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Ibrahimovics Fallrückzieher : Der Fuß Gottes

Das frechste Tor des Vierteljahrhunderts: Zlatan Ibrahimovics Fallrückzieher gegen England Bild: WITTERS

Ibrahimovic weiß, wo das Tor ist, auch wenn es hinter seinem Rücken und 25 Meter entfernt steht: das frechste, unglaublichste, akrobatischste, unverschämteste Tor – mindestens des Vierteljahrhunderts.

          Klaus Fischer kann froh sein, das Zlatan Ibrahimovic Schwede ist und nicht Deutscher, denn sonst wäre er jetzt einen Titel los. Fischer, der Vater aller Fallrückzieher in Deutschland, traf mit seiner Spezialität am 16. November 1977 im Länderspiel gegen die Schweiz, was dem damaligen Schalker – der Popularität von Fernsehabstimmungen sei Dank – gleich fünf Auszeichnungen einbrachte: Tor des Monats, des Jahres, des Jahrzehnts, die Vierteljahrhunderts, des Jahrhunderts. Die letzte Auszeichnung hätte am Mittwochabend anderweitig vergeben werden müssen, eben an Ibrahimovic. Der traf beim 4:2 gegen England so spektakulär, dass die Zeit für weitere Ehrungen gekommen schien: das frechste, unglaublichste, akrobatischste, unverschämteste Tor – mindestens des Vierteljahrhunderts.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der über 1,90 Meter große Stürmer traf gegen die Engländer viermal, Tor Nummer vier in der 90. Minute unterschied sich deutlich von den schönsten Fallrückziehern der vergangenen Jahre. Ob Eren Derdiyok in der Bundesliga für Leverkusen gegen den VfL Wolfsburg oder Wayne Rooney in der Premier League für Manchester United gegen Manchester City – beide trafen von halblinks und nicht allzu weit entfernt vom Fünfmeterraum. Das war auch damals bei Fischer so. Drei Treffer aus ähnlicher Position, innerhalb eines Radius von vier, fünf Meter.

          Die Koordinaten bei Ibrahimovic: halbrechts, ungefähr fünfundzwanzig Meter. Ein Treffer mit Wirkung: „Zlatan katapultiert sich in die vierte Dimension“, schrieb „L‘Equipe“ aus Frankreich. Die „Kronen-Zeitung“ in Österreich sah „ein Wundertor“, die spanische Zeitung „El Periodico“ formulierte diesen Satz: „Der stratosphärische Fallrückzieher war eines der schönsten Tore der Fußballgeschichte.“ Mit mehr Mut zum Wortspiel kamen auch Formulierungen wie „Ibrahimagisch“ (nochmal „L‘Equipe“) oder „Ibracadabra“ („Daily Mirror“) ins Spiel.

          Steven Gerrard ist kein Sportjournalist, sondern englischer Nationalspieler, er war in der Nähe, als Ibrahimovic seinen magischen Moment hatte. Gerrard sagte: „Das war eines der schönsten Tore, die ich je gesehen habe.“ Dass auch dieser Satz ein großes Kompliment ist, zeigt die Statistik des Mittelfeldspielers: Er bestritt gegen Schweden sein 100. Länderspiel, hat also schon eine Menge erlebt und viele schöne Tore gesehen. So etwas wie den Geniestreich des Schweden im Stadion von Solna, der die große Wende nach einer 2:1-Führung der Engländer besiegelte, aber noch nicht.

          Ibrahimovic hatte ja erst am 16. Oktober ein anderes Spiel gedreht. Beim 4:4 gegen Deutschland nach 0:4-Rückstand traf er zwar nur einmal, aber seine Klasse war auch hier der größte Drehmoment. Der Bewunderung konnte sich keiner entziehen, nur der Internationale Fußball-Verband (Fifa) schaffte es in der Atmosphäre des Staunens und Nicht-Begreifens, einen schlechten Witz zum machen. Natürlich kürte sie den Schweden nach all den Länderspielen am Mittwoch auf der ganzen Welt zum „Spieler des Tages“.

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          „Ibracadabra“: Zlatan wird immer besser :

          Das „Tor des Tages“ aber sprach sie einem anderen zu. Der amerikanische Nationalspieler Michael Bradley hatte beim 2:2 seines Teams in Russland per Volleyschuss einen Treffer erzielt, den die Fifa tatsächlich noch bemerkenswerter fand. Was größte Befürchtungen begründet, was die Einschätzung von Fußballspielen und Toren betrifft. *

          Es war allerdings nicht der einzige Lapsus der Fifa, aber am zweiten war sie immerhin nicht schuld. Ihre Liste für das Tor des Jahres veröffentlichte sie vor dem Spiel der Schweden, darauf sind Spieler wie der Argentinier Lionel Messi, der Brasilianer Neymar und die Mexikanerin Olivia Jimenez zu finden – aber nicht Ibrahimovic. Für den sogenannten Puskás-Preis kommt er demnach nicht in Frage. „Ich habe gesehen, dass ich nicht dabei war, und das Problem musste ich lösen“, sagte der Schwede. Witziger war nur noch Horst Heldt, der Manager von Schalke 04. Auch er hat dieses Wunder von einem Tor gesehen – und sagte in Erinnerung an einen Treffer seines Teams kürzlich im DFB-Pokal: „Den Fallrückzieher von Ciprian Marica fand ich besser.“

          * Fehlerkorrektur

          Der Text wurde nachträglich korrigiert. In einer ersten Fassung wollten wir die Leistung Ibrahimovics schmälern mit dem Verweis auf ein Fallrückziehertor von Rade Prica. Der Schwede soll nach unserer Darstellung einmal aus 40 Metern mit dieser Art des Kunstschusses  in einem Spiel von Rosenborg Trondheim gegen den FC Basel getroffen haben. Offenkundig  sind wir dabei einer Täuschung erlegen. Prica traf so elegant lediglich in einem auf Youtube verbreiteten Video, das eine Szene aus einem Spielkonsole-Duell wiedergab. Wir bitten deshalb um die Nominierung dieses Treffers für das Tor des Jahrhunderts im Bereich Spielekonsole und bitten zugleich um Nachsicht für den Fehler.

          Quelle: FAZ.NET

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