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Internationaler Wettskandal Hoher Profit bei geringem Risiko

 ·  Internationale Verbrecherorganisationen wenden sich vom Drogenhandel ab und dem Wettbetrug zu. Die Ermittler erwarten in Zukunft noch größere Probleme für den Fußball.

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© dpa Vergrößern Schockierende Zahlen: Ein Wettskandal in neuen Dimensionen beschäftigt den internationalen Fußball

Die von der europäischen Polizeibehörde Europol am Montag in Den Haag bekannt gemachten Spielmanipulationen belegen nach Ansicht deutscher Ermittler die internationalen Dimensionen des Wettbetrugs. Nach Angaben von Europol wurden zwischen 2008 und 2011 weltweit 680 Spiele in nationalen und internationalen Fußballwettbewerben manipuliert.

Während Europol-Chef Rob Wainwright davon sprach, diese Zahl stelle wohl nur „die Spitze des Eisbergs“ dar, es sei also von noch weitaus mehr verschobenen Spielen auszugehen, betonten deutsche Ermittler, hierzulande seien derzeit keine weiteren Partien unter Verdacht geraten. „Das ist keine deutsche Geschichte“, sagte der Bochumer Oberstaatsanwalt Norbert Salomon mit Blick auf die Europol-Pressekonferenz.

2009 waren es die Bochumer Ermittler gewesen, die ein kriminelles Netzwerk mit Verbindungen in weiten Teilen Europas ausgehoben hatten. Diese Ermittlungen waren ein Ausgangspunkt der Europoluntersuchungen, als Gemeinsamkeiten bei Untersuchungen verschiedener Polizeibehörden, etwa in Italien, auffällig wurden. Der folgende Europoleinsatz mit dem Codenamen „Operation Veto“ hat ergeben, dass Hintermänner in Singapur ein weltweites Netz zu Drahtziehern in den einzelnen Ländern aufgebaut haben. Mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen hatte Europol keine konkreten Spiele genannt, die unter Verdacht stehen.

Hauptkommissar Friedhelm Althans, Sprecher des Ermittlerteams aus 13 europäischen Ländern und Leiter der Bochumer Ermittlungskommission „Flankengott“, sagte der Deutschen Presseagentur: „Das Problem internationaler Wettbetrug wird immer größer. Internationale Verbrecherbanden wenden sich vom Drogenhandel ab und steigen auf Wettbetrug um. Es gibt hohen Profit bei geringem Risiko.“

Neben dem von Singapur aus operierenden Syndikat seien auch russischsprachige Verbrecherbanden in die Manipulationen involviert. Althans forderte, Wettbetrug „dringend international als organisiertes Verbrechen“ anzuerkennen. Auch eine abgestimmte Gesetzesverschärfung in Europa würde die Arbeit der Ermittlungsbehörden vereinfachen. Althans hatte bereits in der Vergangenheit betont, wie komplex die Wettbetrüger operierten. Es sei nicht ungewöhnlich, wenn für eine Spielmanipulation bis zu fünfzig Leute in zehn verschiedenen Ländern kollaborieren.

Verbände reagieren mit Pressemitteilungen

Von den 680 verdächtigen Spielen wurden rund 300 außerhalb Europas ausgetragen, meist in Asien, Lateinamerika und Afrika. Die afrikanische Fußballunion Caf reagierte mit einer Pressemitteilung auf die Nachrichten aus Den Haag. Man sei bislang nicht offiziell und vollständig darüber informiert worden, dass WM-Qualifikationsspiele in Afrika unter den unter Manipulationsverdacht stehenden Begegnungen seien. Sollte die Caf informiert werden und zuständig sein, würden „angemessene Schritte“ einleiten.

Auch die europäische Fußballunion (Uefa) wollte sich zum Ausmaß der Manipulationen nicht äußern. „Wenn die Details der Ermittlungen der Uefa vorliegen, werden sie von den geeigneten Disziplinargremien überprüft, um die notwendigen Maßnahmen zu treffen“, hieß es aus der Verbandszentrale in Nyon. Laut Europol sind unter den verdächtigen Partien auch zwei Spiele der Champions League, von der eines in den „vergangenen drei oder vier Jahren“ in England ausgetragen worden sei.

„Wir werden das allein nicht schaffen“

Joseph Blatter, Präsident des Internationalen Fußballverbandes (Fifa), forderte die Verbände zur Zusammenarbeit mit der Polizei auf: „Das ist ein großes Thema für den Fußball und die Regierungen, das es zu lösen gilt.“ Fifa-Sicherheitsdirektor Mutschke sagte: „Spiel-Manipulationen sind ein globales Problem und keines, das morgen wieder verschwinden wird. Wir werden das allein nicht schaffen können.“ Von daher müsse „die Kooperation zwischen den Strafverfolgungsbehörden und den Sport-Organisationen verstärkt werden“.

Der Manager der deutschen Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff, sprach von einer schockierenden Nachricht, sollte sich das Ausmaß bestätigen. „Wenn die Zahl echt wäre, wäre es beängstigend“, sagte Bierhoff in Frankfurt.

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