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Fußball-Talentreport (2) : „Trainer sind zu wenig geschult“

Seit August 2014 Direktor Sport beim HSV: Bernhard Peters Bild: Picture-Alliance

Früher Hockey-Trainer, heute Fußball-Funktionär: Bernhard Peters spricht im FAZ.NET-Interview über die Entwicklung von Persönlichkeiten und mangelhafte Nachwuchsarbeit in der Bundesliga.

          Von 1986 bis 2006 machte Bernhard Peters als Trainer beim Deutschen Hockey-Bund auf sich aufmerksam, darunter Titel mit dem Herrenteam bei den Weltmeisterschaften 2002 und 2006. Bei der TSG Hoffenheim betreute er die Sport- und Nachwuchsförderung, bevor er im August 2014 zum Hamburger SV wechselte. Als „Direktor Sport“ zeichnet er dort für die Bereiche Jugend, Nachwuchs und Koordination verantwortlich.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Einige Bundesligavereine beschweren sich darüber, dass sich die besten Jugendspieler auf immer weniger finanzstarke Klubs verteilen. Entscheidet nur noch das Geld?

          Die begehrten Vereine haben auch einen guten und klaren Plan. Sie holen Bewegungstalente mit 14, 15 oder 16 Jahren zu sich – manchmal auch früher, zu früh –, um sie dann durch qualitätvolle Trainings- und Entwicklungsarbeit so stark zu machen, dass sie sich im Wert steigern. Diese Klubs gehen selbstbewusst davon aus, dass sie starke Trainer und Experten haben, die diese Jugendlichen sehr gut und effizient für den Profibereich entwickeln. Und sie gehen davon aus, dass sich daraus eine Wertsteigerung ergibt, so dass sie damit ihre Arbeit finanzieren können. Das ist ökonomisch kluges Arbeiten.

          Warum, weil’s Geld spart?

          Weil man Jugendspieler bis hin zu ihrer Persönlichkeitsentwicklung in allen Bereichen so formen kann, wie man sich das für die Identität eines Vereins vorstellt. Zunächst kostet das! Diese Jungs sind belastbarer, formbarer, gieriger. Wenn ich es gut mache, kann ich einem Klub damit eine Identität geben. So wie beispielsweise Leverkusen, Barcelona oder auch Freiburg und Mainz es gemacht haben.

          Vorbild Leverkusen: Die A-Junioren bei einer Bundesliga-Partie der Staffel West
          Vorbild Leverkusen: Die A-Junioren bei einer Bundesliga-Partie der Staffel West : Bild: Imago

          Und mit Finanzkraft soll das nichts zu tun haben?

          Der FC Bayern als einer der reichsten Vereine der Welt hängt in dieser Beziehung hinterher. Aber das Defizit haben sie erkannt. Jetzt wollen die Bayern die einzige Baustelle, die sie noch haben, mit absoluter Power schließen. Der Hamburger SV macht seine Ausbildungsarbeit auch noch nicht so gut wie beispielsweise Leverkusen, Hoffenheim oder Mainz. Da bin ich sehr selbstkritisch. Spieler, Eltern und Berater wissen nämlich sehr genau, welche Vereine ein durchdachtes Konzept haben, eine gute und zielgerichtete Ausbildung. Das ist ein Qualitätsmerkmal. Es ist klar, dass wir das jetzt auch beim HSV mit Nachdruck anstreben.

          Es heißt, rund 50 Prozent der Spieler, die mit 13 Jahren in Bundesligaklubs spielen, blieben dort bis zur Schwelle zum Profifußball. Und all diese Jungs kennen sich untereinander und sind über die Qualitäten der Klubs genau im Bild.

          So ist es. Die Jungs sehen sich immer wieder auf großen Turnieren oder in den DFB-Auswahlmannschaften. Die sprechen ständig miteinander. Spieler, Eltern und Berater bilden sich ihre Urteile. Ein qualitätvolles Ausbildungskonzept spricht sich dann auch rum. Ich weiß definitiv, dass kluge Eltern und Berater darauf schauen, wo die Durchlässigkeit und die Durchgangszahlen hoch sind, wo das Konzept schlüssig ist in der dualen Ausbildung - bei Fußball und Birne, wie ich immer sage.

          Was folgt daraus?

          Wenn man als Verein einmal im richtigen Fahrwasser ist und sich eine entsprechende Reputation mit einem Nachwuchsleistungszentrum erarbeitet hat, dann bekommt man immer wieder Anfragen, dass talentierte Spieler unbedingt dort spielen wollen. Das habe ich in Hoffenheim erlebt - und das ist nichts Verwerfliches.

          Und die größte Schwäche in der Nachwuchsarbeit ist der Übergang in den Profibereich?

          Das ist eindeutig die größte Problematik und Herausforderung. Aber das ist nach Vereinen unterschiedlich. Bei einem Klub wie dem FC Bayern, der eine wichtige Rolle in der Champions League spielt, sind die Übergänge über eine U 19 oder eine viertklassige U 23 brutal schwer. Nur absolute Top-Performer schaffen den Übergang. Man muss sicher bei der U 19 zu den fünf Top-Nachwuchsspielern auf der Welt gehören, um direkt den Sprung in den Kader von Guardiola zu schaffen.

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