Die vielen Lobeshymnen, die für ihn bestimmt sind, wehrt Jörg Schmadtke auf besondere Art ab. Er reagiert häufig einsilbig, manchmal sogar schroff. Die Verschlossenheit und der Hang zur Ironie sind zu einem Markenzeichen des Managers von Hannover 96 geworden. Schmadtke hat es auf alle Fälle geschafft, seiner Karriere als Torhüter eine erfolgreiche Laufbahn abseits des Rasens folgen zu lassen.
Dass Hannover 96 an diesem Donnerstag im Viertelfinal-Rückspiel der Europa League gegen Atletico Madrid (21.05 Uhr / Live im F.A.Z.-Ticker) auf das nächste Erfolgserlebnis hofft, ist auch ihm zuzuschreiben. Schmadtke gilt neben Trainer Mirko Slomka als Begründer eines bundesweit beachteten Höhenfluges. Kluge Transfers, hartnäckiges Verhandeln, dazu ein gewisses Maß an Verschwiegenheit - Schmadtkes Handschrift wird immer deutlicher.
Schmadtke hat seine besondere Position innerhalb kürzester Zeit gefestigt. Aus dem Manager und Sportdirektor, der sich mit Slomka auch schon öffentlich angelegt hat, ist unter dem kritischen Auge von Präsident Martin Kind ein Geschäftsführer mit unbefristetem Arbeitsverhältnis geworden.
Die Spekulationen, dass der 1. FC Köln bei seiner Suche nach einem Nachfolger für Volker Finke gerne auf ihn zurückgegriffen hätte, prallten an ihm ab. Schmadtke befand sich zu der Zeit ohnehin auf Dienstreise in Japan. Dabei ging es um mögliche Neuzugänge.
Hannover 96 findet immer mehr wertvolle Spieler dort, wo andere offenbar nicht genau genug hingesehen haben. Dazu zählt die Verpflichtung von Mame Diouf. Dass Hannover 96 für den 24 Jahre alten Senegalesen fast zwei Millionen Euro Ablöse an Manchester United überweisen musste, war mit Blick auf die finanziellen Möglichkeiten der Niedersachsen ein mutiger Schritt.
Doch während der Gruppenphase in der Europa League war den Niedersachsen klar geworden, dass man weiter in den Spielerkader investieren muss, um mit der etablierten Konkurrenz mithalten zu können. Und Diouf hat mit acht Toren in zwölf Pflichtspielen bewiesen, dass sich Schmadtke für den richtigen Mann entschieden hat.
Schmadtke hat natürlich Ecken und Kanten. Als seine Rivalität mit Slomka vor anderthalb Jahren zu eskalieren drohte, war ein Machtwort des Chefs notwendig. Präsident Kind möchte die Reibungen zwischen seinen beiden wichtigsten Angestellten trotzdem auch nutzen.
„Unser Erfolg ist maßgeblich mit den beiden verbunden. Und er ist das Ergebnis höchst professioneller Arbeit“, sagt Kind, der Schmadtke mit seiner eigenwilligen Art gewähren lässt und ihm viel Vertrauen entgegenbringt. Immerhin hat der Fachmann ja schon einiges zum Wohl von Hannover 96 bewerkstelligt.
Schmadtke hatte zum Beispiel das Gespür dafür, dass der talentierte Nachwuchstorhüter Ron-Robert Zieler unbedingt eine Chance in der Bundesliga bekommen sollte. Er konnte auch einem Feldspieler wie Christian Pander, der einst bei Schalke 04 aufgrund einer Knieverletzung einen schweren Stand hatte, eine behutsame Integration zusichern und ihn damit wieder aufbauen.
Diese Fähigkeiten machen sich für Hannover 96 bezahlt. Und vielleicht wird nun in der Europa League ein besonderes Kapitel hinzugefügt.