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Interview „Klinsmann kann sich bei der Bundesliga bedanken“

30.07.2005 ·  Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge spricht im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über eine ganz besondere Saison, die Qualität des Nationalteams und die Macht des FC Bayern.

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Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge spricht im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über eine ganz besondere Saison, die Qualität des Nationalteams und die Macht des FC Bayern

Wie besonders ist denn diese bevorstehende Bundesligasaison, die zielgenau auf das große WM-Turnier zusteuert?

Es ist sportlich eine andere Saison, weil viele Spieler daran interessiert sind, an der Weltmeisterschaft teilzunehmen. Jeder wird versuchen, sich anzubieten. Jeder will bei diesem größten Sportevent, das die Welt je gesehen hat, dabeisein.

Zum FC Bayern gehören viele Nationalspieler aus verschiedenen Ländern. Was würden Sie denen raten im Kampf um einen Platz bei der Weltmeisterschaft?

Gas geben bei uns und gut Fußball spielen. Das ist relativ einfach. Fußball ist die klarste Leistungsgesellschaft, die wir in der Republik haben. Das ist in wenigen Berufen heute noch festzustellen. Und wer beim FC Bayern München Stammspieler ist, der wird automatisch Nationalspieler. Es wäre ein Fehler, wenn sich Spieler zurückhalten würden, weil sie glaubten, es sei ihnen eine Hilfe, um sich keine Verletzungen zu holen. Sie würden mit diesem Verhalten das Gegenteil erreichen.

Permanenter Leistungsdruck muß ja nicht nur förderlich sein, sondern könnte beim FC Bayern bei dieser Ansammlung von potentiellen WM-Teilnehmern auch mal zu brenzligen, unkontrollierbaren Situationen führen.

Brenzlig nur, wenn man die Situation nicht im Griff hat. Das befürchte ich nicht bei uns. Denn wir haben einen Trainer, der das Thema Disziplin nicht als Fremdwort benützt, sondern die Dinge gut zusammenhält.

Muß sich die Bundesliga nicht nachträglich bei Bundestrainer Jürgen Klinsmann bedanken, daß er durch das respektable Abschneiden der Nationalmannschaft beim Confederations Cup für eine positive Grundstimmung in Fußball-Deutschland gesorgt hat und damit auch den Klubs weiterhilft?

Ich würde eher umgekehrt sagen: Klinsmann kann sich bei der Bundesliga bedanken. Die sportlichen Rahmenbedingungen werden durch die Bundesliga geschaffen - und Klinsmann macht einen guten Job. So würde ich das ausdrücken.

Aber mit Schweinsteiger und Deisler haben zum Beispiel auch zwei Ihrer jüngeren Spieler vom FC Bayern durch die Nationalelf neuen Aufwind bekommen.

Trotzdem wird es für die Nationalmannschaft demnächst schwerer als beim Confed Cup.

Sie sind aber kein Optimist?

Ich bin Realist. Die individuelle Klasse der Nationalmannschaft speziell in der Defensive ist ganz einfach nicht so, daß man zu Optimismus neigen sollte.

Da hört man doch wieder die kritische Einstellung der mächtigen Bayern gegenüber der Nationalelf durch.

Wenn man uns in Ruhe arbeiten läßt und keine überflüssigen Kommentare kommen, dann sind wir immer harmoniebereit.

Sehen Sie denn Streitpotential in dieser WM-Saison?

Es gibt keinen Klub in Deutschland, der in den vergangenen Jahrzehnten die Nationalmannschaft mehr unterstützt hat als den FC Bayern. Wir haben nicht zufällig viele, viele Spieler abgestellt. Wir werden auch Klinsmann unterstützen, weil wir interessiert sind, daß Deutschland eine erfolgreiche Weltmeisterschaft spielt. Aber man soll uns in Ruhe Fußball spielen lassen und nicht einem Herrn Deisler zum Vereinswechsel raten, weil er zweimal nicht gespielt hat.

Sind trotzdem nicht die Bundesligaklubs in der Bringschuld, nachdem die Nationalelf eine schöne Steilvorlage gegeben hat?

Das ist eine Interessensbetrachtung. Es gibt keine Bringschuld unsererseits. Ich sage Ihnen, daß die Bundesliga mehr Einfluß hat als der DFB. Das wirtschaftliche Risiko wird von uns getragen und nicht vom DFB. Ein Schweinsteiger ist vom FC Bayern und nicht vom DFB ausgebildet worden. Die Bundesliga ist eine ganz lebendige Veranstaltung.

Das Gespräch führte Michael Ashelm.

Quelle: F.A.S. vom 31. Juli 2005
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