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Im Gespräch: Bundestrainer Löw „Wir werden auf keinen Fall bremsen“

04.06.2010 ·  Nach dem 3:1-Sieg gegen Bosnien-Hercegovina fliegt die deutsche Fußball-Nationalelf mit einem guten Gefühl zur WM. Zuvor spricht Bundestrainer Löw über Klose und Cacau, über Mertesacker und Friedrich sowie über Schweinsteiger und Khedira.

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Joachim Löw wollte zum Ende der dreiwöchigen WM-Vorbereitung der deutschen Fußball-Nationalmannschaft einen echten Härtetest - den bekam der Bundestrainer beim 3:1 gegen Bosnien-Hercegovina. Nun spricht Löw vor dem Abflug nach Südafrika am Sonntag über Klose und Cacau, über Schweinsteiger und Khedira sowie über Mertesacker und Friedrich.

Wie ordnen Sie den letzten Test ein?

Wir haben mit viel Leidenschaft und vor allem in der zweiten Halbzeit mit enorm viel Druck gespielt. Wir hatten schon in der ersten Hälfte drei, vier große Möglichkeiten. Aber nach der Pause waren wir fast nicht mehr aufzuhalten im Spiel nach vorne. Vor allem war viel mehr Bewegung im Spiel ohne Ball. Da war es zwangläufig, dass wir zu Chancen kamen und die Tore erzielt haben.

Wie sehen Sie die drei Wochen Vorbereitung insgesamt?

Das war schon sehr intensiv. Das ist für ein junges Team besonders wichtig. Die jungen Spieler finden sich immer besser zurecht. Sie haben zwar wenig Erfahrung, aber sie haben eine Qualität. Nach drei Wochen kann ich sagen: Okay, wir sind gut vorbereitet. Aber wir starten erst nächsten Sonntag ins Turnier. Wir haben noch harte Arbeit vor uns. Natürlich war es wichtig, dass wir jetzt mit einem Sieg und einem guten Gefühl nach Südafrika gehen.

Sehen Sie Thomas Müller und Cacau nach ihren guten Leistungen noch weiter als Einwechselspieler?

Wir brauchen Spieler, die reinkommen und dann für viel Wind sorgen können, die sofort im Spiel sind. Müller und Cacau waren sofort präsent, hatten viele gute Aktionen. Vor der WM von einer Stammformation zu reden, da tue ich mich schwer. Das entwickelt sich auch im Verlaufe eines Turniers. Cacau hatte eine gute Vorbereitung, er hat auch einen guten Rhythmus aus der Bundesliga mitgebracht.

Haben sich gegen Bosnien-Hercegovina für Sie einige Fragen gelöst?

Es gab auch in diesem Spiel die Möglichkeit, ein paar Dinge zu testen und Eindrücke von einzelnen Spielern zu sammeln. Holger Badstuber hat vielleicht in der Anfangsphase etwas gebraucht, aber es war sein erstes Spiel von Anfang an. Er hat sich aber sehr gesteigert und in der zweiten Halbzeit auf der linken Seite alle Zweikämpfe gewonnen. Das ist auch seine Stärke, defensiv gut zuzumachen. Am Spiel nach vorn muss man sicherlich noch arbeiten. Aber seinen Einsatz sehe ich absolut positiv.

Große Probleme hat weiter Miroslav Klose. Muss er um seinen Stammplatz fürchten?

Da hab ich jetzt auch nicht erwartet, dass es innerhalb von drei, vier Tagen die absolute Leistungs-Explosion gibt. Es war mir klar, dass Miro einfach noch die nächsten Tage braucht, um an seiner Form zu arbeiten. Selbstverständlich ist der Miro ein wertvoller Spieler. Aber man hat jetzt auch gemerkt, dass die Spielpraxis für ihn enorm wichtig ist. Er wird beim Turnier zeigen, was er kann.

Schweinsteiger und Khedira haben erstmals zusammen in der Mittelfeld- Zentrale gespielt. Wie hat es Ihnen gefallen?

Das hat mir gut gefallen. In der Feinabstimmung wird noch weiter gearbeitet. Aber die Rollenverteilung hat mir gut gefallen, weil Khedira seine Position nutzt, immer wieder dynamisch nach vorne zu gehen. Er kam zum Abschluss, war zugleich aber kurz danach wieder auf seiner Position. Das ist Laufstärke, das ist gut. Schweinsteiger arbeitet mittlerweile auch defensiv sehr gut, in der Organisation. Er übernimmt Verantwortung, kann auch in der Offensive Akzente setzen.

Müssen Sie die junge Mannschaft in ihrem Spiel-Elan vielleicht sogar bremsen?

Auf keinen Fall bremsen. Wir müssen in der Defensive noch kompakter arbeiten. Aber wir wollen Fußball spielen und nicht Fußball verwalten. Tempo nach vorne, Kombinationen - das ist international auf hohem Niveau gefragt. Wer glaubt, dass man nur über Defensive Titel gewinnen kann, der täuscht sich.

Haben die Spieler jetzt zwei Tage absolut frei?

Die Spieler haben auch eine Aufgabe für diese zwei Tage. Freitag können sie mal eine Pause machen, sie müssen etwas Energie und Kraft tanken. So eine kleine Pause haben sie jetzt einfach auch verdient. Samstag ist dann wieder ein Training in Eigenverantwortung angesetzt. Drei Tage ohne Training wären in dieser Phase auch nicht gut. Montag geht es dann richtig weiter.

Werden Sie es schaffen, in den zwei Tagen mal völlig abzuschalten?

Nein, das schaffe ich nicht ganz. Man denkt immer schon voraus an den nächsten Tag, an die nächsten Aufgaben, Inhalte und Gespräche. Jetzt muss ich das Spiel nochmals in Ruhe anschauen und aufarbeiten. Den Samstag werde ich nutzen, meine Sachen zu packen und noch mal ein bisschen Ruhe zu genießen.

In der Innenverteidigung wechselt ein Trainer nicht so gern. Werden Sie also mit Mertesacker und Friedrich ins Turnier gehen?

Ja, das stimmt. Das ist schon eine zentrale Position, die letzte Reihe. Arne Friedrich hat mich in der Vorbereitung einfach überzeugt durch Schnelligkeit, Konzentration. Vor allem auch, weil er sich exponiert hat als erfahrener Spieler. Er redet viel, gibt Anweisungen, ist laut.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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