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Inter Mailand Die Dreingabe zahlt sich kräftig aus

20.04.2010 ·  Samuel Eto'o war nur ein Verrechnungsposten im Rekordtransfer von Zlatan Ibrahimovic zum FC Barcelona. Für Inter Mailand hat es sich als ausgezeichnetes Geschäft erwiesen.

Von Tom Mustroph, Mailand
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Er kann es noch. Entschlossen riss sich Samuel Eto'o das Trikot vom Leib und präsentierte seinen muskulösen Oberkörper. Kurz vor Abpfiff hatte der Angreifer in Diensten von Inter Mailand seinen Fuß in eine Flanke von Muntari gehalten und so am Freitagabend das erlösende 2:0 gegen Juventus Turin erzielt. Inter war für zwei Nächte wieder Tabellenführer der italienischen Serie A. Und der Mann aus Kamerun unterstrich mit dem vierten Tor in den letzten vier Spielen seinen Aufwärtstrend.

An diesem Dienstagabend (20:45 Uhr / Liveticker: Champions League) trifft er mit Inter im Halbfinal-Hinspiel der Champions League auf den FC Barcelona, den Titelverteidiger und zugleich Eto'os früheren Klub. Der Neunundzwanzigjährige blickt optimistisch auf das Duell. „Barcelona ist gegenwärtig die stärkste Mannschaft der Welt. Aber selbst wenn alle Welt glaubt, dass Barça nicht zu schlagen ist, so hat jedes Match doch seine eigene Geschichte“, sagte er spanischen Medien. „Wir haben uns verbessert. Wir bereiten diese Begegnung sorgfältig vor. Sie wird mehr mit dem Kopf als mit den Füßen entschieden“, ergänzte er.

Mit der Körperbeherrschung eines Artisten

Das Aufeinandertreffen mit dem FC Barcelona ist der Höhepunkt dieser Saison für den im Sommer von dort gekommenen Torjäger. Denn es bietet ihm die Gelegenheit, Geschichte zu schreiben. Zweimal hat er mit Barcelona die Champions League gewonnen. Dann sah Trainer Pep Guardiola für ihn nur einen Platz auf der Ersatzbank. Enttäuscht wechselte Eto'o zu Inter. Er musste es als Demütigung empfinden, dass er nur eine Dreingabe in dem 50-Millionen-Euro-Transfer des Schweden Zlatan Ibrahimovic von Mailand nach Barcelona war. Jetzt aber kann er Revanche üben.

Genau das erwarten die Fans von Inter Mailand auch von ihm. Sie empfingen den prominenten Zugang mit dem klar formulierten Auftrag: „Hol uns die Champions League!“ Die Aufforderung trägt den Qualitäten des Adressaten Rechnung. Eto'o ist so explosiv wie kaum ein anderer Fußballspieler. Mit kurzen schnellen Schritten verschafft er sich Bewegungsfreiheit. Mit der Körperbeherrschung eines Artisten verarbeitet er auch unkonventionelle Zuspiele. Und mit der kalten Entschlossenheit eines Jägers setzt er die Bälle ins Netz. „Samuel ist der beste Stürmer, den ich je trainiert habe“, sagt sein Trainer José Mourinho über ihn.

Eto'o hat die Bedeutung der Mission begriffen

Die Hoffnung der Tifosi korreliert aber auch mit Eto'os Gehalt. Mit geschätzten 15 Millionen Euro Jahresverdienst führt er unangefochten die Geldrangliste der Serie A an. Mourinho mit rund 11 Millionen und Ronaldinho (AC Mailand) mit 7,5 Millionen liegen deutlich zurück. Der unverhohlene Auftrag an Eto'o spiegelt zudem die in Italien weit verbreitete Neigung wider, in den Meriten der Vergangenheit die Gewähr für zukünftige Erfolge zu sehen.

Ein Jahr vor der Verpflichtung des zweimaligen Champions-League-Gewinners Eto'o sicherte sich Klubbesitzer Massimo Moratti bereits die Dienste Mourinhos, der den Pokal einmal in Händen hielt, 2004 mit dem FC Porto. Dieses Paket soll Inter über das jahrzehntelange Elend im edelsten der europäischen Pokalwettbewerbe hinweghelfen. 45 Jahre liegt der letzte Gewinn des damaligen Europapokals der Landesmeister zurück, eine traumatisch lange Zeitspanne.

Eto'o hat die Bedeutung der Mission augenblicklich begriffen. „Ich will mit Inter alles gewinnen“, versprach er bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in Mailand. Geschickt deutete er sogar die lange Mailänder Durststrecke zu einem hoffnungsvollen Omen um: „Barcelona musste auch lange auf einen Erfolg in der Champions League warten. Das ist ein gutes Motiv, um sich am Ende durchzusetzen.“

Nur mit der Treffsicherheit hapert es noch

Seinen forschen Worten ließ Eto'o schnell Taten folgen. Im ersten Ligaspiel gelang ihm gleich ein Tor. In den folgenden Wochen traf er im Schnitt in jedem zweiten Spiel. Der Africa Cup brachte ihn jedoch aus dem Rhythmus. Frustriert und außer Form kehrte er von der Nationalmannschaft zurück. Danach imponierte, wie er sich durchbiss. Er murrte nicht, als Mourinho ihn zunächst nur auf der Bank Platz nehmen ließ. Klaglos verausgabte er sich im Forechecking, als seine Kraft für erfolgreiche Offensivaktionen noch nicht ausreichte.

Inzwischen stimmt seine körperliche Verfassung wieder. Dutzendfach setzt er seine gefürchteten Kurzsprints an. Nur mit der Treffsicherheit hapert es noch. Eto'o lässt weiter ein, zwei Großchancen pro Spiel aus. Aber wenn jeder dritte Versuch sitzt, ist die Quote auch in Ordnung. Ob Barcelona ihm so viel Übungsmöglichkeiten gewährt, ist fraglich. Trösten kann er sich aber damit, dass er das Spiel bei Inter wesentlich stärker prägt, als dies seinem Pendant Ibrahimovic bei Barça gelingt. Insofern hat sich die einstige Beigabe beim zweitteuersten Transfer der Fußballgeschichte schon jetzt als Volltreffer auf dem Rasen herausgestellt.

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