27.05.2005 · Nationaltorhüter Oliver Kahn sagt dem aktuellen Kader des FC Bayern München eine erfolgreiche Zukunft voraus. „Die Mannschaft hat das Zeug, die Nummer eins in Europa zu werden“, sagte der Kapitän des deutschen Meisters im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Nationaltorhüter Oliver Kahn sagt dem aktuellen Kader des FC Bayern München eine erfolgreiche Zukunft voraus. „Die Mannschaft hat das Zeug, die Nummer eins in Europa zu werden“, sagte der Kapitän des deutschen Meisters im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Was ist das für ein Gefühl, wenn man nach dem Ende einer Saison die Meisterschale als Kapitän einer Mannschaft in Händen hält?
Es ist der Lohn für ein Jahr Plackerei und hat mit der Rolle als Kapitän erst einmal nichts zu tun. Wenn ich am Ende die Schale in der Hand habe, weiß ich, daß sich all die Arbeit gelohnt hat. Das verschafft eine tiefe Befriedigung.
Und wie unterscheidet sich das Gefühl, wenn man den DFB-Pokal überreicht bekommt?
Man kann es mit der deutschen Meisterschaft nicht ganz vergleichen. Den Pokal nach einem Endspiel im DFB-Pokal oder der Champions League zu gewinnen - das ist oft emotionaler, weil es eben nur ein Spiel ist. Aber es gab bei uns ja auch schon Meisterschaften, wie das Titelfinale 2001 im Fernduell gegen Schalke, die erst in letzter Minute entschieden wurden, auch dabei entstehen ähnlich starke Gefühle. Es kommt eben darauf an, wie emotional ein Titel errungen wird. In diesem Jahr, als die Meisterschaft schon länger feststand, war der Jubel natürlich nicht mehr ganz so riesengroß. Aber die Freude trägt einen dann bis zum Ende der Saison, und wenn dann noch das Pokalfinale aussteht, dann ist die Stimmung über Wochen toll. Diese Zeit macht einfach unheimlich Spaß.
Und was bedeutete es, das Double zu gewinnen - ausgerechnet gegen den größten Konkurrenten um die Meisterschaft?
Es würde bedeuten, daß wir eine Topsaison gespielt haben. National beide Titel zu gewinnen und in der Champions League bis ins Viertelfinale zu kommen ist absolut top. Man darf nicht den Fehler machen, zu glauben, das Double zu gewinnen wäre Normalität. Der FC Bayern hat nach der Mannschaft, die im Jahr 2000 die Champions League gewonnen hat, jetzt wieder eine sehr gute Truppe. Die Mannschaft ist entwicklungsfähig und hat das Zeug, auch die Nummer eins in Europa zu werden. Aber normal ist das nicht - und deswegen sollte man solche Triumphe auch möglichst lange genießen.
Als Kapitän sollte man sich für die Mannschaft verantwortlich fühlen und nicht für sich selbst. Steigert das nicht die Freude am Erfolg?
Als Kapitän hat man nicht nur Arbeit während der 90 Minuten auf dem Platz geleistet, sondern auch in Bereichen, die die Öffentlichkeit gar nicht so mitbekommt. Ich bin nach einem Titelgewinn zum einen als Sportler mit mir sehr zufrieden, aber auch als Führer der Mannschaft. Diese Erfolge zeigen mir, daß ich auch innerhalb des Teams einiges bewirkt habe.
Welche Aufgaben, die ein Kapitän zu erfüllen hat, sind Ihnen derzeit am wichtigsten?
Der Kapitän ist Vorbild in allen Bereichen. Mir fällt dies auf dem Platz nicht schwer, weil ich alle Dinge, die sich damit verbinden, schon mein ganzes Sportlerleben getan habe: Trainingsfleiß, Disziplin, hohe Intensität. Aber ein Kapitän muß auch spüren, welche Strömungen in einer Mannschaft entstehen, welche Spieler sind frustriert, welche heben ab, wie gehe ich mit jungen Spielern um? Müssen sie gestreichelt werden, oder brauchen sie mal einen Tritt in den Hintern? Wann muß man das Gespräch mit der Führung suchen? Der Kapitän sollte ein Klima schaffen, in dem alle hochmotiviert auf ein Ziel hinarbeiten.
Wie oft mußten Sie denn in dieser Saison eingreifen? Vor allem zu Beginn hat es zwischen Mannschaft und Trainer Magath noch sehr gehakt.
Wir hatten am Anfang tatsächlich das eine oder andere Problem, und in dieser Saison hat es auch einen intensiven Austausch zwischen Mannschaft, Trainer und Präsidium gegeben. Magath hatte neue Vorstellungen und Methoden. Da kam es zu Unstimmigkeiten, Diskussionen und vielen Sitzungen. Gerade am Anfang gab es viele Gespräche zwischen mir und dem Trainer und zwischen mir und der Mannschaft. Es dauerte, bis wir die Veränderungen akzeptiert hatten. Die Diskussionen wurden weniger, als wir verstanden hatten, was der Trainer will.
Was haben Sie persönlich bewirkt?
Es war für mich wichtig, Mittler zwischen Trainer und Mannschaft zu sein und die Mannschaft zu überzeugen, daß die Veränderungen in Training und Taktik für uns als Mannschaft von Vorteil sind. Die Mannschaft schaut ja gerade bei mir sehr genau hin, wie ich auf Veränderungen reagiere. In dieser Phase habe ich schon eine große Verantwortung gespürt.
Als Vermittler kann man seine eigene Meinung nicht mehr zu 100 Prozent einbringen.
Das ist richtig. Ich kann nicht nur das, was ich für richtig halte, durchsetzen. Man muß auch Eigeninteressen zurückstellen können und Dinge mittragen, die für die gesamte Mannschaft gut sind.
Mußten Sie die Rolle des Kapitäns lernen?
Als Torwart ist das besonders schwierig. Die Rolle des Einzelkämpfers paßt eigentlich nicht zu einem Kapitän, der ein Teamplayer sein muß. Da mußte ich im Laufe meiner Karriere schon einiges lernen.
Wann haben Sie die Rolle angenommen?
Ich habe mit Führungsaufgaben eigentlich selten Probleme gehabt. Mit Ausnahme der letzten Saison, in der ich zu sehr mit mir selbst beschäftigt war. Bei der WM 2002 dagegen habe ich all meine Erfahrungen einbringen können, auch außerhalb des Platzes. Wir hatten ein Superklima in der Truppe, da habe ich vor, während und in der Halbzeit sehr viel an Aufbauarbeit geleistet. Es geht um kleine Momente, in denen die Mannschaft gewisse resignative Züge hat - und dann muß man darauf einwirken. Das geht aber nur, wenn man von den anderen voll akzeptiert wird.
Wo liegen die größten Unterschiede in der Kapitänsrolle zwischen dem FC Bayern und der Nationalmannschaft?
Im Klub können jeden Tag Probleme auftauchen, im Training, im Spiel, im Hotel. Du siehst deine Kollegen täglich. Bei der Nationalmannschaft trifft man sich nur alle vier Wochen oder bei großen Turnieren. Für mich ist die aktuelle Aufgabenverteilung mit Michael Ballack als Kapitän der Nationalmannschaft und mir beim FC Bayern optimal, da sich die Verantwortung so auf mehrere Schultern verteilt.
Sie spielen seit 1994 bei den Bayern - wann wurden Sie ein Teil des Klubs?
Das hat ungefähr zwei, drei Jahre gedauert.
Sind Sie nun eher Münchner, Bayer oder Badener?
Ich fühle mich, denn dort liegen meine Wurzeln, immer noch als Badenser. Aber wenn man über ein Jahrzehnt in München lebt, dann nimmt man einen Teil der Mentalität in sich auf.
Was haben Sie von den Bayern angenommen?
Die Bayern sind sehr selbstbewußt, und die Menschen können sehr rustikal, aber auch herzlich sein. Sie nehmen kein Blatt vor den Mund. Da kann man schon was zu hören bekommen. Ich habe aber auch das Gefühl, daß sie verzeihen können, wenn sie das Gefühl haben, das ist, wie man in Bayern sagt, ein richtiges Mannsbild.
Wie lange wollen Sie noch beim FC Bayern spielen, möchten Sie dort Ihre Karriere beenden?
Ich habe einen Vertrag bis 2006 - was danach kommt, weiß ich noch nicht. Ich bin ein Mensch, der intuitiv entscheidet, und das werde ich auch tun, wenn es soweit ist.
Vor einiger Zeit sah Uli Hoeneß in Ihnen mal den künftigen Manager des FC Bayern. Wollen Sie sich nach der Karriere beim FC Bayern einbinden lassen?
Das ist sicher ein Thema. Aber jetzt bereite ich mich auf die kommenden Aufgaben vor. Die kommende WM wird ein Top-Ereignis und wird alles von uns Spielern abverlangen. Die kommende Saison wird ein hartes Jahr nicht nur für die Spieler, sondern für den gesamten deutschen Fußball, der stark im Fokus stehen wird. Da kann man von mir nicht verlangen, daß ich schon fertige Konzepte für die Zeit danach habe.
Können Sie sich vorstellen, egal, was Sie tun, in München seßhaft zu werden?
Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Ich habe mir in München ein Grundstück gekauft. Das macht man ja nicht einfach so, sondern um sich ein Haus zu bauen und darin seßhaft zu werden.
Das Gespräch führte Michael Horeni.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |