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Im Gespräch: Jonathan Hill „Das ist kein Freundschaftsspiel“

18.11.2008 ·  Ein englischer Deutschland-Liebhaber fiebert dem Fußballduell entgegen: Einst hat Jonathan Hill in Deutschland studiert und für einen kleinen Stuttgarter Verein Tore geschossen. Heute gehört er zu den wichtigsten Funktionären im englischen Fußball.

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Einst hat er in Deutschland Germanistik studiert und für einen kleinen Stuttgarter Verein in der Bezirksliga Tore geschossen. Heute gehört der 45 Jahre alte Jonathan Hill zu den wichtigsten Funktionären im englischen Fußball - als Commercial Director der Football Association. Dem Spiel am Mittwoch fiebert der Deutschland-Liebhaber besonders entgegen.

Im FAZ.NET-Gespräch spricht er über seinen großen Tag beim ASV Botnang und das Schöne an der Rivalität zwischen Deutschland und England.

Welche Beziehung haben Sie zum deutschen Fußball?

Der deutsche Fußball hat einen besonderen Platz in meinem Herzen. Ich habe zwei Jahre für den ASV Botnang gespielt - Bezirksliga, Staffel B. Ich erinnere mich genau. Das ist 22 Jahre her.

Prallen da zwei Fußballkulturen aufeinander?

Die Begeisterung für den Fußball ist auf beiden Seiten gleich groß. Die größten Unterschiede sind wohl der Standard der Plätze im Amateurfußball und die Organisation des Spielbetriebs. Ich war davon angetan, dass jedes Dorf einen Rasenplatz oder zumindest Hartplatz hatte - dazu dann noch ein Vereinsheim mit Umkleidekabinen, Duschen und Kneipe. Ich erinnere mich noch gerne an die Runden am Stammtisch. In England treffen sich die Mannschaften meistens an Orten, wo zwanzig oder dreißig Spielfelder nebeneinander liegen - ohne Möglichkeiten zum Umziehen oder Duschen. Aber wir werden besser.

Welche fußballerische Erfahrung haben Sie gemacht in Ihrem Stuttgarter Verein?

Ich bin sehr freundlich aufgenommen worden. Mein stolzester Moment war, als ich in einem Spiel sechs Tore erzielt hatte und die „Stuttgarter Nachrichten“ auf einer Fußballseite titelte: „Der Tag des Jonathan Hill“. Und weiter hieß es: „Er ist mit englischem Fußballverstand ausgestattet, den man heutzutage nicht überall findet.“ Das sind doch schöne Worte in einer deutschen Zeitung über einen englischen Fußballer.

Viele Engländer reden noch sehnsüchtig über den 5:1-Sieg gegen Deutschland in der WM-Qualifikation 2001 in München.

Das war ein großer Moment für uns, weil er so unerwartet kam. Diesem am nächsten kommt das 4:1 in Kroatien vor ein paar Wochen, das ebenso überraschend war. Die Fußballrivalität zwischen England und Deutschland ist stark und intensiv, aber doch positiv. Sie gründet sich auf so viele tolle Spiele in der Vergangenheit.

Wie sehen Sie das Freundschaftsspiel am Mittwoch?

Ich mag den Ausdruck „Freundschaftsspiel“ nicht. Diese Partien sollten ihren Wettkampfcharakter haben. Wir verwenden bei uns den Begriff der internationalen Spiele. Diese Partie am Mittwoch ist das Rückspiel vom August 2007, als Deutschland als erste europäische Nationalelf im neuen Wembleystadion antrat und gewann. Ich war jetzt sehr stolz, als ich hörte, dass diese Begegnung in diesem phantastischen Berliner Stadion stattfinden würde. 7700 Fans aus England werden mitkommen, und zu Hause sitzen bestimmt neun bis zehn Millionen vor den Fernsehern. Das könnte eine der höchsten Raten werden für solche Spiele. Den absoluten TV-Rekord hält ein Turnierspiel bei der WM 1990 in Italien mit 26 Millionen Zuschauern - natürlich gegen Deutschland im Halbfinale.

Gibt es noch Vorbehalte in England gegen den Italiener Fabio Capello als Nationaltrainer?

Wir leben in einer globalen Welt. Unser Nationalstadion in Wembley ist von Australiern gebaut und Deutschen finanziert worden. Das müssen wir akzeptieren. Nachdem wir uns nicht für die EM 2008 qualifiziert hatten, wussten wir, dass dies nicht noch einmal passieren dürfte. Die Ergebnisse zeigen doch, dass Fabio Capello die richtige Wahl war. Er ist sehr zielstrebig, sehr professionell und detailversessen. Er hat eine sehr klare Vorstellung über die Beziehung zwischen ihm und den Spielern. Er ist der Trainer, und die Spieler arbeiten für ihn. Es wird härter trainiert als zuvor. Die Spieler mögen und respektieren das. Das ist seine Philosophie.

Das Gespräch führte Michael Ashelm.

Quelle: F.A.S.
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