08.01.2006 · Ist die Zeit der Turbulenzen bei Schalke 04 vorbei? Andreas Müller verrät im Interview mit der Sonntagszeitung, wie er den Kult-Manager Assauer beerben will und warum Mirko Slomka der bestmögliche Trainer für den Klub ist.
Ist die Zeit der Turbulenzen bei Schalke 04 vorbei? Andreas Müller verrät im Interview mit der Sonntagszeitung, wie er den Kult-Manager Assauer beerben will.
Der FC Schalke 04 hat unruhige Zeiten hinter sich und vielleicht auch vor sich.
Dagegen tun wir was.
Was tun Sie?
Wichtig ist, daß man auf allen Ebenen richtige Entscheidungen trifft und zu diesen Entscheidungen steht. Ich habe keine Angst davor.
Sie haben sich für Mirko Slomka entschieden, einen Mann, der noch nie eine Profi-Elf trainiert hat. Das hat sogar der neue Trainer als mutig bezeichnet.
Zum jetzigen Zeitpunkt ist das die beste Lösung für Schalke 04. Manche sehen das anders, aber wir können keine Rücksicht darauf nehmen, wie das in der Öffentlichkeit ankommt. Mirko Slomka genießt unser volles Vertrauen. Mit einer sehr guten Rückrunde haben wir alle Möglichkeiten, unser Ziel Champions League wieder zu erreichen. Slomka kennt das Innenleben der Mannschaft, er weiß, wo mögliche Problemfelder liegen. Er ist intelligent und besitzt die nötige Fachkompetenz.
Reicht das?
Entscheidend wird sein, wie er der Mannschaft gegenüber auftritt. Er muß eine klare Ansprache haben. Hätte er nur Schweinfurt 05 trainiert, wäre es zuviel verlangt, mit Schalke Zweiter oder Dritter zu werden. Aber er ist kein Nobody, er hat als Assistent in der Bundesliga die nötigen Erfahrungen gesammelt. Ich bin sicher, daß die Spieler respektvoll mit ihm umgehen. Wenn es darum geht, Konflikte zu lösen, hat er mich an seiner Seite, das wird die Mannschaft spüren.
Das Auffälligste an Slomka war seine Nähe zu Rangnick. Er war nicht wirklich Ihr Wunschkandidat?
Wir haben nur mit einem anderen Trainer gesprochen. Der will aber aus privaten Gründen leider erst im Sommer wieder arbeiten. Sonst hat uns niemand abgesagt, weder Daum noch Gerets noch Stevens.
Aber Ottmar Hitzfeld?
Namen möglicher Gesprächspartner kommentiere ich grundsätzlich nicht.
Der Vertrag des neuen Trainers läuft ein halbes Jahr. Haben Sie jemanden im Auge für den Fall, daß Slomka sich nicht durchsetzt?
Wir sind von ihm überzeugt und sind sicher, daß wir erfolgreich zusammenarbeiten werden. Dann stellt sich diese Frage nicht. Wichtig sind allein das Wohl und der sportliche Erfolg von Schalke 04.
Der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies hat gefordert, daß Sie in sportlichen Fragen künftig allein bestimmen.
Was wird aus Manager Rudi Assauer?
Unser Präsident Gerd Rehberg wird an diesem Sonntag siebzig Jahre alt. Er hat nichts dagegen, nach der Weltmeisterschaft abzutreten, will diesen Zeitpunkt aber selbst bestimmen. Rudi Assauer könnte diesen Posten dann übernehmen. Andererseits hat er auch einen Vertrag als Manager bis 2008. Schlecht ist, daß diese interne Diskussion öffentlich geworden ist.
Soll Assauer zum Frühstückdirektor gemacht werden?
Nein, um Gottes Willen. Er wird nicht nur hier sitzen und Kaffee trinken. Wenn es heißt, er sei entmachtet, ist das völliger Quatsch. Er bleibt das Aushängeschild des FC Schalke. Aber der Aufsichtsrat will einiges umstrukturieren. Dennoch wird Rudi für mich der wichtigste Ansprechpartner bleiben, in welcher Funktion auch immer. Wenn ich einen Rat brauche, bin ich sofort in seinem Büro und frage ihn. Ich werde den Teufel tun, auf seine Erfahrung zu verzichten. Wenn er mit 98 Jahren im Rollstuhl sitzt und noch klar bei Verstand ist, werde ich ihn immer noch um Rat fragen.
Ist es nicht ein schmaler Grat für Sie zwischen dem Anspruch des Aufsichtsrates und der Loyalität gegenüber Assauer?
Es war von Rudi selbst gewünscht, daß ich in der Sportlichen Leitung das Heft nach und nach in die Hand nehme. Er hat immer gesagt: Du übernimmst das mehr und mehr und mehr. Nach fünfeinhalb Jahren bin ich für die Rolle bereit, ohne daß ich den Anspruch stelle, jetzt hier der alleinige Macher zu sein. Das wird es nie geben. Aber es wird sicher von mir erwartet, daß ich Vorschläge bringe und meine Ideen auch durchsetze.
Das ist Ihnen bei der Beförderung Slomkas gelungen. Assauer sagt, er wäre nicht auf diese Idee gekommen. Ärgert Sie das?
Das hätte er nicht unbedingt sagen müssen. Aber er hat im Satz vorher auch gesagt, daß er dieser Idee seine hundertprozentige Zustimmung gegeben hat. Nur steht das dann nicht in der Schlagzeile.
Hat sich Ihr Verhältnis zu Assauer verändert?
Nein. Wir gehen offen und ehrlich miteinander um. Ich bin keiner, der irgend etwas hintenrum macht. Das hat Rudi schon an mir geschätzt, als ich hier noch Mannschaftskapitän war. Wir haben uns schon in vielen Gesprächen die Meinung gegeigt und gehen an bestimmten Punkten auch kritisch miteinander um. Aber wenn er Rückendeckung braucht, stehe ich ihm zur Seite, umgekehrt ist es genauso. Ohne Rudi wäre ich nicht in diese Position gekommen. Dafür bin ich ihm dankbar, aber ich habe mich seit geraumer Zeit freigeschwommen, und wir begegnen uns auf Augenhöhe.
Mit dem Einfluß wächst auch Ihre Verantwortung. Fühlen Sie sich stärker unter Druck als früher?
Natürlich spüre ich die Verantwortung. Dem Druck, etwas Erfolgreiches gestalten zu müssen, bin ich im Verein schon länger ausgesetzt. Im Aufsichtsrat gibt es Leute, die wollen sehen, wie Andreas Müller sich entwickelt hat, ob er es schafft. Die Augen sind künftig noch mehr auf mich gerichtet.
Das Gespräch führte Richard Leipold.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |