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Internationaler Wettskandal Wetten, dass im Fußball krumme Dinger laufen?

Fußballfunktionäre sprechen gern von bedauerlichen Einzelfällen. Nach den neuen Erkenntnissen von Europol ist jedoch klar: Die Sportart ist in die Fänge der organisierten Kriminalität geraten.

© AFP Vergrößern Ehrlich gewonnen? Die Champions-League-Trophäe im Jahr 2012

Seit mehr als dreißig Jahren arbeitete Ralf Mutschke für das Bundeskriminalamt, bei dem er sich mit dem gesamten Spektrum kriminalistischer Ermittlungsarbeit beschäftigte. Nachdem der erfahrene Aufklärer aus Deutschland im vergangenen Sommer als Sicherheitschef zum Internationalen Fußball-Verband (Fifa) gewechselt war, war schnell klar, welche Problematik in Zukunft vor allem auf ihn zukommen würde. Unlängst berichtete Mutschke von einer brisanten Zusammenkunft, deren Gehalt einmal mehr verdeutlichen sollte, mit welch dunklen Mächten es der moderne, an der Oberfläche so glamouröse Fußball zu tun hat: „Ich habe mich mit einem verurteilten Manipulator informell getroffen. Er sagte mir gerade ins Gesicht: ‚Die organisierte Kriminalität geht raus aus den ursprünglichen kriminellen Tätigkeiten hin zu Spielmanipulation, denn hier besteht ein geringes Risiko, aber sie verspricht hohe Gewinne.‘“

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Die gigantischen Ausmaße der Europol-Untersuchungen, die am Montag in Den Haag von der europäischen Polizeibehörde vorgestellt wurden und Schockwellen ins Fußballgeschäft sandten, bestätigen die Annahmen vieler Experten: Der populärste Sport der Welt wird über Wetten, Spielmanipulationen, Betrügereien sowie auch Erpressung immer stärker durch global agierende Banden unterwandert. Es handelt sich um ein Milliardengeschäft, oft gesteuert von Gangstersyndikaten aus Asien, die streng hierarchisch wie brutale Drogenkartelle funktionieren. Werden neue Skandale aufgedeckt, geben sich die Fußballfunktionäre meist völlig überrascht, um dann sogleich den Eindruck zu erwecken, dass man sich des Themas ab sofort mit „null Toleranz“ annehmen würde.

„Wir befinden uns in einem Krieg“

Doch die Wahrheit sieht anders aus und ist ziemlich niederschmetternd. Verbände und Vereine sind hoffnungslos überfordert, wenig vorbereitet - und darüber hinaus ziemlich naiv. Als im Jahr 2009 die Bochumer Staatsanwälte dabei waren, die kriminellen Netzwerke beim vormaligen Wettskandal in Deutschland zu untersuchen, mokierte sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) über die wichtigste Erkenntnis der Ermittler, dass es sich bei allem wohl nur um die Spitze eines Eisbergs handele. Daran wollten die Fußballfunktionäre nicht glauben. Die aktuellen Europol-Ermittlungen gründen sich zum Teil offenbar auf den Hinweisen der Bochumer Staatsanwaltschaft von damals, die gemeinsam weiterverfolgt wurden. Vor allem geht es den Polizeibehörden diesmal wohl darum, endlich an die Hintermänner zu kommen und die kriminellen Netzwerke aufzudecken. Um welche wirkliche Dimension es geht, erkannte schon Mutschkes Vorgänger als Sicherheitschef bei der Fifa, Chris Eaton. „Wir befinden uns in einem Krieg“, sagte der ehemalige Interpol-Mann. Eaton hielt es bei der Fifa nicht lange aus, auch, weil der Australier spürte, mit der Wichtigkeit der Thematik nicht richtig durchdringen zu können. Der Bundesligaskandal Anfang der Siebziger in Deutschland, in den zahlreiche Spieler, Trainer und Funktionäre verwickelt waren, erscheint im Vergleich zu heute wie ein Kindergeburtstag.

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Veröffentlicht: 05.02.2013, 07:09 Uhr

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