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Investoren im Fußball „Herr Hopp fühlt sich auch nicht geknebelt“

25.09.2007 ·  Die Deutsche Fußball-Liga hat den Kooperationsvertrag von Carl Zeiss Jena mit einem russischen Konsortium vorerst abgelehnt. DFL-Finanzgeschäftsführer Müller erklärt den „Fall Jena“ und die Regel „Fünfzig plus eins“.

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Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat den geplanten Kooperationsvertrag von Carl Zeiss Jena mit dem russischen Konsortium Alpha Invest Group Corporation, das auf den britischen Jungferninseln residiert, vorerst abgelehnt. DFL-Finanzgeschäftsführer Christian Müller spricht im Interview mit der F.A.Z. über den „Fall Jena“ und die Regel „Fünfzig plus eins“.

Hat die Deutsche Fußball Liga etwas gegen Investoren?

Warum sollte sie? Kein Wirtschaftszweig, der wächst, kann es sich leisten, Investoren des Feldes zu verweisen. Natürlich auch nicht der Fußball.

Dennoch muss der Zweitliga-Letzte FC Carl Zeiss Jena seine Kooperationsabmachung mit einer russischen Investorengruppe nachbessern, soll sie am Ende von der DFL zustimmend zur Kenntnis genommen werden. Warum?

Im Fall von Jena ging der uns vorgelegte Vertrag mit dem Investor über die jetzigen statuarischen Grenzen hinaus, was die (nicht zulässige) Einflussnahme der Geldgeber angeht.

Bisher galt die Formel „Fünfzig plus eins“, mit der festgelegt wurde, dass in jeder Art von Bundesliga-Kapitalgesellschaft der Verein die Mehrheit der Anteile halten müsse. Ist diese Formel noch zeitgemäß angesichts der englischen Verhältnisse, die geprägt sind von Übernahmen großer Premier-League-Vereine durch amerikanische, russische oder thailändische Investoren?

Nur kurz: Unsere Regel sagt Mehrheit der Stimmrechte, nicht zwangsläufig der Anteile. Alles dreht sich doch um die Frage, ob zu wenig Geld im deutschen Fußball ist.

Ist dem so?

Hier verwechselt man Erlöse, die man auf Märkten erzielt, und Finanzmittel, die man erschließt unter Hergabe von Entscheidungsrechten. Gesellschaftsanteile kann man nur einmal verkaufen. Wenn das Geld verbraucht ist, stellt sich die Frage der Kapitalerhöhung. Wäre dann jemand, der die Mehrheit der Anteile hat, bereit, ständig neues Geld hinzu zu schießen? Letzten Endes kann es dann dazu führen, dass ein Fußballklub am Markt operiert, bei dem – siehe Roman Abramowitsch und der FC Chelsea – die Verluste genauso hoch sind wie der Umsatz. Das halte ich nicht für eine wünschenswerte Entwicklung in Deutschland.

Was wollen Investoren denn vor allem?

Was sich Investoren vom Fußball versprechen, dafür gibt es mindestens drei Varianten. Die einen betrachten sich, wie Abramowitsch, als Mäzene und halten sich einen Fußballklub als Spielzeug. Andere Unternehmen brauchen einen Fußballklub als strategischen Input für ihr Kerngeschäft. Die Verbindung zwischen dem Fernsehmagnaten Silvio Berlusconi und dem von ihm angeführten AC Mailand ist so ein Fall mit aus unserer Sicht problematischen Folgen für den Ligawettbewerb. Dann gibt es noch solche Investoren, die mit dem Fußball Geld verdienen wollen. Sei es mit einer laufenden Rendite durch Ausschüttungen, was nur ganz selten bei Fußballklubs passiert, sei es durch eine Wertsteigerung der Anteile, die bei deren Verkauf realisiert wird.

Aber die DFL berichtet, dass zwei Drittel der Profiklubs in Deutschland Gewinne ausweisen?

Das stimmt, aber die Gewinne werden meist nicht ausgeschüttet, sondern zum Beispiel zur Stärkung der Mannschaft reinvestiert – wie etwa zur Freude der Fans geschehen beim FC Bayern München vor dieser Saison.

Was ist das vorherrschende Motiv der Investoren in der Premier League?

Dort gibt es wohl Investoren mit allen genannten Zielen. Einige Investoren glauben an das Wachstumspotential des Fußballs und an eine Wertsteigerung ihrer Anteile, wenn sie weiterverkaufen.

Die Premier League und ihre Investoren – diese Liaison gibt es erst seit ein paar Jahren. Ist es da nicht zu früh, schon jetzt von einer dauerhaften und krisensicheren Erfolgsgeschichte zu sprechen?

Das kann, muss nicht, am Ende auch eine Blase sein, in der alles in sich zusammensackt. Von einem empirischen Erfolgsbeleg zu sprechen, wenn ein solches Modell noch sehr jung und wenig krisenerprobt ist, wäre voreilig.

Es gibt auch in der Bundesliga Klubs wie Hannover 96, die sich für eine Aufweichung oder Abschaffung der „Fünfzig-plus-eins“-Regel stark machen. Wie ist die Meinung der DFL dazu?

Darüber wird in der Geschäftsführung wie im Ligavorstand noch nachgedacht. Am Ende könnte eine gewisse Lockerung der Regelungen, die Gremien der Kapitalgesellschaften betreffend, herauskommen, die die Minderheitsgesellschafter besser stellt als bisher.

Welche Möglichkeiten bleiben Investoren in der Bundesliga unter den jetzigen Voraussetzungen?

Wir haben ja Investoren. Denken Sie an Herrn Hopp (SAP-Chef) in Hoffenheim. Er hat gewiss großen Einfluss auf das Gedeihen seines Klubs und fühlt sich trotzdem nicht geknebelt von unseren Statuten.

Wird es auf absehbare Zeit bei den jetzigen Statuten bleiben?

Ich sehe bei einer Aufhebung von „Fünfzig plus eins“ nach wie vor mehr Risiken als Chancen. Die Regel bezieht sich unmittelbar nur auf den Spielbetrieb. Wer Geld in die Bundesliga investieren will, muss sich nicht eingeschränkt oder angekettet fühlen.

Die Fragen stellte Roland Zorn

Quelle: F.A.Z.
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