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Im Gespräch: Delron Buckley „Fußball galt immer als Sport für die Schwarzen“

14.06.2009 ·  Den Confederation Cup erlebt der südafrikanische Bundesligaspieler Delron Buckley am Fernseher. Der Trainer der Südafrikaner setzt ein Jahr vor dem WM-Beginn auf junge Spieler - Buckley hofft dennoch auf seine Chance 2010.

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Den Confederation Cup erlebt Delron Buckley am Fernseher. Der Trainer der Südafrikaner setzt ein Jahr vor dem WM-Beginn auf junge Spieler - Buckley hofft dennoch auf seine Chance 2010. Im Interview spricht Buckley über Bafana, Bafana, Nelson Mandela und die Veränderungen, die der Fußball Südafrika bringt.

Was bedeutet Ihnen Nelson Mandela, der ehemalige Präsident Südafrikas?

Für mich ist dieser Mann ein großer Held. Niemand kann sich vorstellen, was er durchgemacht hat. Es gibt nicht viele Leute, die seine Stärke haben. Es ist unglaublich, was er für das Land getan hat, wie viel er für die Zusammenführung von Weißen und Schwarzen gemacht hat. Ich habe ihn viermal getroffen. Besonders in Erinnerung ist mir ein Treffen vor der WM 1998 in Frankreich geblieben. Er hat die Nationalmannschaft zu seinem Haus nach Pretoria eingeladen. Wir haben mit ihm geredet, Fotos gemacht. Zu Hause bei mir hängt ein Bild, auf dem ich ihn umarme.

Sie waren viele Jahre fester Bestandteil der Nationalmannschaft Ihres Landes. Was bedeutet Fußball für die Bevölkerung?

Es ist eine der größten Sportarten im Land, nur bekommen wir die Stadien nicht voll. Der Fußball galt immer als Sport für die Schwarzen, für die ärmeren Leute, die sich ein Ticket kaum leisten können. Die Weißen interessieren sich mehr für Rugby und Cricket. Ganz besonders auffällig war das immer dann, wenn die Nationalmannschaft gespielt hat – da waren beinahe nur Schwarze unter den Zuschauern. Nur wenn es um den Afrika-Cup oder die WM geht, dann sind alle dabei.

Wie verändert sich Südafrika gerade?

Durch den Bau der Stadien sind viele Arbeitsplätze entstanden, das war gut für die Wirtschaft des Landes. In Europa wird immer über die Gewalt in Südafrika gesprochen, und natürlich ist das dort ein Problem. Aber ich glaube, es wird vorbei sein, wenn die WM anfängt. Die Atmosphäre vor Ort wird eine ganz andere sein: freundlich, aufgeregt – Kriminalität wird vorerst keine Rolle spielen. Die Leute warten darauf, dass alles beginnt – und ich bin mir sicher, dass wir eine wunderbare Weltmeisterschaft erleben werden.

Beim Confederation Cup werden Sie nicht dabei sein. Sind Sie enttäuscht darüber?

Nicht enttäuscht, eher überrascht. Ich wurde genauso wenig nominiert wie andere Spieler, die in Europa spielen. Der Trainer versucht eine jüngere Mannschaft aufzubauen, und deshalb nutzt er diese Spiele, um etwas zu testen. Ich hoffe, dass es klappt, was er da macht. Wir haben die WM in Südafrika, und ich möchte nicht, dass es eine Blamage wird. Wir müssen uns als Nationalmannschaft gut präsentieren, aber der Trainer wird wissen, was er macht. Als klar war, dass die WM nach Südafrika kommt, war es mein Traum, dabei zu sein. Dafür werde ich weiter kämpfen. Es ist schließlich die erste Weltmeisterschaft in Afrika überhaupt.

Was bedeutet die Nationalmannschaft für Sie?

Sehr viel, sie ist ein Teil meines Landes. Ich erinnere mich noch genau an mein ersten Länderspiel. Ich war 18 Jahre alt, wir haben gegen Sambia gespielt. Als ich eingewechselt wurde, haben wir 0:1 zurück gelegen, dann habe ich den Ausgleich vorbereitet.

In Südafrika wurde lange unterschieden zwischen der weißen und schwarzen Bevölkerung. Haben Sie das auch gespürt?

Ich war sieben Jahre alt, als ich das erste Mal in einem Verein spielte: Mandene Park, das war während der Apartheid ein weißer Verein. Ich war der einzige dunkelhäutige Spieler dort, aber es gab keine Probleme. Wir waren alle junge Kerle, wir haben keine Unterschiede gemacht zwischen den Hautfarben, das war eine Sache der älteren Leute. Ich habe nichts mitbekommen von der Apartheid. Erst später haben mir meine Eltern davon erzählt und mir erklärt, warum wir an manche Orte nicht gehen durften. Ich bin in diesem Verein geblieben, bis ich vierzehn Jahre alt war. Ich hatte dort eine tolle Zeit, habe viele Pokale gewonnen und Freunde gefunden. Bis heute habe ich Kontakt zu meinem ersten Trainer.

Sie waren 16 Jahre alt, als Sie allein nach Deutschland gekommen sind. Wie hat der VfL Bochum Sie entdeckt?

Eigentlich wollte ich nach England gehen. Zu Hause in Durban haben wir immer die Premier League gesehen, ich war ein großer Fan von Manchester United. Aber von dort gab es keine Angebote für mich. Dann ist ein Spielervermittler auf mich aufmerksam geworden und hat mir Probetrainings bei verschiedenen Vereinen vermittelt. Ich war bei Bayern München, bei Schalke 04, bei Rot-Weiß Essen und schließlich beim VfL Bochum. Dort wollte man mich schon nach dem ersten Tag behalten, von den anderen drei Vereinen habe ich nie wieder etwas gehört. Meine Berater haben mir gesagt, dass ich zu teuer wäre. Aber man weiß nie, was die Wahrheit war.

Wie haben Sie die erste Zeit in Deutschland erlebt?

Für mich war das ein großer Schritt. Anfangs konnte ich kaum etwas verstehen und musste mich an die deutsche Mentalität gewöhnen. Für uns Afrikaner ist alles „easy going“ – in Deutschland aber kommt es viel mehr auf Disziplin an. Ich habe in Bochum bei einer deutschen Familie gewohnt, sie hat mir sehr geholfen. Trotzdem waren die ersten beiden Jahre in Deutschland wirklich hart für mich – ich wollte eigentlich nur zurück nach Hause. Immer wenn ich mit meiner Mutter in Südafrika telefoniert habe, musste ich weinen. Aber sie sagte immer: „Du musst bleiben, wenn du deinen Traum erfüllen möchtest.“ Das habe ich gemacht, und es hat sich gelohnt.

Sie waren bis zuletzt in Mainz unter Vertrag. Wie sehr verfolgt Ihr Nationaltrainer die südafrikanischen Profis, die in Europa spielen?

Er schaut sich die Spiele leider nicht vor Ort an, er guckt nur im Internet auf die Statistik. Das ist sehr schade, weil sehr viele Südafrikaner in Europa spielen.

Das Gespräch führte Michael Wittershagen.

Quelle: F.A.Z.
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