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Im Gespräch: Torjäger Thurk „Mit Haller kann ich mich nicht vergleichen“

10.02.2010 ·  Heute abend von 19 Uhr an könnte Michael Thurk im Pokal-Viertelfinale seines FC Augsburg gegen den 1. FC Köln zum Pokalhelden werden. Im Interview spricht der Torjäger des Zweitligadritten über WM-Chancen, Altersweisheit vor dem Tor und das Augsburger Fußballidol.

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Heute abend von 19 Uhr an könnte Michael Thurk im Pokal-Viertelfinale seines FC Augsburg gegen den 1. FC Köln zum Pokalhelden werden. Denn Thurk ist der Mann mit der Torgarantie. Der einst bei Mainz 05 und Eintracht Frankfurt in der Bundesliga aktive Stürmer traf in dieser Spielzeit in fast jedem Liga- und Pokalspiel für den derzeit auf Rang drei plazierten Zweitligaklub. Im Interview spricht er über WM-Chancen, Altersweisheit vor dem Tor und das Augsburger Fußballidol Helmut Haller.

Vor einer Woche hat der Bielefelder Trainer Thomas Gerstner nach Ihren beiden spielentscheidenden Toren gegen sein Team Bundestrainer Joachim Löw empfohlen, Sie mit zur WM nach Südafrika zu nehmen. Ist da ein Pokal-Viertelfinale gegen den 1. FC Köln für Sie überhaupt noch ein besonderer Ansporn?

Ich habe diese Worte von Gerstner als ein Riesenlob eines gegnerischen Trainers empfunden. Das hat mich sehr gefreut. Aber ich habe das natürlich nicht so ernst genommen, dass ich nun auf eine Nominierung für die Nationalmannschaft hoffen würde. Das ist für mich kein realistisches Thema. Selbst ein Stefan Kießling als bester Torjäger der Bundesliga muss um die WM bangen und Kevin Kuranyi darf auch nicht mit. Da habe ich als Zweitliga-Toptorjäger nichts zu melden.

Aber Sie haben ja auch schon in der Bundesliga bei Mainz 05 ihre Qualitäten bewiesen.

Ja, auch damals gab es mal eine Zeit, wo ich für die Nationalmannschaft ins Gespräch gebracht wurde. Man kann das selbst ja nicht verhindern, aber auch damals habe ich das nie als realistisch angesehen.

Es ist aber nun ja erstaunlich, dass Sie mit 33 Jahren so treffsicher sind wie noch nie. Sie machen im Schnitt in jedem Spiel ein Tor, 19 Stück bei 20 Zweitligaspielen, zwei Tore in zwei Pokalspielen. Macht Sie das Alter gefährlicher?

Ich habe im Moment einfach riesigen Spaß am Fußballspielen. Wir haben eine Supermannschaft, einen Supertrainer. Und sicher hat mein guter Lauf was mit dem Alter zu tun. Ich mache mir nicht mehr den Kopf, wenn ich mal eine Chance vergebe. Ich weiß mittlerweile, dass ich eine neue Chance bekomme und die dann eben reinmache. Man wird mit dem Alter eben einfach abgeklärter.

Sind Sie mit dem Alter auch egoistischer geworden? Anders als früher haben Sie keine Vorlagen auf dem Scorer-Konto.

Dass ich keine Assists stehen habe, ist reiner Zufall. Ich habe schon sehr viele Bälle für Mitspieler aufgelegt. Aber ich kann ja nichts dafür, wenn die Jungs den Ball dann nicht reinmachen.

Deshalb müssen Sie immer wieder ran?

Natürlich schieße ich gerne Tore. Aber ehrlich gesagt ist es mir völlig egal, wer trifft, wenn wir gewinnen.

Wäre es Ihnen dann auch egal, wenn Sie heute abend gegen Köln einen Doppelpack schafften? Das gelang Ihnen mit Mainz immerhin zweimal.

Wenn wir dann gewinnen, wäre das tatsächlich sehr schön. Einer der beiden Doppelpacks gegen Köln hat übrigens eine ganz nette Seite: Damals war unser heutiger Augsburger Manager Andreas Rettig noch für Köln tätig. Da ziehe ich ihn immer mal wieder gerne mit auf, er erinnert sich nicht so gern an die damalige 1:4-Niederlage mit Köln gegen Mainz.

So gut wie im Moment stand Augsburg schon seit 40 Jahren nicht mehr im Fußball da. Merkt man das in der Stadt?

Auf jeden Fall. Heute abend wird unser neues Stadion mit über 30.660 Zuschauern erstmals bei einem Spiel von uns ausverkauft sein. Die Leute fiebern nach den vielen Jahren im Amateurfußball derzeit richtig mit. Das ist eine Superchance, um hier was Tolles aufzubauen. Das erinnert mich an meine Mainzer Zeit, wo wir lange Jahre auch kaum Zuschauer hatten und plötzlich ein Boom da war.

Bislang brachte man Augsburg im Fußball fast nur mit dem Namen des einstigen Nationalspielers Helmut Haller in Verbindung. Träumen Sie davon, als derzeit bester Mann mal in dessen Fußstapfen treten zu können?

Langsam: Helmut Haller, den ich in Augsburg schon kennenlernen durfte im Stadion und beim Italiener, war ein Weltklassefußballer, mit dem ich mich nicht vergleichen kann. Aber ich hoffe, dass ich hier ein bisschen was im Augsburger Fußball mitgestalten kann. Deshalb habe ich frühzeitig hier verlängert.

Wäre Ihnen beim Mitgestalten ein Einzug ins Halbfinale oder gar ins Finale des Pokals lieber als der Bundesligaaufstieg?

Heute hat das Pokalspiel gegen Köln Priorität. Dann kommt wieder der Kampf um den Aufstieg. Ich glaube nicht, dass uns der Pokal da irgendwie stören kann. Wir haben nämlich einen ausgeglichenen Kader, der die Doppelbelastung auffängt.

Das Gespräch führte Daniel Meuren.

Quelle: FAZ.NET
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