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Interview „Das Bundesliga-Training reicht nicht“

24.10.2005 ·  An diesem Dienstag kommt es zum „Krisengipfel“ zwischen Bundestrainer Klinsmann und den Klub-Größen aus der Bundesliga. Dabei wird es auch um die Fitness-Debatte gehen, die im deutschen Fußball entbrannt ist. Bernd Hollerbachs Erkenntnis als Mahnung für Nationalspieler.

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An diesem Dienstag kommt es zum „Krisengipfel“ zwischen Bundestrainer Klinsmann und den Klub-Größen aus der Bundesliga. Dabei wird es auch um die Fitness-Debatte gehen, die im deutschen Fußball entbrannt ist. Bernd Hollerbachs Erkenntnis als Mahnung für Nationalspieler.

Sie sind in Ihrer Zeit als Fußballprofi in Hamburg auch dadurch bekannt geworden, daß Sie für sich einen privaten Fitnesstrainer verpflichtet haben. Was sagen Sie zur aktuellen Debatte um den körperlichen Zustand der Nationalspieler?

Über das Thema braucht man eigentlich nicht zu diskutieren. Daß man als Profi fit sein muß, ist eine Selbstverständlichkeit. Es muß jedem klar sein, daß der Körper das Kapital ist.

Wie war das damals bei Ihnen?

Ich habe beim FC St. Pauli in der zweiten Liga gespielt. Das hat mir irgendwann nicht gereicht, ich wollte in die Bundesliga. Diesem Ziel habe ich alles untergeordnet. Also habe ich mir einen Zweijahresplan gemacht, mein Privatleben umgestellt und einen privaten Fitnesstrainer verpflichtet.

Rainer Sonnenburg, den früheren Zehnkämpfer.

Genau. Der Tag sah dann meist so aus: Morgens das Training im Verein, am Nachmittag mein persönliches Konditions- und Krafttraining.

Hält das ein Fußballprofi aus? Man hat den Eindruck, Bundesligaspieler fühlen sich schnell überlastet.

Ich habe das gut verkraftet. Natürlich muß man entsprechend leben. Man muß sich ausruhen. Irgendwann gewöhnt man sich daran. Das war ein Prozeß, irgendwann war ich topfit, ein anderer Spieler. Fußball macht erst richtig Spaß, wenn man sich wehren kann, wenn man etwas zuzusetzen hat. Außerdem ist man weniger verletzungsanfällig. Ich hatte nie Muskelverletzungen.

Wie ging es weiter?

Dann, beim Hamburger SV, habe ich das Glück gehabt, Felix Magath als Trainer zu haben.

Den angeblichen Schleifer, später "Quälix" genannt.

Diese Bezeichnung ist ein Witz. Aber das ist ja typisch bei uns, wenn da einer kommt, der unangenehm ist, wird er sofort in eine Schublade gesteckt. Man will ja immer den bequemen Weg gehen, in der Bundesliga wie auch in der ganzen Gesellschaft. Ich jedenfalls habe erst durch ihn erfahren, was es heißt, Profi zu sein. Vorher dachte ich, ich bin Profi. Aber ich war es erst dann. Plötzlich spürt man, was der Körper überhaupt leisten kann. Mir war klar, daß Magath sich irgendwann durchsetzt. Er ist ein überragender Trainer.

Wie hoch ist Ihrer Meinung nach der Anteil der Fitness am Leistungsvermögen einer Mannschaft?

Hoch. Im heutigen System ist die Fitness noch viel wichtiger als früher. Alles spielt sich auf zehn, zwanzig Metern ab, da muß man ständig in Bewegung, physisch präsent und aggressiv sein.

Wird in der Bundesliga zuwenig trainiert?

Ich kann und will nicht über andere urteilen. Die Mannschaften, die unter der Woche Spiele haben, sind sowieso ein Sonderfall, da kann man beim Training nicht normale Maßstäbe anlegen.

Auch in den Bundesligaklubs, die nur am Wochenende spielen, wird meist nur einmal am Tag trainiert. Reicht das?

Also, meine Meinung ist: Es reicht nicht. Für mich sind zwei Trainingseinheiten am Tag selbstverständlich. So selbstverständlich, wie andere Menschen acht oder neun Stunden am Tag arbeiten.

Die Fragen stellte Gerd Schneider.

Quelle: F.A.Z. vom 24. Oktober 2005
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