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Interne Ermittlungsprotokolle : Blatter wusste von Schmiergeld aus Qatar

  • -Aktualisiert am

Mohamed Bin Hammam, damals Präsident des Asiatischen Fußballverbands, und Fifa-Präsident Sepp Blatter im Jahr 2010 Bild: Reuters

Der Herausforderer aus Qatar ließ Umschläge mit Bargeld verteilen, doch am Ende gewann Joseph Blatter den Machtkampf um die Spitze des Weltfußballs. Interne Fifa-Protokolle zeigen nun: Blatter wusste, was gespielt wurde – und er wurde mit Samthandschuhen angefasst.

          Der mächtigste Mann der Fifa wusste schon vor dem Bestechungsversuch eines Widersachers im Frühjahr 2011 auf einer Versammlung der karibischen Fußballverbände, dass Geld im Spiel war. Doch wirklich interessiert war er an den korrupten Praktiken nicht. Das zeigt erstmals das Protokoll einer Anhörung von Joseph Blatter im Ethikkomitee des Weltfußballverbands. Es wurde am Freitag vom britischen Nachrichtensender Sky News enthüllt.

          Die Abschrift der bislang geheimen Tonaufnahme dokumentiert, wie zahm die mit der Überführung von korrupten Funktionären beauftragten Ethik-Spezialisten mit dem Fifa-Präsidenten umgingen. Und das, obwohl er beschuldigt worden war, von den Bestechungsversuchen rund um die Kandidatur seines Widersachers Mohamed bin Hammam aus Qatar gewusst zu haben und nichts dagegen unternommen zu haben – ein Verstoß gegen Artikel 14 der Ethik-Regeln des Verbandes, der mit Sanktionen belegt ist.

          Zahme Fragen

          Das Hauptinteresse der Ermittler schien jedoch darin zu bestehen, sicherzustellen, dass sich der Mann an der Spitze der Organisation nicht gekränkt fühlte. „Gibt es es irgendeinen Aspekt in diesem Verfahren heute Nachmittag, mit dem Sie nicht zufrieden sind?”, fragte der Vorsitzende Petrus Damaseb – im Hauptberuf Richter am High Court in Namibia, dem zweithöchsten Gericht des südwestafrikanischen Staates – am Ende der Sitzung. „Sie und die Mitglieder des Komitees haben mich fair behandelt”, antwortete Blatter. „Genau das wollen wir. Respekt. Disziplin und Fair Play.”

          Blatter kam ungeschoren davon. Bin Hammam hingegen wurde gesperrt. Und Jack Warner, der zu den 14 von der amerikanischen Bundesstaatsanwaltschaft in Brooklyn Angeklagten gehört und derzeit auf Kaution in Trinidad auf das Auslieferungsverfahren wartet, trat freiwillig von allen Ämtern zurück.

          Vielsagende Äußerungen

          Das Protokoll der Sitzung ist darüber hinaus zumindest in einem Punkt sehr aussagekräftig. Denn es enthält die Grundsatzerklärung des Wallisers zu seiner Philosophie, die eine Amtszeit heraufbeschwor, die von Anfang an auf Postenschacher, Patronage und Bestechung basierte. Im Zweifel würde er für gar nichts Verantwortung übernehmen. „Das Problem bestand für mich nicht”, sagte er über den Versuch der beiden Vize-Präsidenten bin Hammam und Jack Warner die angereisten Repräsentanten des karibischen Fußballverbandes mit 40.000 Dollar in bar zu schmieren, um ihre Stimmen zu kaufen. Denn: „Das Problem war von anderen verursacht worden.”

          Alles was er tun konnte, habe er getan, als er den redseligen Warner davor warnte, eine außerordentliche Versammlung der Karibik-Verbände einzuberufen. „Als er über den Geldaspekt gesprochen hat, habe ich ihm abermals gesagt: ‘Rede nicht darüber.’”, erklärte Blatter dem Ethik-Komitee. „Danach war für mich die Sache abgeschlossen.”

          Es könnte mit den 10 Millionen Dollar, die die Fifa dem südafrikanischen WM-Organisationskomitee noch vor dem Turnier 2010 abnahm und an einen von Jack Warner verwalteten „Diaspora-Vermächtnis Fonds” in Trinidad zu schicken, ähnlich abgelaufen sein. Denn was die offizielle Erklärung des Verbandes am Dienstag ausdrücklich bestreitet, betrifft interessanterweise nicht den Punkt Mitwisserschaft. Die Stellungnahme spricht nur davon, dass weder „Generalsekretär Jérôme Valcke noch irgendein anderes Mitglied" der Verbandsführung „an der Initiierung, der Bewilligung und Ausführung" der Aktion beteiligt gewesen seien. Was sie wussten und was sie duldeten, blieb offen.

          Forderung nach sofortigem Rücktritt

          Weshalb Blatters Gegenkandidat von 1998 um den Posten des Fifa-Präsidenten, der Schwede Lennart Johansson, am Freitag in Berlin seinen Standpunkt deutlich machte: „Der Generalsekretär hat Millionen nach Amerika geschickt. Und Blatter behauptet, er nichts davon gewusst. Er weiß über alles Bescheid, was passiert. Also glauben Sie das nicht.” Der Schweizer, der am Dienstag ankündigte, seinen Posten aufzugeben, müsse sofort gehen.

          Doch der Hebel für einen forcierten Abtritt fehlt. Davor warnte Michael Hershman am Freitag im amerikanischen Radiosender ESPN warnte. Der Mitgründer von Transparency International, der zwischendurch an Fifa-Reformbemühungen beteiligt war, unterstrich: „Sepp Blatter ist nicht weg. Er ist nicht zurückgetreten. Er ist immer noch im Amt. Er hat noch immer die Macht. Er kontrolliert noch immer die Bücher, das Archiv und die Computer-Dateien der Organisation.” Es sei „möglich, dass er seine Meinung ändert” und am Ende gar nicht zurücktritt.

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