30.06.2005 · Ze Roberto, Star der Bayern und Brasiliens, spricht in einem Interview mit der F.A.Z. über den WM-Gastgeber, die neuen Stadien und die Fan-Kultur der Zukunft.
Ze Roberto, Star der Bayern und Brasiliens, spricht in einem Interview mit der F.A.Z. über den WM-Gastgeber, die neuen Stadien und die Fan-Kultur der Zukunft.
Ze Roberto, Sie müssen hier rackern, während Ronaldo, Roberto Carlos und Cafu Urlaub machen. Finden Sie das ungerecht?
Trainer Parreira hat sie in den Urlaub geschickt, sie wurden nicht nominiert. Ronaldo muß einige private Dinge klären, und die anderen beiden haben einfach eine Verschnaufpause vom Trainer bekommen.
Urlaub täte aber doch wahrscheinlich allen Spielern gut...
Nein. Für uns alle ist es ein große Ehre, in der Nationalmannschaft zu spielen. Es ist niemand wütend auf die drei Spieler, wirklich nicht. Der Zeitpunkt dieses Turniers, den ja die Fifa festgelegt hat, ist schon ein wenig unglücklich.
Wie hoch ist also nach einer langen Saison die Lust am Confederations Cup?
Es ist ein wichtiges Turnier, schließlich sind große Mannschaften am Start. Die Öffentlichkeit nimmt den Wettbewerb als Mini-WM wahr, das Medieninteresse ist immens. Die WM rückt immer näher, deswegen sind diese Spiele eine sehr gute Vorbereitung für alle Beteiligten gewesen. In nur einem Jahr sehen wir uns alle wieder.
Machen wir mal einen kleinen WM-Check: Was halten Sie als "Deutschlandexperte" denn vom WM-Logo, diesen lachenden Gesichtern? Sind wir Deutschen das?
Mir gefällt es. Jedes Land, das eine WM ausrichtet, hat seine eigene Vorstellung von der Umsetzung der Dinge, und die deutschen Organisatoren haben sich für dieses Logo entschieden.
In der brasilianischen Presse wurde dieses Logo als lachende Ecstasy-Pillen verspottet.
Nein, ich glaube, das sind glückliche, lustige Puppengesichter. Die Deutschen werden für eine lebendige WM sorgen.
Sind Sie da sicher? Die Deutschen haben nun nicht gerade die Lebensfreude erfunden.
Immerhin wohne ich bereits seit einigen Jahren in Deutschland, ich kann dies also ganz gut beurteilen. Die WM wird hier sehr ernst genommen und perfekt organisiert, die Stadien sind phantastisch, die Vorfreude enorm. Wohin ich schaue, sehe ich nur Positives im Hinblick auf die WM.
Sie würden also auch ohne Bedenken das Motto "Zu Gast bei Freunden!" unterschreiben?
Die Deutschen sind jetzt nicht so heißblütig wie die Brasilianer, aber ich erinnere mich noch gut daran, wie ich damals in Leverkusen empfangen wurde. Nicht nur ich, auch meine Familie wurde mit sehr viel Respekt und Herzlichkeit aufgenommen. Das hat mich sehr beeindruckt. Die Warmherzigkeit ist auf den ersten Blick nicht so ersichtlich wie in Italien oder Südamerika, die Deutschen sind schon etwas reservierter. Aber hilfsbereit sind sie allemal.
Was halten Sie im einzelnen von den neuen Stadien, zum Beispiel dem in München?
Wahnsinn, echt beeindruckend. Immer, wenn wir zum Flughafen fahren, kommen wir daran vorbei. Von außen sieht es wie ein Raumschiff aus. Ich habe zwar noch nicht drin gespielt, da ich bei der Eröffnung mit der Nationalmannschaft unterwegs war. Aber es ist derzeit wohl das modernste Stadion der Welt. Jeder Spieler, der dieses Stadion von außen sieht, will unbedingt darin spielen.
Vor ein paar Tagen haben Sie in Leipzig gespielt. Leider werden nur sehr selten in diesem schönen Stadion Spiele ausgetragen, der örtliche Klub spielt in der vierten Liga. War es denn richtig, diese "Investitionsruine" zu bauen, um die Menschen im Osten mit einzubeziehen?
Meiner Meinung nach mußte dieses Stadion einfach gebaut werden, egal ob hier ein Klub spielt oder nicht. Und den sportlichen Werdegang der Vereine kann das Organisationskomitee ja nicht vorhersagen. Die WM-Organisatoren haben sich dazu entschlossen, das gesamte Land einzubeziehen. Dies war absolut richtig. Es soll schließlich eine unvergeßliche WM werden, und die Meßlatte durch die WM in Asien wurde sehr hoch gelegt. Die Deutschen haben in dieser Hinsicht bisher alles richtig gemacht. Ich selbst verfolge dies alles aus nächster Nähe, da ich in Deutschland wohne. Die Vision, tolle Stadien hinzustellen, ist einfach von größerer Bedeutung als die Frage, in welcher Liga gerade der lokale Verein spielt.
Jetzt "kämpfen" wir hier bereits mit einem Luxusproblem: Es gibt einige Leute, die behaupten, die neuen Stadien sähen sich allesamt zu ähnlich. Ging der eigenständige Charakter mit dem Bau der "Neuen" verloren?
Also ich weiß immer, in welchem Stadion ich mich gerade befinde. Die Form des Daches oder des gesamten Baus ist schon unterschiedlich. Die neuen Stadien haben alle ihren eigenen Stil. Das Stadion in Mönchengladbach beispielsweise, auch wenn dies gerade kein WM-Stadion ist, gehört zumindest zur Generation der WM-Stadien. Es ist eine richtig tolle Arena geworden, mir hat es dort sehr gut gefallen. Das Stadion in Hannover wirkt im Vergleich auf mich ein klein wenig offener und gemütlicher. Wenn ich das Spielfeld betrete, schaue ich mich um und weiß gleich, wo ich bin. Das ist mir auch sehr wichtig, in geklonten Stadien würde ich nicht gern spielen wollen.
Sie sagten bereits, daß die Meßlatte durch die Turniere in Asien und auch Deutschland sehr hoch gelegt wurde. Wird die WM 2014, die wohl in Argentinien oder in Brasilien ausgetragen wird, ähnliche Maßstäbe in Sachen High-Tech und Organisation setzen, oder wird sich alles wieder zurückentwickeln?
Wenn die WM 2014 ein Erfolg werden soll, müssen sich sehr viele Dinge in Südamerika ändern. Als erstes müßte sich die Mentalität ändern. Im Vergleich zu Europa sind viele Vereins- und Verbandspräsidenten geradezu gefährlich. Ihnen sind die Spieler und die Fans egal, die schauen nur nach sich selbst. Noch immer ist die Korruption weit verbreitet. Um eine WM auf solch einem hohen Niveau auszutragen - da muß sich wirklich eine Menge ändern.
Der gewöhnliche Fan wird durch die immer stärkere Kommerzialisierung des Fußballs immer weiter verdrängt. Die finanzstarken Sponsoren machen sich in den Stadien breit, darunter leidet die Stimmung. In Manchester wurde ja schon über "sandwichessende Manager" geklagt. Was ist Ihre Einschätzung dieser Entwicklung?
Natürlich, wir können uns jetzt darüber fürchterlich aufregen. Aber die Globalisierung macht auch vor dem Fußball nicht halt. Der Fußball ist nun mal ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, unseres Lebens. Deswegen ist es naiv zu glauben, alles bliebe so bestehen, wie es mal war, während andere Bereiche des Lebens von rasanten Veränderungen betroffen sind. Um neue Dinge anzukurbeln, allein, um neue Spieler zu verpflichten, braucht man Sponsoren. Deswegen sollte man sie nicht verteufeln. Chelsea hat einen sehr reichen Besitzer, der viel Geld investiert. Da kann er auch seine Leute mitbringen, die das Spiel sehen wollen. Und bei Bayern zahlt die Telekom jedes Jahr sehr viel Geld, auch sie haben natürlich ihr Kontingent, das ist völlig normal.
Dann haben wir irgendwann volle Stadien, in denen es völlig ruhig ist, weil die wirklichen Fans fehlen.
Ja, wenn es so weitergeht, ist dies durchaus möglich. Ich fürchte, in Zukunft werden wir kaum noch Stadien haben, wo richtig angefeuert wird wie früher.
Aber das wäre ja traurig.
Traurig, ja. Nun, es wird immer einen Bereich für die Fans geben. Sie werden immer älter und bringen im Laufe der Zeit ihre Kinder mit. Die Fans werden hoffentlich nicht aussterben, aber es wird sich wahrscheinlich weiter umverteilen.
Letztes Jahr gab es ja dieses grauenvolle Spiel ohne Fans zwischen AS Rom und Bayer Leverkusen. Auch in Brasilien werden dieses Jahr Spiele ohne Publikum als Strafmaßnahme angesetzt. Was bedeutet dies für einen Fußballer?
Für einen Spieler muß dies ganz schrecklich sein, ich selbst habe diesbezüglich noch keine Erfahrungen gemacht. In einem leeren Stadion ohne Fans zu spielen ist, wie einem Kind die Süßigkeiten wegzunehmen. Auf der anderen Seite ist es eine Disziplinarmaßnahme des jeweiligen Verbandes. Wenn es denn hilft.
Wie lang ist eigentlich Ihre Warteliste für WM-Tickets, melden sich viele Verwandte und Bekannte bei Ihnen?
Von meiner Familie sind es nicht so viele. Meine Frau, meine Kinder und dann noch zwei, drei Leute. Aber die Liste der Freunde, die zu den Spielen wollen, ist natürlich lang. Ich hoffe wirklich, ich kann etwas für sie tun.
Gibt es eine bestimmte Regel beim Verband?
Normalerweise ja. Jeder Spieler bekommt zwei bis drei Karten. Wenn man mehr braucht, kann man noch ein paar dazukaufen.
Was raten Sie den Fans, die bei der Ticketvergabe leer ausgegangen sind?
Ich denke, das Einfachste wird sein, sich vor einer Großleinwand zu versammeln und die Spiele dort zu sehen. Auch dort wird eine großartige Stimmung herrschen.
Die Fragen stellte Steffen Rössel.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |