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Homosexualität im Frauenfußball Unaufgeregte Küsse vor der Tribüne

 ·  Öffentliche homosexuelle Zuneigung ist auch nach dem Coming-out von Hitzlsperger in der Bundesliga undenkbar. Der Frauenfußball lebt mit der Normalität der lesbischen Liebe – zumindest solange des Privatleben nicht in der Öffentlichkeit erscheint.

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© dpa Vergrößern Herzzerreißende Geschichten? Die deutsche Nationalmannschaft im vergangenen Sommer während der EM in Schweden

Schlusspfiff eines Spiels in der Frauenfußball-Bundesliga. Die Siegerinnen jubeln, dann trotten einzelne Akteurinnen zur Tribüne. Nur zehn Meter entfernt von den Fernsehkameras, die gerade ein Interview mit einer Spielerin aufnehmen, umarmt eine Mannschaftskameradin ihre Lebensgefährtin, freut sich mit ihr über den Sieg, küsst sie.

Daneben stehen Fans. Sie freuen sich mit dem Pärchen. Eine vergleichbare homosexuelle Zuneigung ist in der Männer-Bundesliga und mit wenigen Ausnahmen bis hinab in tiefste Amateurspielklassen auch nach dem Coming-out von Thomas Hitzlsperger wohl noch lange undenkbar.

Der Frauenfußball lebt derweil mit der Normalität der lesbischen Liebe – zumindest solange es nicht um eine Darstellung des Privatlebens in der Öffentlichkeit geht. Dort wurden stattdessen während der Fußball-Europameisterschaft im vergangenen Sommer beispielsweise Geschichten geschrieben und gedreht über Lira Bajramaj und Celia Okoyino da Mbabi, die vor den bevorstehenden Hochzeiten und Namenswechseln zu Lira Alushi und Celia Sasic in Schweden auf der Suche nach geeigneter Hochzeitsmode waren.

Die Beziehungen von Spielerinnen zu Frauen, obwohl sie wohl noch die Mehrzahl der geliebten Wirklichkeit im Nationalteam darstellen, fanden medial nicht statt. Nur eine aktive Spielerin hat sich überhaupt jemals öffentlich zu ihren sexuellen Neigungen geäußert. Torhüterin Nadine Angerer erklärte vor der WM 2011, dass sie offen sei für Männer wie Frauen, dass sie den Menschen liebe und nicht ein Geschlecht. Ursula Holl, die ehemalige Ersatztorfrau, hatte zudem ihre langjährige Freundin im Beisein von Kameras geehelicht. Beide Fälle erregten öffentliches Interesse, aber keine Aufregung.

„Warum hätte ich die Öffentlichkeit suchen sollen?“

„Die Situationen bei Frauen und den Männern sind nicht vergleichbar“, sagt Steffi Jones. „Der öffentliche Druck bei den Männern ist ein ganz anderer.“ Die ehemalige Nationalspielerin und heutige Direktorin Frauenfußball im Deutschen Fußball-Bund (DFB) hat im vergangenen Jahr beim Ball des Sports auf Nachfrage der „Bild“-Zeitung ihre Beziehung zu ihrer Begleiterin öffentlich gemacht.

Kürzlich hat sie angekündigt, dass sie bald eine eingetragene Lebensgemeinschaft eingehen werde. „Ich habe es öffentlich gemacht, weil ich mir bei Nicole sicher war“, sagte Steffi Jones. „In früheren Beziehungen mit Männern oder Frauen zu Zeiten als Spielerin war ich mir doch selbst noch nicht sicher, wie mein Leben verläuft. Warum hätte ich damals also die Öffentlichkeit suchen sollen? Jetzt bin ich 40 und weiß, dass ich mit ihr den Rest meines Lebens verbringen will.“

Als eine Vorreiterin dafür, „dass sich jetzt alle Mädels outen sollen“, versteht sich die Frankfurterin nicht. „Das ist und bleibt Privatsache jedes Menschen“, sagt Steffi Jones. „Man sollte grundsätzlich keinen Druck ausüben, dass sich jemand outen soll. Ich wollte zudem immer als Sportlerin geschätzt werden und nicht wegen eines Coming-outs.“

Für den weitgehend normalen Umgang mit Homosexualität innerhalb des Frauenfußballs ist auch die Geschichte verantwortlich: Der Sport war nach der Aufhebung des DFB-Verbots im Jahr 1970 zwar nicht betont lesbisch. Aber er bot, da das weibliche Spiel mit dem Ball ohnehin von Vorurteilen belastet war, auch den gesellschaftlich im Abseits stehenden Lesben eine Nische, in der sie akzeptiert wurden.

Berater streuen bei der WM 2011 Gerüchte

Die sexuelle Orientierung spielte weitgehend keine Rolle, da alle Frauen erst einmal in ihrem Kampf um Anerkennung für ihr fußballerisches Treiben geeint waren. Der Anteil homosexueller Spielerinnen war in den achtziger Jahren deutlich höher als im Querschnitt der Gesellschaft. Die ehemalige Bundestrainerin Tina Theune-Meyer nennt in ihrer Diplomarbeit aus den frühen achtziger Jahren einen Anteil von 20 bis 40 Prozent, im Spitzenbereich gar weit über 50 Prozent.

Wenn sich im Frauenfußball jemals jemand wegen seiner sexuellen Orientierung in der Minderheit gefühlt haben sollte, dann damals eher heterosexuelle Spielerinnen. Noch rund um die WM 2011 streute mancher Berater Gerüchte, dass seine heterosexuelle Spielerin schlechtere Chancen hätte. Nach Kenntnis und Einschätzung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung entsprach das aber nie der Wirklichkeit.

Problematisch sind derweil Beziehungsprobleme innerhalb von Teams. 2003 musste eine Ersatzspielerin von der WM in den Vereinigten Staaten abreisen, da sie schlechte Stimmung in den Kader des späteren deutschen Weltmeisterteams zu bringen drohte. Angeblich wurde sie von ihrer nicht nominierten Freundin negativ beeinflusst.

Insider warnen wegen ähnlicher Erfahrungen davor, Beziehungen innerhalb eines Teams zumindest dort zu dulden, wo Frauenfußball zum Profisport geworden ist. Trotzdem sind sogenannte Doppelwechsel noch immer selbst bei Spitzenklubs an der Tagesordnung. Dabei nimmt ein Verein nicht nur die Wunschspielerin, sondern auch deren ebenfalls fußballspielende Lebensgefährtin unter Vertrag.

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