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Hoeneß im Interview „Ich will nicht auf Teufel komm raus siegen“

02.05.2005 ·  An 17 von 19 Meisterschaften des FC Bayern hat Uli Hoeneß mitgewirkt, sei es als Spieler oder als Manager. Hoeneß im F.A.Z.-Interview über Trainer Magath, Kapitän Kahn, Spielmacher Ballack - und Nationaltrainer Klinsmann.

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Bayern-Manager Uli Hoeneß über Demut beim deutschen Meister, Magaths Lernprozeß und Ballacks Wandel.

Hoeneß über die Stärke des FC Bayern

„Wir haben für deutsche Verhältnisse einen exzellenten Kader. Dazu haben sich die Dinge mit Felix Magath als Trainer sehr erfreulich entwickelt. Die Leute vergessen heute manchmal, wie holprig unser Start in diese Saison war. (. . .) Die Spieler haben nach dem harten Saisonvorbereitungsprogramm und dem Aufbau der zweiten Saisonhälfte in der Winterpause gespürt, wir haben Kraft, wir können die Spiele in der Schlußphase entscheiden. Was wir uns im Sommer am Wallberg über dem Tegernsee erarbeitet haben, davon profitieren wir noch heute. Mit Magath kamen frische Ideen, ein neuer Stil in den Arbeitsalltag des FC Bayern. Das Faszinierende an unserem Sport ist ja, daß es so viele Wege zum Erfolg im Fußball gibt.“

Hoeneß über Magath

„Von der Trainingslehre, vom taktischen Know-how ist alles da. Sähe er im Spieler noch mehr den Partner, täte ihm das auf Dauer gut. Da hängt er meines Erachtens manchmal noch stark der Ära Happel und Zebec nach, unter denen er beim Hamburger SV Spieler war. Das war die Zeit, in der mehr als heute mit dem Instrument Druck gearbeitet wurde. Ich versuche ihn in unseren oft intensiven Diskussionen davon zu überzeugen, daß man aus dem Spieler als Partner auch alles herauskitzeln kann. Lächelnd die eigene Botschaft rüberzubringen, das kann ebenfalls ein Weg zum Erfolg sein. Natürlich ist dieser Grat sehr schmal. Gibt er sich zu smart, wird er zu sehr Kumpel, geht die wichtige Distanz allzu leicht verloren. Die Kunst jedoch in allen Arbeitsprozessen ist, die Menschen so zu motivieren, daß sie sich immer wieder freuen, in ihren Berufen noch etwas mehr zu erreichen.“

Hoeneß über Kahn

„Oliver hat eine ganz schwierige Zeit hinter sich: Da waren die privaten Probleme, aber auch die Degradierung in der Nationalmannschaft. Daß er da nicht mehr Kapitän ist, das fand ich noch nachvollziehbar. Daß ihm Jürgen Klinsmann als neuer Nationaltrainer aber auch noch zu verstehen gab, er sei nicht mehr automatisch die Nummer eins, das war schon ein Schock für ihn. In dieser Phase hat er natürlich gewußt, daß er sich auf einen verlassen konnte: auf den FC Bayern. Wir haben ihm gesagt, du mußt wieder so halten wie früher, du mußt deine privaten Dinge in Ordnung bringen, dich wieder total auf Fußball konzentrieren. Wenn das alles in Ordnung ist, wird dir nichts passieren können. Dann werden wir die volle Breitseite des FC Bayern einsetzen. So ist es gekommen. Wir hatten da ein internes Gespräch mit Jürgen Klinsmann, Oliver Bierhoff, Joachim Löw und Andreas Köpke. Nichts davon ist nach außen gedrungen. Seitdem ist die Sache geklärt.“

Hoeneß über Ballack

„Ich glaube, das Verhältnis hat sich stabilisiert. Er hat lange seiner Zeit in Leverkusen nachgehangen. Was zunächst eine Vernunftehe war, ist nach meinem Empfinden inzwischen mit mehr Gefühl und Liebe zum Verein unterlegt. Bei ihm sehe ich eine positive Entwicklung zu einem Spieler, der mehr und mehr Verantwortung übernimmt.“

Hoeneß über die Allianz-Arena

„Da erwarte ich einen Schub für den ganzen Verein, weil das Olympiastadion zwar eine wunderbare Einrichtung war, aber von unseren Fans nie geliebt wurde. Das Olympiastadion wurde als Fußballstadion nie in die Reihe der großen Arenen Nou Camp, Bernabeu, Old Trafford, Giuseppe Meazza eingereiht, die Allianz Arena aber wird in die Phalanx der großen Stadien einbrechen. Welch ein Kraftakt mit diesem Stadionbau verbunden war, sehen viele Leute gar nicht.“

Hoeneß über Klinsmann

„Ob er ein guter Trainer ist, muß er noch beweisen. Holt er 2006 den Titel, hat er den Beweis erbracht. Was er meiner Meinung nach verändern muß, ist, daß er spätestens ab Weihnachten permanent in Deutschland ist. Das Argument, er könne in Kalifornien besser abschalten, zählt für mich nicht. Dann hätte ich ja auch nach den zwei Spielen gegen Chelsea sanatoriumsreif sein oder zumindest sagen können, am Samstag nach Hannover fahre ich nicht mit, da muß ich erst einmal abschalten. Viele Probleme ließen sich bestimmt besser lösen, wenn er da wäre.“

Das komplette Interview lesen Sie in der Montagausgabe (2. Mai) der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

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