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Veröffentlicht: 05.02.2013, 16:40 Uhr

Internationaler Wettskandal Spielverderber in Singapur

Das Saubermann-Image trügt: Werden Fußballspiele verschoben, laufen die Fäden oft im reichen Stadtstaat zusammen. Für die internationale Wettmafia ist die asiatische Metropole ein attraktiver Standort.

© AFP Wer wird Millionär? Illegale Wetten und Spielmanipulation haben ihre Wurzeln oft in Asien

Als die Fahnder an die Tür klopften, sprang der Buchmacher auf, schnappte sich den Stapel Einzahlungsbelege, schloss sich auf dem Klo ein und versuchte, sie hinabzuspülen. Doch die Agenten der Singapurer Polizei-Spezialeinheit gegen illegale Wetten (Gambling Suppression Branch) waren schneller als der 54 Jahre alte Verdächtige: Sie sicherten einen Packen Quittungen, die verbotene Wetteinnahmen in Höhe von 88.800 Singapur Dollar (52.717 Euro) nachwiesen. Bis zu 200.000 Dollar Strafe und fünf Jahre Gefängnis drohen ihm. Seine Kunden, die Zocker, können zu einem Jahr Haft im Gefängnis Changi verurteilt werden.

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Die Strafen sind hart, die Gefangenen letztlich aber kleine Fische. Denn der reiche Stadtstaat Singapur erweist sich immer mehr als Dreh- und Angelpunkt der weltumspannenden Wettmafia. Die Drahtzieher im größten Wettskandal der Sportgeschichte mit rund 700 unter Manipulationsverdacht stehenden Spielen kommen aus der Tropenmetropole - dies ergibt sich aus den am Montag von Europol veröffentlichten Informationen. Ausgerechnet aus Singapur, das seinen Ruf als Asiens sauberste Stadt mit Klauen und Zähnen verteidigt.

Sportwetten, um Schwarzgeld zu waschen

Es gibt viele Gründe, warum sich illegale Buchmacher ausgerechnet hier niederlassen: Singapur liegt im Herzen der Region, verfügt über nahezu perfekte Flug- und Internetverbindungen, wird immer wieder als Geldwäschezentrum genannt und pflegt gute Verbindungen zu den Reichen in China, Indien und Indonesien. Nicht nur der Kauf von Immobilien oder der Gang ins Casino bieten die Chance, das in den Nachbarländern verdiente Schwarzgeld zu waschen - auch illegale Sportwetten eignen sich dazu. Auch ist das Luxusangebot im Kleinstaat unbegrenzt - und das scheint wichtig für Straftäter im Anzug. Außerdem lieben Asiaten Glücksspiele.

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Asiaten spielen gerne, aber sie dürfen meist nicht. „Eine große Anzahl Asiaten wollen spielen, ihre Regierungen lassen sie nicht, und so hat eine ganze illegale Industrie ein Tabu-Produkt geschaffen. Die Spitzen der Gangs zählen zu den Reichsten Asiens“, erklärt der Spezialist für illegales Glücksspiel Declan Hill. Zwar verfügt Singapur über zwei Luxuscasinos. Während Ausländer dort aber kostenlos Zutritt haben, müssen Singapurer ihren Pass vorzeigen und hundert Singapur-Dollar Eintritt zahlen. Wetten auf Pferderennen oder Fußballspiele können sie nur über die staatliche Wettannahmestelle Singapore Pools abgeben. Dort aber sind die Gewinnaussichten vielen zu gering, auch fehlt der Reiz des Verborgenen. So schätzt eine der staatlichen Zeitungen, dass illegale Syndikate in Singapur während der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 Wetteinnahmen von mehr als einer Milliarde Dollar erzielt haben - mehr als das Doppelte der Einnahmen von Singapore Pools.

Der Weltöffentlichkeit wurde Singapur als Drehkreuz weltumspannender Verbrechersyndikate bekannt, als der Singapurer Wilson Raj Perumal im Februar 2011 der finnischen Polizei ins Netz ging. Er drehte ein viel größeres Rad als die kleinen Buchmacher, die in Singapur regelmäßig auffliegen. Der frühere Amateurfußballer wurde wegen des Kaufens von Spielern in Europa und Afrika zu zwei Jahren Haft verurteilt. Sein Singapurer Kumpan Tan Seet Eng, in der Szene als Dan Tan bekannt, wird von Interpol und in Italien als „Matchfixer“ gesucht.

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