“ mit Geschäftssitz in Jersey fühlte unlängst bei Newcastle United wegen einer Übernahme vor. Doch die Verhandlungen mit dem englischen Mehrheitseigner John Hall scheiterten an den Konditionen für das Management und der Höhe des Preises.

Agieren aus Steuerspar-Paradiesen wie Zypern

Der Vorstoß bei Newcastle United nährte zudem den Verdacht, dass die meisten Finanzinvestments in der englischen Liga nur aus steuerlichen Motiven getätigt werden. Ob beispielsweise beim Eigentümerwechsel in Chelsea oder im Zuge der Machtübernahme bei Manchester United - stets waren bei den diskret abgewickelten Eigentümerwechseln diverse Investmentvehikel mit im Spiel, die von Steuerspar-Paradiesen wie Jersey, Zypern oder den britischen Virgin Islands aus agieren.

Ein Ende des Verkaufsreigens ist kaum absehbar. Vielmehr erscheint die Liste an Kaufobjekten selbst Kennern der Branche unerschöpflich: „Innerhalb der nächsten 10 bis 20 Jahre werden die meisten Klubs der Premier League Ausländern gehören“, ist John Madejski, Eigentümer des Erstliga-Aufsteigers FC Reading, überzeugt.

Alle Widerstände gegen Glazer nutzten nichts

Gegen den Einstieg Glazers hatten sich die Fans von Manchester United noch heftig gewehrt. Vielen Anhängern des ehemaligen Arbeiterklubs kam der öffentlichkeitsscheue Milliardär aus Florida, der seinen Reichtum einst mit dem Verkauf von Fischkonserven begründete, höchst dubios vor. Doch die wilden Proteste bei den Heimspielen in Old Trafford nützten nichts. Gegen alle Widerstände und im Verbund mit drei amerikanischen Hedge-Fonds paukte Glazer sein riskant finanziertes Großvorhaben durch.

Ähnliche Bedenken in der Anhängerschaft der Liverpool Reds wollen dagegen die künftigen Hausherren in jedem Fall ausräumen: „Wir sind mit der langen Geschichte dieses Klubs bestens vertraut und werden bei wirtschaftlichen Fragen stets darauf Rücksicht nehmen“, versicherten jetzt Gillett und Hicks bei ihrem Antritt in der legendären Vereinstätte an der Anfield Road.

Quelle: F.A.Z., 10.02.2007, Nr. 35 / Seite 18
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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft.

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