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Im Gespräch: Nationaltorwart Neuer „Zu null, das muss unsere WM-Grundlage sein“

Nationaltorwart Manuel Neuer spricht vor dem Länderspiel gegen Chile an diesem Abend über sein neues Offensivspiel, die Bayern-Überlegenheit und den Erwartungsdruck.

© REUTERS Vergrößern Fliegender Torwart: „Ich mache keine Parade, wenn ich sie nicht machen muss“

Der Münchner Torhüter Manuel Neuer fühlt sich besser als in der vergangenen Saison, weil er besser ins Spiel eingebunden ist. Den Länderspielgegner an diesem Mittwoch (20.45 live im Länderspielticker bei FAZNET und in der ARD) hält er für furchtlos.

Für manche Leute gehören auch Sie zu den Nationalspielern, denen es an Spielpraxis fehlt – weil Sie bei den Bayern so wenig zu tun bekämen.

Diese Behauptung ist schlicht und einfach falsch.

Sie fühlen sich also nicht unausgelastet in dieser Saison?

Auf gar keinen Fall, überhaupt nicht. Ich werde jetzt viel stärker in das Spiel miteinbezogen. Das ist ein großer Unterschied zur vergangenen Saison. Ich denke, dass ich pro Spiel zehn bis zwanzig Ballkontakte mehr habe. Ich bin dadurch viel besser im Spiel. Wenn ich in der letzten Saison in der sechzigsten oder siebzigsten Minute eine Großchance gegen mich hatte, war es für mich schwieriger, diese Bälle zu halten als heute. Weil ich stärker ins Spiel eingebunden bin, entsteht bei mir ein besseres Gefühl. Das hilft.

Täuscht der Eindruck, dass Sie in dieser Saison noch weiter vor dem Strafraum agieren?

Ich wollte schon immer so spielen. Dass ich jetzt so spiele, hängt auch damit zusammen, wie sich die Mitspieler anbieten, wie sie sich auf dem Spielfeld positionieren. In der letzten Saison haben wir mehr hohe Bälle in Richtung Mandzukic und Thomas Müller gespielt. Jetzt versuchen wir das Spiel über die Innenverteidiger oder die Sechser aufzuziehen. So spielen wir mehr Pässe in den eigenen Reihen. Die Spieler zeigen sich häufiger, dadurch habe ich bessere Anspielmöglichkeiten – und deswegen bin ich nicht mehr nur im Sechzehnmeterraum. Oder eine andere Situation: Wenn wir eine Ecke bekommen und kein gegnerischer Stürmer vorne ist, oder wir in Überzahl gegen ihn stehen, dann kann auch ich weiter vorrücken. Wenn dann der lange Ball vom Gegner kommt, kann ich mich in Richtung Mittelkreis bewegen. So bekommen wir den Ball schneller zurück und haben auch mehr Zeit, um selbst ein sicheres Aufbauspiel aufzuziehen.

Bayern Munich's goalkeeper Neuer smiles during a news conference at a hotel in London Der Torwart der Bayern will den Stürmern zeigen: „Deine Bälle sind zu einfach für mich“ © REUTERS Bilderstrecke 

Die klassische Torhüter-Aufgabe, Bälle abwehren, dürfte weniger geworden sein.

Nicht weniger als vielleicht in der letzten Saison, da hat sich kaum etwas geändert. Aber es stimmt schon, dass die reinen Torwartaktionen nicht immer so da sind. Ich habe jetzt verstärkt andere Dinge zu tun, nicht nur solche, wie das früher im Torwartspiel der Fall war. Mein Gefühl auf dem Platz, das ich beschrieben habe, ist wirklich besser geworden, ich fühle mich viel wohler. Ich bin zwar nicht richtig sauer, wenn ich im Spiel jetzt mal zehn oder fünfzehn Minuten keinen Ballkontakt habe. Aber anders ist es schon besser. Ich möchte angespielt werden. Ich möchte helfen. Ich will beteiligt sein.

Sie würden also nicht von einer intensiven Trainingseinheit oder einem Spiel in der zweiten Mannschaft mehr profitieren als bei einem 4:0 gegen Hannover oder Frankfurt?

Nein, auch wenn es wichtig ist, im Training gefordert zu werden. Und wer mein Spiel kennt, weiß auch, dass ich versuche, bevor es zu einer gefährlichen Situation kommt, diese zu entschärfen. Dass es sich dabei um die Abwehr einer Großchance handelt, wird von vielen nicht erkannt.

Haben Sie auch als Torwart von Trainer Guardiola profitiert, obwohl der ja nun kein ausgewiesener Torwarttrainer ist?

Ja, wobei das Aufbauspiel der Kernpunkt ist. Ich spiele jetzt offensiv. Das habe ich früher auch schon gemacht, aber damit stand ich sozusagen alleine. Jetzt geschieht das in Verbindung mit der Verteidigung. Wir machen das zusammen, wir sind da ein Team. Meine Mitspieler wissen jetzt, dass ich da bin. Es ist gut, dass wir dieses Vertrauensverhältnis haben, dadurch entsteht Ruhe in der Defensive. Wenn wir in Ballbesitz sind, können wir mit mehr Selbstvertrauen spielen und aufbauen.

Es sah so aus, als hätten Sie sich am Sonntag über das Eigentor von Rafinha gegen Schalke selbst beim Stand von 4:1 noch richtig ärgern können.

Vermeidbare Fehler darf man nicht einfach so hinnehmen – unabhängig vom Spielstand. Das kann auch in der zehnten Minute gegen Arsenal passieren. Ich weiß, woran es gelegen hat. Und Rafinha weiß auch, dass er nichts dafür kann. Das Tor hätte nach der Ecke verhindert werden können.

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